Archiv des Autors: christine.kranz

13. Jun.

Ja zur Digitalisierung ohne Untertauchen

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Wie Selbstreflexion Widerstand löst und ermutigt

Die Digitalisierung beschleunigt sich mehr und mehr. Noch nie hatten wir in der Wirtschaft so viele globale Veränderungen. Wir leben in einer spannenden Zeit voller Möglichkeiten. Für viele Menschen sind dies schwierige Herausforderungen und sie haben Angst, den immer größer werdenden Anforderungen nicht mehr standzuhalten und den Zug zu verpassen.

Die Chance kann leicht zur Bedrohung werden.
Statt Freude und Mut machen sich Ungewissheit und Unsicherheit breit. Schnell ein zwei Schritte zurück, denn es könnte schief gehen. Rasch sind viele berechtigte Gegenargumente und auch Gleichgesinnte gefunden, mit denen man leicht Widerstand aufbauen kann. Die bewährten Prozesse sind kurzfristig gerettet. Doch der Schein trügt, denn wer sich erfolgreich wehrt, wird über kurz oder lang ziemlich ins Schwimmen kommen oder durch einen unerwarteten Tauchgang scheitern. Dies gilt für Mitarbeitende, Führung, Management, Organisationen und Staaten gleichermaßen. Denn der digitale Fortschritt ordnet sich nicht der subjektiven Befindlichkeit oder Traditions- oder Kulturthemen unter. Wir haben keine Wahl. Die Digitalisierung ist da und wer nicht einsteigt, verliert den Anschluss. Außerdem ist Digitalisierung notwendig, um Innovationen umzusetzen, die helfen, die Lebensgrundlage kommender Generationen zu erhalten.

Mit Reflexion können wir versuchen, das zentrale Grundprinzip der Digitalisierung zu erkennen. Digitalisierung vereinfacht und führt zum Weniger. Wir lernen Kontrolle loszulassen und beginnen ehrlicher und wahrhaftiger zu sein. Die Folge: Menschen mit Verlust- oder Transparenzängsten fühlen sich bedroht. Natürlich hat alles seine Schattenseite, jedoch haben wir die große Chance, uns das Leben zu erleichtern, Ressourcen zu schonen und uns auf Wesentliches zu fokussieren.

Die aktuellen Diskussionen vom bargeldlosen Zahlen zeigen auf, wie sich viele der konsequenten Digitalisierung verweigern. In nordischen Ländern und Teilen Asiens wird bargeldloses Zahlen selbstverständlich gelebt. Während sich in Zentraleuropa wirtschaftliche Größen mit Argumenten wie „nicht gläsern sein wollen“ dagegen aussprechen. Was gibt es zu verbergen? Sind wir so klar und stark, sodass wir mit reinem Gewissen unser Leben offen legen können? Das heißt auch zu unseren Schwächen und Fehlern stehen. Die meisten Innovationsprozesse und -konzepte brauchen Transparenz und weltweiten Zugang. Ehrlichkeit mit gelebter Verantwortlichkeit verringert Korruption und Kriminalität. Humanisierung und die internationale Chancen-Gemeinschaft brauchen Offenheit und Fairness. Wir sind aufgefordert, die individuellen Komfortzonen zu verlassen und mit Mut aufzubrechen und Grenzen zu überwinden.

Mit Selbstreflexion erkennen wir unsere persönlichen Grenzen und die dahinterliegenden Ängste. Gelingt es uns, die Hindernisse und Widerstände zu beleuchten, ist dies der erste und wichtigste Schritt, damit sich diese auflösen können und Entwicklung möglich wird. Folgende 3 Fragen sollen inspirieren und anregen sich seiner eigenen Gedanken, Gefühle und Muster bewusst zu werden:

  • Mit welchen Digitalisierungsthemen fühle ich mich überfordert?
  • Was befürchte ich durch Digitalisierung zu verlieren und was kann ich gewinnen?
  • Wie stehe ich zu meiner eigenen Innovationskraft und wie könnte mir Digitalisierung helfen diese zu entwickeln?

Mit persönlicher Klarheit können wir uns kraftvoll dem brachliegenden Potenzial zuwenden und den Schatz der innovativen Digitalisierung heben und entfalten lassen. Dazu brauchen wir eine Kultur, die lebenslanges Lernen als Selbstverständlichkeit sieht. Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist eine wirksame Personal- und Organisationsentwicklung, die die Verunsicherung der Mitarbeitenden und Entscheidungsträger erfasst. Es braucht von allen Beteiligten ein klares Ja zur Digitalisierung und gegenseitige Ermutigung im Sinne der freudvollen Wandlung und neuer Chancen.

Christine Kranz im Web
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 Bildnachweis: © shutterstock

31. Jan.

Mit weniger mehr erreichen

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Wie Reflexion hilft Ballast zu erkennen und die Komfortzone zu verlassen

Genau ein Monat des neuen Jahres ist vergangen. Sind Sie selbst Ihren Zielen näher gekommen? Und haben Sie das, was Sie sich mit Ihrem Team, Ihren Kooperationspartnern und Kunden vorgenommen haben, erreicht?

Persönliche und organisationale Entwicklungen benötigen Planung, Geduld, Disziplin und eine Vision. Dafür müssen wir den Sinn und das Wesentliche erkennen, meist hohen Einsatz bringen und bereit sein zu verzichten.

Das ist oft schwer, denn unsere Wohlstands- und Angstkultur macht uns träge und wirkt lähmend. Verlustängste werden genährt, Potentialentfaltung wird verhindert. Viel zu viele „wenn“ und „aber“ stehen uns im Weg. Kennen Sie Aussagen oder auch eigene Gedanken wie „Ich kann das nicht, weil irgendjemand oder irgendetwas …“? Oft werden Blockaden und Misserfolge mit äußeren Faktoren begründet. Doch diese Gedanken oder sogar Einstellung ist unreif und selbstverhindernd. Denn äußere und innere Faktoren bewirken sich gegenseitig.

Der folgende Film symbolisiert mit dem Berg hohe Ziele und der Mondsichel das Reflektieren, in sich gehen und Verborgenes erkennen. Auch wenn der Mond zwischenzeitlich aus unserem Blick verschwindet, so ist er doch immer da. Mit Reflexion klären wir die Höhe und Weite unseres Tuns bereichern es mit Tiefe und Sinn.


Reflexion hilft in der Überfülle der Möglichkeiten sich zu erinnern, dass es bei zentralen Veränderungen in erster Linie nicht darum geht, was wir verstärken oder vermehren, sondern was wir reduzieren oder abschaffen. Effizient ist, wer in der Zusammenarbeit sich gegenseitig ermutigt Klarheit zu schaffen und unnötigen Ballast abzuwerfen. Leichtes Gepäck ermöglicht Agilität im Innen und Außen.

Im gemeinsamen Tun ist es erfolgsentscheidend, laufend blinde Flecken bewusst zu machen, Selbstverantwortung zu ermöglichen und entschlossen die Komfortzone zu verlassen. Dies eröffnet neue Perspektiven und sich kraftvoll Zukunftschancen hinzuwenden. Auch gemeinsam reflektierte und durchaus auch hohe Ziele zu setzen. Optimistisch zu sein und gleichzeitig damit zu rechnen, dass das Angestrebte eventuell nicht erreicht werden kann.

Außergewöhnliche Ziele, sei es für sich selbst oder die Organisation, brauchen eine innovative Einstellung und ansteckende, beflügelnde Aufbruchsstimmung. Schlussendlich ist etwas nicht Erreichtes ein kleinerer Verlust als eine vertane Chance. Noch ganze 11 Monate liegen in diesem frischen, chancenvollen Jahr vor uns. Auf geht’s mit weniger, für mehr Erfolg!

Christine Kranz im Web
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Filmnachweis: © shutterstock Wilderness Snow Mountain Peaks

Weitere Impulse zur Zielerreichung finden Sie im weekend magazin Interview ‚Erfolgreiches 2017 – Zielgerade‘ vom 20.1.17

7. Sep.

Neuentwicklung zur Messung von Reflexionsreife

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Quantitative Vorstudie zum Symbolon-Reflexions-Assessment

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“ Viktor E. Frankl, 1905-1997

Je reflektierter eine Person ist, desto differenzierter kann sie persönlich auf Gegensätze, Widersprüche und Paradoxa reagieren. Durch die erweiterte Wahrnehmung gelingt es ihr besser, die Komplexität der Welt zu erfassen. Je höher der Reflexions-Reifegrad desto weitsichtiger und umfassender ist das Denken und Handeln ausgerichtet.

Ähnlich der Ich-Entwicklung lässt sich der Reflexions-Reifungsprozess eines Erwachsenen in Stufen abbilden. Jede Reflexions-Entwicklungsstufe hat ihre eigenen spezifischen Muster der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Diese will das Symbolon-Reflexions-Assessment erfassen. Durch die Differenzierung der individuellen Entwicklung in den verschiedenen Stufen können Entwicklungsthemen entsprechend der jeweiligen „Psycho-Logik“ angegangen werden. Die Konzeption der Reflexionsreifestufen knüpft dabei an die Theorien der Entwicklungsebenen von Wilber, Loevinger und Keagan an.

Die Erfinderin der Symbolon-Methode® Christine Kranz und die Wirtschaftspsychologin Mag. Linda Baumgartner erarbeiten das neue Assessment. Die beiden Spezialistinnen bringen jeweils jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Anwendung von psychologischen Testverfahren mit. So ist auch bei diesem neuen Symbolon Tool die Kombination aus Reflexion und Selbsteinschätzung zu Bildserien und Aussagen einzigartig. Die Erfassung des Reflexions-Entwicklungspotenzials wäre ein fehlender Puzzlestein in der Diagnostik. Das Reflexions-Assessment setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil besteht aus 9 Bildserien zu je 6 Abbildungen, der zweite Teil aus 12 Fragenbereichen zu je 6 Statements.

Symbolon-Reflexions-Assessment_blogSeit dem Projektstart im November 2015 wurden die Serien laufend getestet, optimiert und mit neuen erweitert. Im September 2016 wird der vierte und bislang umfangreichste Testdurchgang erstmalig online zugänglich. Nach drei qualitativen Vorstudien erfolgt nun die erste quantitative Vorerhebung zur psychometrischen Prüfung des Instrumentes. Im Vorfeld wurden durch Assoziationsabfragen und Expertenratings die inhaltliche Relevanz der Items und Kunstwerke überprüft, nun hat das Verfahren seine erste empirische Prüfung zu bestehen.

Erleben Sie persönlich die Innovation und nehmen Sie vom 6. bis 26. September am Reflexions-Assessment teil. Allein der Prozess des Ausfüllens wird Sie überraschen. Nach Auswertung der Gesamtergebnisse, erhalten Sie eine Rückmeldung zu Ihrem persönlichen Ergebnis. Außerdem unterstützen Sie mit Ihrer Teilnahme die Weiterentwicklung des innovativen Tools.

Den Zugang zum Ausfüllen erhalten Sie auf Nachfrage über forschung@symbolon.com
Das Symbolon-Team freut sich über Ihr Interesse und Mitwirken. Ihr Feedback, Ihre Gedanken und Anregungen für die Weiterentwicklung sind sehr willkommen. Herzlichen Dank!

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Linda Baumgartner im Web
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31. Mai.

Was kann passieren, wenn wir den Schwachen eine Chance geben?

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Mit schlechtem Start und viel Potenzial

Wenn wir Potenzial als noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeit verstehen, müssten die Schwächsten am meisten davon haben. Warum fördern Unternehmen fast ausschließlich die Erfolgreichen, die sogenannten High-Potentials? Dies gilt es in Frage zu stellen, denn welche Chancen wir verpassen können, zeigen die folgenden vier ganz unterschiedlichen Geschichten.

Suche Kandidaten mit schlechten Noten
Im Artikel „Warum ein Unternehmer Azubis mit schlechten Noten einstellt“ beschreibt Miriam Eckert eine berührende Geschichte zum Thema Potenzialentfaltung von Lehrlingen. Dem Berliner Unternehmer Jürgen Stark sind die Zeugnisse der jungen Menschen nicht so wichtig, die Förderung dafür umso mehr. Er nimmt sich viel Zeit für das Bewerbungsgespräch. Versucht zum Beispiel zu klären, ob die KandidatInnen ehrlich sind, ihm in die Augen schauen und frei reden können. Seine Entscheidung bezieht er auf menschliche Voraussetzungen und ob die Chance der Entwicklung besteht. Er fördert und motiviert seine Lehrlinge, indem er ihnen lösbare Aufgaben gibt. So nehme er sich für die jungen Menschen Zeit, bleibe mit ihnen im Gespräch und könne mittelfristig erstklassige Mitarbeitende gewinnen.  Link zum Artikel

Vincent_van_Gogh_-_National_Gallery_of_ArtVerkanntes Genie
Das Selbstportrait von Vincent van Gogh zeigt ihn ein Jahr vor seinem Tod, im Alter von 37 Jahren.

Das Gesicht ausdrucksstark, gezeichnet von Entbehrungen und Not. Kaum jemand hat ihm zu Lebzeiten eine Chance gegeben. 100 Jahre später werden seine Werke zu unermesslichen Preisen gehandelt.

Es ist anzunehmen, dass der verrückte van Gogh wenig Förderung gebraucht hätte, um besser und länger leben zu können. Er hätte seine Genialität zur weiteren Entfaltung bringen und damit sein Werk wachsen lassen können. Seine Förderer hätten im Laufe der Zeit ein wertvolles Vermögen gewonnen, die Menschheit weitere Werke erhalten, die in ihrer Intensität und Ausdruckskraft einzigartig wären.    

 

Früh gelernt, wie man es „nicht macht“
Ein junger Unternehmer erzählte mir, dass er als Kind zum Zeitpunkt seiner Einschulung zu seinen Eltern nach Zentraleuropa nachgeholt wurde. Durch sein unterschiedliches Aussehen ständig gehänselt, von Lehrkräften im Stich gelassen, schlug er sich im Mangel der Deutschen Sprache auch körperlich durch. Der leidvolle Weg setzte sich auch in den ersten frühen ausbeutenden Jobs weiter. Er erzählte, dass ihm aus jetziger Sicht die damals schwierigen Bedingungen die Motivation und Kraft gaben, für seine Familie und sich ein gutes Leben zu schaffen. So ging er mit viel Arbeitseinsatz konsequent den eigenen Weg. Er habe früh gelernt, wie man es „nicht macht“. Sein Führungsstil und Unternehmertum ist ein engagiertes, chancengebendes Miteinander. Sein erfolgreiches innovatives Unternehmen bekommt internationale Anerkennung und steht in jeder Beziehung für Service und Qualität.

Tägliche Handlungen machen den Unterschied
Während ich diesen Blogartikel schreibe setze ich mich auch persönlich verstärkt mit dem Fördern der Schwachen auseinander. Die Wirkung zeigte sich bei einer einfachen Handlung, dem Kauf einer Salbeipflanze. Die Einzige noch zu Habende war vertrocknet und hing schlapp über den Topfrand. Schnell stellte ich sie zurück ins Regal und machte mich mit dem Einkaufswagen weiter zur Abarbeitung der Liste. Ich erinnerte mich dabei an den Berliner Unternehmer und fragte mich, ob ich dem Salbei doch eine Chance geben könnte. Gewässert und eingesetzt hat er sich zu meinem Erstaunen in nur 2 Stunden prächtig erholt. Ich erlebte durch ihn ein erhellendes Erfolgserlebnis und Freude, dass er es geschafft hatPotenzial_Salbei_www.symbolon.com.

 

Erfolg durch Menschlichkeit
Wenn die Starken und somit Privilegierten den scheinbar Schwachen Chancen geben, gewinnen Alle. Jürgen Stark beschreibt wie auch er persönlich von dem vermeintlich schwierigen Zuwachs im Betrieb profitiert: „Weil ich auf das Verhalten der Azubis achte, nehme ich auch mein eigenes Verhalten bewusster wahr.“ Im empathischen Miteinander schärfen wir unsere Reflexionsfähigkeit. Die bewusstere Selbstführung hilft situationsadäquat einzuwirken und somit die Effizienz zu steigern.

Der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther zeigt auf, dass wenn wir Andere als Objekte behandeln und benützen, Potenzialentfaltung verhindert wird. Beziehungsfähigkeit, ehrlicher Umgang und gegenseitige Förderung sind zentrale Führungsqualitäten.

Besonders in herausfordernden Zeiten brauchen wir Ermutigung, frühzeitig und freiwillig die Komfortzone zu verlassen. Es ist ein Gewinn von Benachteiligten zu lernen und positiv überrascht zu werden, denn sie verfügen oft über eine hohe Resilienz. Haben es die Schwachen geschafft, geben sie meist um ein Vielfaches zurück.

Chancengebende Entscheidungen und Handlungen sind gelebte Menschlichkeit, um die es schlussendlich geht. Die positive Auswirkung sind Wertschätzung, Loyalität und Lebensqualität. Darin liegt die Chance für wirkliche Führung, die sich am Menschen orientiert und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich ist.

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Bildnachweis: Kunstwerk: Self-Portrait, 1889, Vincent van Gogh (1853-1890), National Gallery of Art, Washington D.C.; Foto: Christine Kranz

9. Feb.

Mehrdimensionales Coaching mit Achtsamkeit und Wertfreiheit

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Sensibel, fragil und höchst leistungsfähig

Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Wie schaffen Coaches die verschiedenen Ebenen und Dimensionen zu beleuchten? Den Kunden gerecht zu werden, sie in ihrer mehrdimensionalen Welt abzuholen und zu begleiten?

Ich lade Sie zu einer Videoanimation (20 sec.) über die neuronale Aktivität des Hirns ein. Wenn Sie in den Vollbildmodus wechseln, erleben Sie die Hirnaktivitäten intensiver. Vielleicht möchten Sie beobachten, was der Film in Ihnen auslöst und versuchen, den Prozess und das Wesen des Hirns zu erfassen:

 

Was sind Ihre spontanen Gefühle und Gedanken?
Was braucht das Hirn für seine Regeneration und Entwicklung?
Was brauchen Sie für Ihre Weiterentwicklung?

Jedes Hirn ist ein vielschichtiges und komplexes Werk. Sensibel, fragil und hoch leistungsfähig. Wenn Coaching und Trainings auf verändertes Verhalten abzielen, wird der Mensch vordergründig und kurzfristig in seiner Herangehensweise gepuscht, jedoch innerlich in der Psyche durch Botschaften wie „ich bin nicht ok“, „ich muss die Erwartungen erfüllen“ oder „mit mir stimmt etwas nicht“ verunsichert. Interventionen, die mit Erfolgsdruck und Motivationsmodellen manipulieren und indirekt Ängste schüren, bringen Menschen immer mehr von dem, was sie sind, weg. In unserer Kultur wird schon jungen Menschen erklärt, dass sie im Sinne „höher, schneller, weiter …“ sein sollen und was von ihnen erwartet wird. So werden Menschen durch die Erfüllung von Erwartungen und künstliche Anpassung innerlich immer mehr verunsichert.

Das Ergebnis ist, dass zum Beispiel eine Führungskraft, die innerlich unsicher ist, kompensiert, indem sie machthungrig das Umfeld ausnützt und distanziert bleibt. Um innere Ängste nicht zu spüren und „zu überleben“ entscheidet und handelt sie für den eigenen Vorteil und kann so in eine destruktive Maßlosigkeit geraten. Genauso kann es sein, dass eine andere Führungskraft, die innere Unsicherheit, durch eine überkritische Haltung kompensiert. Im Wunsch Gutes zu tun und „die Welt retten zu wollen“ kann auch sie egozentrisch und unnahbar wirken. Die Kompensationsmöglich-keiten sind vielschichtig und unterschiedlich. Für alle gilt: Je stärker ein Mensch unbewusst und auf Kosten anderer kompensiert, je schwächer ist seine innere Persönlichkeitsentwicklung.

Coaches brauchen psychologische Kenntnisse und Erfahrungen, um die vielfältigen Kompensa-tionen zu erkennen. Mit einer sensiblen und empathischen Begleitung können sie Kunden höchst wirksam in ihre inneren Ebenen führen. Dazu müssen sie mit den Kunden ohne Erwartungen und Wertungen die versteckten Unsicherheiten und Muster beleuchten. Die Kunden werden durch den eigenen Reflexionszugang und neue Erfahrungen gestärkt. Die persönliche Geschichte mit allen Ereignissen ist im Hirn abgespeichert und ermöglicht in integrierter Form Potenziale frei zu setzten. Wenn es gelingt, wesentliche und tiefe Selbsterkenntnisse zu erlangen, geschieht wie von selbst ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Damit Coaches dem mehrdimensionalen Menschen gerecht werden können, ist die eigene Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Neben hoher Fachkompetenz brauchen sie Reflexionskompetenz, Achtsamkeit und Hingabe. In Coaching-Prozessen, welche mit Wertfreiheit geführt werden, entwickeln sich Menschen wirksam aus sich heraus weiter. Verdrängte oder unbewusste Unsicherheiten, die sich im Hirn als destruktive Muster „Fehlschaltungen und Blockaden“ manifestiert haben, können sich lösen und wandeln. Wird der Fluss in der menschlichen Schaltzentrale hergestellt, wird auch der Lebensfluss mit allen Funktionen und Zugängen befreit. Coaching mit Empathie und Tiefe öffnet den Menschen für echte Selbstreflexion, welche seine individuelle innere Ordnung herstellt und seine Mehrdimensionalität in Einklang bringt.

Weiterführende Informationen
Maintaining and promoting excellence in coaching – der Code of Ethics vom ICF
Reflexionskompetenz trainieren – der Symbolon-Lehrgang

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Filmnachweis: © Shutterstock: Neuronal Activity

16. Jul.

Mit intuitivem Wissen Entscheidungen treffen

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Wie wir den Sommer als Reflexionsraum nützen können

Öfter passiert es den meisten von uns, dass wir im Nachhinein sagen „ich habe es gewusst“ oder „es war schon am Anfang klar“ und „hätte ich nur anders reagiert“. Der Naturforscher Alexander von Humboldt sagte um 1800 „Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus.“ Wie gelingt es uns, wichtige Zeichen zu sehen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen?

Entschleunigung bewirken
Wenn wir konstant mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, können wir Eindrücke und Erlebnisse nur partiell verarbeiten. Die Gefahr ist, dass wir uns immer schneller durch unser Arbeitsleben bewegen und zu Getriebenen werden. Wir verlieren dabei die Verbindung zu unserem inneren Zentrum und geben zu viel Kraft undifferenziert nach außen. Der Ausstieg aus dem rotierenden Gedanken- und Emotionskarussell scheint mehr und mehr unmöglich. Um die Dynamik zu stoppen, brauchen wir eine bewusste Entschleunigung. Dazu gehört, nicht sofort auf Impulse von außen zu reagieren und sich für Entscheidungen Zeit zu lassen. Schaffen wir es, von der schnellen Handlung mehr in die Beobachtungshaltung zu wechseln, eröffnet sich ein neuer Blick auf uns selbst und unser Umfeld.

Distanz schaffen
Der Sommerurlaub ist ideal, um bewusste und klärende Distanz zu schaffen. Wenn es uns gelingt aus den Prozessen des Arbeitsalltags auszusteigen, können gewohnte Abläufe und eigene Muster durchbrochen werden.

Im Kunstwerk von Claude Monet ist dargestellt, wie die Natur zwischen dem Dorf und unserer Position liegt. Dies könnte die Distanz zu unserem gewohnten Umfeld symbolisieren, z.B. zu den Kommunikationskanälen wie Telefon, Email, Web 2.0 Plattformen etc.. Unerreichbarkeit führt uns unmittelbar näher zu uns selbst. Dabei können wir uns sammeln und zentrieren, ohne funktionieren zu müssen. Wir schaffen eine innigere Beziehung zu dem, was uns bewegt und was unsere eigene Natur ausmacht. Wir haben die Wahl, den Sommer mit Ruhe und Gelassenheit oder wild und lebendig zu erleben. Vor allem bietet die Sommerzeit mit dem vermehrten Freiraum die Chance, spontan zu sein und den intuitiven Impulsen zu folgen. Meist entsteht fast wie von selbst Entschleunigung und Druckentlastung, die sich wohltuend und regenerierend auswirkt.

Reflexionsräume nützen
In der entstehenden Verlangsamung eröffnet sich ein Reflexionsraum, der uns ermöglicht, Beobachtungen zu verarbeiten und dazu gehörende Ahnungen zuzulassen. Oft ist Wesentliches nicht mit reiner Analyse zu erkennen. Intuitives Erfassen gibt die ungreifbaren Zwischenräume frei. Das können zum Beispiel Sätze sein, die nie ausgesprochen wurden, jedoch impliziert sind.

Nach dem genialen Physiker und Denker Albert Einstein ist „das eigentlich Wertvolle im Grunde die Intuition“. Unsere Intuition gibt uns durch irreale Wahrnehmung Impulse, dass etwas ist. Im Kunstwerk von Tamara de Lempicka bekommt die Frau ein zweites Gesicht, bei dem der Blick ins Nichts zu gehen scheint. Dem „vordergründig Unsichtbaren“ können wir uns mit der Intuition nähern. Die Ahnungen sind frei von dem, was wir schon wissen und unseren Wertungen. Intuition eröffnet uns neue Räume und erweitert unsere sensitive Wahrnehmung für Zukünftiges. Wenn wir uns selbst in unseren diffusen Gefühlen ernst nehmen, schärfen und entwickeln wir unsere Sensorik für die Außenwelt. Das Diffuse wird erfasst und kann im reflektiven Austausch mit anderen weiter konkretisiert werden. Die gewonnene Stärke durch den Zugang zur Intuition symbolisiert der klare ausgerichtete Blick der rechten Frau.

Entscheidungen treffen
Die Jahresmitte ist ideal um inne zu halten und das erste Halbjahr Revue passieren zu lassen. Was hat sich wie entwickelt? Waren von Anfang an die Zeichen stimmig? War es zu Beginn schwierig und ist es schwierig geblieben? Was sagt meine Intuition? Welche Korrekturen braucht es? Wo braucht es ein Beenden und Abschließen? Wo einen Neuanfang?
Wir können durch unsere Klarheit und den Mut zu korrigieren oder abzuschließen und neu zu beginnen uns und unser Umfeld stimmig ausrichten. Durch Konzentration auf das Wesentliche reifen wir in unserer Persönlichkeit und erreichen die höchst mögliche Lebens- und Arbeitsqualität.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis:
Bordighera, 1884, Claude Monet, The Art Institute of Chicago
The Young Ladies, 1927, Tamara de Lempicka, private collection

27. Jan.

Wie Schieles Werke psychologische Kompensationen aufzeigen

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Mit hohem Bewusstseinsgrad differenziert und authentisch führen

Im Zusammenhang mit Führung und Karriere werden psychische Krankheiten wie Depression, Ich-Schwäche, Persönlichkeitsstörung, Burnout-Syndrom und Narzissmus oft selbstverständlich verwendet. Entsprechend hat der Begriff der Resilienz kometenhaft an Prominenz gewonnen. Was schnell und oberflächlich thematisiert und schubladisiert wird, kann in keiner Weise den Betroffenen gerecht werden. Das Innenleben und die daraus resultierende Außenwirkung sind das Ergebnis einer langen unvergleichlichen Lebensreise. Die Summe aller Erlebnisse macht die Einzigartigkeit des Menschen aus. Mit all seinen unverarbeiteten Schwächen, gelebten Stärken und angelegten Potenzialen.

Um die inneren Potenziale freizulegen, bedarf es einer tiefgreifenden Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört die reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche. So selbstverständlich wie Körperpflege und -hygiene kultiviert werden, verlangt auch die Bearbeitung der psychischen Ebene nach differenzierter Aufmerksamkeit mit Fokus auf Selbstentwicklung. Wer die „Psychohygiene“ mit den darin enthaltenen Ängsten, Mustern und Schwächen vernachlässigt oder sogar negiert, riskiert mit der Zeit psychisch und körperlich instabil und krank zu werden.

Vor 100 Jahren stellte der österreichische Künstler Egon Schiele mit intensivster Ausdruckskraft psychologische Inhalte dar. Der folgende Exkurs mit zwei seiner Selbstportraits zeigt mit Hilfe von symbolischer Übersetzung und assoziativer Betrachtung tiefsinnige Themen und Entwicklungspotenziale auf. Dabei werden nicht Schieles Gedanken interpretiert sondern vielmehr auf die Symbolik und eigenen Empfindungen, welche das Dargestellte auslöst, geachtet. Lässt sich der Betrachter auf persönliche Assoziationen ein, gelingt es ihm innere Muster und Prozesse zu Tage zu fördern.

Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung

Dieses 1910 entstandene Selbstportrait symbolisiert durch die prägnante Formgebung und intensive Kolorierung des Kopfes, der Hand und des am unteren Bildrand angedeutet Beines die Ausprägung der intellektuell steuernden Fähigkeiten sowie der Handlungskraft und Fortbewegung. Die kantig geführten Linien, der starke Ausdruck des Gesichtes und die roten Augen stellen Unsicherheit genauso wie Dominanz dar. Schiele verzichtet gänzlich auf die Ausmalung des Gewandes. Dies assoziiert einen reduzierten Korpus oder eine schwebende Hülle die, im Gegensatz zu Kopf und Gliedmaßen, unfassbar wirkt.

Diese Leere steht sinnbildlich für Menschen, deren innere persönliche Bereiche der Gefühle, Bedürfnisse und Instinkte inhaltslos und unerfüllt bleibt. Sie haben durch die Identifizierung mit der Leistung und den Erfolgen im Außen den Kontakt nach Innen verloren. Meist sind diese Menschen abhängig von der Rückmeldung Anderer und funktionieren daher reaktiv und undifferenziert.

In der nach außen gerichteten Wirtschaftswelt der Superlative von mehr, schneller und grösser wird die Innenschau gänzlich an den Rand gedrängt. Die innere Stimme verstummt und Sinnfragen bleiben unbeantwortet. Die ursprüngliche Lebensquelle und -kraft versiegt. Die Psychologie bietet Wege nach Innen und gibt Antworten auf psychodynamische Prozesse, die im Menschen wirken und laufend von außen angestoßen werden. Denn alles, was einen Menschen bewegt, sei es in angenehmer oder unangenehmer Weise, hat mit ihm selbst zu tun. Mit einem niedrigen Bewusstseinsgrad wird das eigene Problem auf andere projiziert und das Konfliktpotenzial erhöht, was wiederum erschwert konstruktive Lösungen zu finden. So wird zum Beispiel auf kritisches Feedback mit Verteidigung reagiert. Mit einem hohen Bewusstseinsgrad gelingt es, die subjektive Kränkung zu reflektieren und zu verstehen, dass zum Beispiel der mangelnde Selbstwert zu dem Schmerz und der Abwehr führte. Die selbstverantwortliche Auseinandersetzung mit dem ausgelösten inneren Muster und dem darin enthaltenen Entwicklungspotenzial wird bearbeitet. Zum Beispiel kann daraus ein gesundes Ich-Bewusstsein erwachsen. Entsprechend wird das Ereignis mit allen Beteiligten objektiv bearbeitet und eine adäquate Weiterentwicklung und Gestaltung der Arbeitssituation bewirkt.

Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

Im diesem, 3 Jahr später entstandenen, Selbstportrait hebt Schiele mit der Gestik und Kolorierung in gegensätzlicher Weise, als im vorherigen Werk, symbolische Inhalte hervor. Das orangene Gewand steht für starke, persönliche Bezogenheit zur emotionalen, körperlichen und instinktiven Lebenskraft. Der sinnliche Gesichtsausdruck mit den geschlossenen Augen stellt die ganz nach Innen gerichtete Aufmerksamkeit dar. Durch die Stirnfalten erscheint die Innenschau keineswegs passiv sondern vielmehr ein Suchen und Ringen um tiefere essenzielle Erkenntnisse.

Richtet ein Mensch die selbstkritische Auseinandersetzung zu stark nach Innen mit zu wenig Distanz zum subjektiven Empfinden, kann dies auf die spontane Potenzialentfaltung hemmend wirken. Ständige Selbstzweifel und Hinterfragung absorbieren die Kraft, die für eine lebendige Gestaltung im Außen notwendig wäre.

Die ausbalancierte psychologische Auseinandersetzung mit sich selbst ist für Führungskräfte und Entscheidungsträger ein unschätzbarer Gewinn. Denn jeder hat seine Sonnenseiten und auch Schattenthemen, die sich bei Verdrängung destruktiv, verhindernd und kraftraubend auswirken. Auch wenn sehr schwierige Menschen relativ gut mit sich selbst klar kommen, so stellen sie meist für das Umfeld, speziell in ihrer Rolle als Vorgesetzte, eine unerträgliche Belastung dar. Sind sie zusätzlich von einer egoistischen Omnipotenz eingenommen, sind sie sich der Verantwortung und dem Schaden, den sie anrichten nicht bewusst. Wenn beim Einzelnen zu viele Belastungsfaktoren zusammen kommen, kompensiert die Psyche mit Gegenreaktionen oder bricht zusammen.

Die Entwicklung von inneren Prozessen sollte durch Coaches und Begleiter mit hoher psychologischer Kompetenz durchgeführt werden. Dabei spielt deren eigene Reflexionskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle. Denn nur wer selbst seine Tiefen erforscht und integriert hat, kann Andere sicher in ihrer tiefen Persönlichkeits- und Potenzialentwicklung begleiten. Der Weg nach Innen lohnt sich nicht nur für die Betroffenen. Auch die Unternehmen profitieren. Denn Führungskräfte und Entscheidungsträger bekommen durch die ernsthafte, individuelle Auseinandersetzung Stärkung und Unterstützung. Sie sind in ihrer Haltung und all ihren Handlungen klarer, entscheidungsstärker und authentischer. Unermesslich viele wertvolle Potenziale liegen auf den inneren Ebenen brach und warten darauf aktiviert und im Außen genutzt zu werden.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis: Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung;  Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

16. Dez.

Glück ermöglichen & Schicksal gestalten

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Kennt Fortuna die Geheimnisse des Schicksalsrads? Bestimmt und verändert die Glücks-und Schicksalsgöttin der römischen Mythologie das Schicksal? Ihre Launenhaftigkeit macht sie unberechenbar, in gewisser Weise ein Abbild der allgegenwärtigen Ungewissheit. Denn auch wenn wir glauben zu wissen, was wir tun, können wir trotz dessen nicht sicher sein, was es bedeutet und welche Auswirkungen es hat.

Mit Achtsamkeit das Arbeitsleben gestalten
Gerade in der Wissensgesellschaft ist Achtsamkeit ein Schlüssel, um sich und sein Umfeld nicht mit Fehlentscheidungen zu verstricken. Denn Schicksal wird durch die eigene Ausrichtung erzeugt. Menschen, die sich selbstverantwortlich um eine bewusste Lebens- und Arbeitsgestaltung bemühen, zeichnen sich in ihrer individuellen und authentischen Lebensführung aus. Dabei hilft es in der Balance zwischen Egoismus und Altruismus zu schwingen: In der persönlichen Umsorge um das ganz eigene Ich und gleichzeitig im Einsatz für das kollektive große Ganze. Denn nur eine selbstreflektierte starke Persönlichkeit kann in der Gesellschaft und Arbeitswelt nachhaltige Spuren zur Ermöglichung von erfüllendem Schicksal hinterlassen. 

Im Fluss des Lebensrads loslassen und Chancen ergreifen
Das Kunstwerk „Das Rad des Glücks“ von Edward Burne-Jones stellt die Glücksgöttin Fortuna dar, wie sie über das Schicksalsrad wacht. In der Drehung des Rades folgt nach der Höhe die Tiefe und nach dem Fall der Aufstieg. Der persönliche Einsatz und Zusammenhalt der Menschen und ihre gegenseitige Unterstützung verstärkt das Glück und gestaltet Schicksal. Selbstreflexion hilft den natürlichen Fluss der Lebenszyklen aufrechtzuerhalten. Wir sind klarer, welchen unnötigen Ballast wir mit uns tragen und wovon es Zeit ist, sich in Frieden und Dankbarkeit zu verabschieden. Der dadurch frei werdende Gestaltungsraum eröffnet neue Blickwinkel auf sich und das Umfeld und macht verborgene Optionen sichtbar. Sich zu trauen Wagnisse einzugehen und Chancen entschlossen zu ergreifen, setzt die Kraft zur Lebensgestaltung frei. In den Zyklen des Lebens können wir mit Mut und Vertrauen immer wieder über uns hinaus wachsen und einen hohen Reifegrad erlangen.

Kultur des verantwortungsvollen Förderns
Wer mit Menschen arbeitet – sei es in Führung, im Management, mit Kunden und in der täglichen Zusammenarbeit – übernimmt Verantwortung für die innere und äußere Entwicklung. Das Ziel ist der Erfolg der Anderen. Mitarbeitende und Kunden zu befähigen und sich wertschätzend über das Erreichte zu freuen. Menschen sind innerlich motiviert, wenn man auf sie eingeht und sie sich verstanden fühlen. Schlüsselfragen wie die folgenden zu stellen, schafft Klarheit und gibt Kraft für die Bewältigung der Herausforderungen. Sie vertiefen die Beziehungsebene und stärken den Zusammenhalt:

∙ Wie geht es Ihnen in unserer Zusammenarbeit?
 Bekommen Sie von mir genug Rückmeldung und Wertschätzung?
 Was brauchen Sie von mir, dass es Ihnen gut geht und Sie erfolgreich sein können?

Die fördernde Kulturentwicklung kann jeder mitgestalten. Mit Ehrlichkeit, Empathie und echtem Interesse an sich selbst und an den Anderen. Glück zu bewirken ist einfach, wenn wir uns frei von Vorurteilen dem Rad des Lebens hingeben, aus dem durchlebten Schicksal Erkenntnisse schöpfen, und dankbar weiter gehen. Wie fast von selbst entwickeln sich Visionen und Stärke, um erfolgreiche und bedeutungsvolle Werke zu erschaffen.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis: The Wheel of Fortune, 1883, Edward Burne-Jones, Musée d’Orsay, Paris

10. Jul.

Führung gestern, heute und morgen

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Rückblick auf 25 Jahre Mitarbeitermotivation und Führungsentwicklung

Vieles hat sich in den letzten 25 Jahren in den Führungsetagen verändert. Was in den achtziger Jahren als Führungsstil üblich und sogar erwünscht war, ist heute nicht mehr vorstellbar. Basierend auf meinen Erfahrungen fasse ich Chancen aber auch Versäumnisse in der Führungsentwicklung der letzten 25 Jahre zusammen. Gleichzeitig wage ich einen Ausblick, was es für eine erfolgreiche Führung der Zukunft bedarf.

Seit Jahrzehnten gehört die Forschung über Persönlichkeitsentwicklung und Reflexionskompetenz zu den Kernthemen, will man Führungskompetenz in der Wirtschaft verankern. Die letzten 25 Jahre haben gezeigt, dass die Führungsentwicklung viele Stolpersteine aufwies, aber auch Potential für ganz neue Ansätze barg. Begonnen bei sehr einfachen Regeln in den 80er Jahren wurde in den folgenden Jahrzehnten das Thema Selbstreflexion neu entdeckt. In der Wirtschaft ist es bis heute noch nicht ausreichend etabliert, hat sich aber als wohl wichtigster Meilenstein in der Führungsentwicklung herausgestellt. Ohne Zweifel war und ist dies eine Herausforderung, weil die Wirtschaft nach wie vor sehr analytisch und faktisch orientiert ist. Heute zeigt sich aber die Einsicht, dass insbesondere Managements und Führungskräfte über den Zugang zu ihrer inneren Ebene ihre Persönlichkeit entwickeln wollen. Reflexionskompetenz stellt deshalb für Unternehmen inzwischen einen echten Mehrwert dar. Aber das war nicht immer so.

Kalte Regeln
In den 80er Jahren machten sich Führungskräfte noch zu wenig Gedanken, welche Auswirkungen ihr eigenes Verhalten auf den Erfolg eines Unternehmens und die Motivation der Mitarbeitenden hat. Hierarchiestufen erlaubten es Führungskräften, unabhängig von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Motivation und Mitarbeiterführung, relativ frei den eigenen Führungsstil zu prägen und einer Art „kalten Regel“, die praktisch jeder nach Belieben anwenden konnte, zu folgen. Vom autoritären Führungsstil bis zum „laissez fair“. Als selbstverständlich wurde vorausgesetzt, dass die Mitarbeitenden motiviert mitziehen. Dabei hätten schon in den 80er Jahren wichtige Erkenntnisse der Forschung und Wissenschaft und deren Implementierung in die Unternehmensführung Schaden von Unternehmen abwenden können, die nachweislich auf falsche Führung zurückzuführen sind.

Funktionale Regeln
In den 90er Jahren wurden dann neue Regeln der Führung aufgestellt und kräftig in Schulungen und Führungsseminare investiert. Führungsratgeber mit Checklisten machten klar, was man tun muss und was man nicht tun darf. Funktionale und einheitliche Führungsstile wurden angestrebt mit dem Ziel, dass sich Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitenden auseinandersetzten. Das war immerhin ein guter Anfang. Doch die Auseinandersetzung fand in diesen Jahren noch zu stark auf der äusseren Ebene, also der funktionalen und faktisch orientierten Ebene, statt. Bis zum Kern der Persönlichkeit einer Führungskraft sind auch diese Regeln noch nicht vorgedrungen.

Erlebnis-Regeln
In der Finanzkrise Anfang des 21. Jahrhunderts hat sich dann spätestens gezeigt, wie wirkungsschwach auf diese Weise angelernte Führungsmethoden sein können. Die Krise machte klar, dass nur mit einem stabilen Beziehungsmanagement Loyalität und Rückhalt gegeben sind. Entsprechend haben „Team-Erlebnisseminare“ an Aufschwung gewonnen. Im gemeinsamen Gestalten und Erleben erhofften sich Unternehmen einen neuen echten Zusammenhalt. Auch Persönlichkeitstests, die Mitarbeitende in Typen einordnen, versuchten verständlich zu machen, wie ein Mensch tickt. Die Bestrebungen, dass Teams „an einem Strang ziehen“, endeten jedoch allzu oft in einer funktionalen Beziehungsbildung, also back to the 90ies. Man arbeitete gut miteinander, weil das so sein sollte, weniger weil eine echte gute Basis dafür geschaffen wurde. Das war zu wenig: Denn wenn es nicht geschafft wird, echte Beziehungsbildung zu erzeugen, sind Interventionen von oberflächlicher und flüchtiger Wirkung.

Selbstreflexion als Schlüssel
Der Schlüssel für richtige Unternehmens- und Mitarbeiterführung liegt in der Führungskraft selbst und ihrer Selbstreflexionsfähigkeit. Das war zwar auch in den 80ern wohl nicht neu, aber die Wirtschaft war kaum in der Lage, diese wichtige Erkenntnis in die Praxis umzusetzen. Denn die Bereitschaft zur inneren Auseinandersetzung und die damit erlangten Selbsterkenntnisse ermöglichen, die eigenen Schwächen aber vor allem auch Stärken richtig zu identifizieren und Denk- und Handlungsmuster zu verändern. Die Arbeitswelt mit den Führungsherausforderungen dient dafür als ideale Lernplattform. Für Führungskräfte ist es erfolgsentscheidend, wenn sie ihren persönlichen und authentischen Führungszugang finden. Dies allein ist schon eine Herausforderung, denn viele sind das geworden, was sie denken, was sie sein sollen. Das ist schädlich für viele Unternehmen. Wenn Führungskräfte hingegen erkennen und weiterentwickeln, was sie bereits sind, aus den Stärken also echte Vorteile für ein Unternehmen ziehen können, gelingt auch der Gesamterfolg eines Unternehmens. Zurück zum Wesentlichen und Wahrhaftigen ist gewiss ein steiniger Weg. Glaubenssätze in Form von symbolischen Steinen halten sich hartnäckig und wurden jahrzehntelang versäumt, aus dem Weg zu räumen. Führungskräfte sind heute mehr denn je gefordert, sich mit den schwerwiegenden Folgen der Fehlentscheidungen ihrer Vorgänger-Generationen auseinanderzusetzen und mit verantwortungsvollen Lösungsfindungen gangbare Wege in der Mitarbeitermotivation und Unternehmensführung zu gehen.

Transformative Führung
Die Tendenz der Führungsentwicklung geht ganz klar in Richtung Sinnfindung und transformative Führung. Es wird versucht, den „mind set“ zu erweitern und dabei Innovation und Kreativität zu fördern. Auf Selbstreflexion, Selbstentwicklung und Potenzialentfaltung wird mehr und mehr Wert gelegt. Unternehmen aktivieren verstärkt die selbstlernende Organisation und optimieren in massgeschneiderten Kooperationen mit Spezialisten jene Führungsqualifikationen, die im 21. Jahrhundert nötig sind. Kunden und Lieferanten werden zudem stärker bei der Selbstentwicklung und Qualitätssteigerung hinzugezogen. Führungskräfte, die sich in ihrem Netzwerk aktiv einbringen und bereit sind, Wissen zu teilen, nähren und stärken nicht nur multikulturellen Beziehungsnetze in einer globalisierten Welt, sondern auch sich selbst und damit das Unternehmen.

Nachhaltigkeit auch in der Führung
In all den Entwicklungen, die in den letzten 25 Jahren zu beobachten waren, liegt der zentrale Erfolgsfaktor für echten Führungsfortschritt in der tiefgreifenden Persönlichkeitsentwicklung. Denn Menschen sind individuelle Persönlichkeiten, die wiederum durch ihre Führungsposition Verantwortung für individuelle Persönlichkeiten übernehmen. In der steten Wandlung der äusseren Parameter ist eine Führungskraft gefordert, sich selbst zu wandeln und dabei dennoch treu zu bleiben. In Zukunft werden die Hierarchieebenen schlanker und flacher. Durch flexiblere Arbeitszeiten und -plätze wird die Fähigkeit, Vertrauens- und Beziehungskultur zu gestalten, eine zentrale Führungsqualität. Gleichzeitig sollen Entscheidungen und Handlungen dem Anspruch der sozialen Nachhaltigkeit gerecht werden und damit ein Engagement für NGOs und sozial Schwächere einhergehen. Dabei sind Führungskräfte in der neu gegebenen Transparenz und Kommunikationsgeschwindigkeit des Web 2.0 sichtbar aber auch unter steter Beobachtung und damit angreifbar. Und genau das macht die neue Form der Führungsentwicklung mithilfe der Selbstreflexion so unverzichtbar. Wer sich selbst kennt und diese Erkenntnis richtig in der Führung zugunsten des Unternehmens einsetzt, kann getrost sichtbar sein, weil er dann unangreifbar ist und damit auch das Unternehmen und die Mitarbeitenden, die er oder sie führt.

25 Jahre Beratung und Führungsentwicklung

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28. Jun.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

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Freiheit ist in Liechtenstein ein grosses Privileg. Persönlich wie auch unternehmerisch stehen die Türen offen. Wie sehr nützen wir unsere Freiheit auf persönlicher und beruflicher Ebene? Der Grad der Freiheit wird in letzter Konsequenz durch den ganz persönlichen Zugang geprägt. Der ukrainisch russische Schriftsteller Michail Schischkin beschreibt es treffend: „Freiheit ist nicht da, wo kein Stacheldraht ist. Freiheit ist da, wo keine Angst ist.“

Gelebte Werte erzeugen Kultur und sozialen Wohlstand. Angsteinflössung ist ein wirkungsvolles Instrument von egozentrischen und machthungrigen Menschen und Institutionen. Wer Angst hat, ist gelähmt, kompromissbereit, fügig. Doch irgendwann stehen Menschen auf, verweigern sich oder leisten nonverbalen Widerstand. Wenn in gesellschaftlichen und unternehmerischen Wertsystemen Unterdrückung und Ausbeutung dominieren sind Menschen in ihrer Freiheit beschnitten.

Edvard Munch "Der Schrei"Angst prüft ständig mit „wenn“ und „aber“ und zensuriert die eigenen Gedanken und Gefühle. Viele Menschen sind vernünftig und engen das persönliche innere Erleben ein. Sie sind verhalten in ihren Entscheidungen und Handlungen. Oft stehen die Erhaltung der Zugehörigkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit im Vordergrund. Kreativität und Lebensfreude treten in den Hintergrund oder verschwinden ganz. Viele dieser Menschen sind mit ihrer unbewussten Unfreiheit eins. Sie kennen es nicht anders. Im Extremfall ist ihr persönliches Erleben leer, gehalt- und sinnlos. Bis auf wenige Ausrutscher, ist ihr Privat- und Berufsleben angepasst und pflichterfüllend auf die scheinbaren Erwartungen der Anderen und der Gesellschaft ausgerichtet.

Es sind immer wieder ähnliche Ängste, die einen Menschen beschäftigen. Sie stammen aus der eigenen Geschichte und den gemachten Erfahrungen. Es hilft, die eigenen Ängste zu kennen und zu wissen, woher und wann sie kommen. Denn der Angst unreflektiert nachzugeben bewirkt, dass man in der bekannten Situation stecken bleibt. Das Reflektieren und Erfassen der inneren Abläufe und Muster, ermöglicht neue Wege zu gehen und über sich hinaus zu wachsen. Wenn es Entscheidungsträgern gelingt, ihre Mitarbeiter zu ermutigen und zu fördern, entsteht eine Kultur der Potenzialentfaltung. Erfolgserlebnisse motivieren und die positive Stimmung überträgt sich auf die Kunden. Gestärkt werden die Innovationsfreude und die Lust die Zukunft aktiv zu gestalten.

Unternehmerische Freiheit braucht persönliche Freiheit. Unternehmer und Entscheidungsträger, die mit Ängsten umgehen können haben eine höhere Empathie und Konfliktlösungsfähigkeit. Sie setzen sich mit der individuellen Persönlichkeit der Mitarbeiter wertschätzend auseinander. Durch Selbstreflexion gelingt es, sich selbst und andere in ihrem inneren und äusseres Wachstum zu unterstützten. Eine Mutkultur hilft, sich selbst zu riskieren, im Arbeitsleben kreativ zu sein und zu experimentieren. Die Kunden werden dadurch immer wieder überrascht und begeistert. Sie kommen in den Genuss von Dienstleistungen und Produkte, die qualitativ hochwertig sind und somit die Lebensqualität aller Beteiligten erhöhen. Die zwischenmenschlichen Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Denn ein Kunde profitiert zusätzlich zur Fachkompetenz des Mitarbeiters von dessen Beziehungs- und Begeisterungsfähigkeit.

Besonders in der Kleinheit Liechtensteins sind Potenzialentfaltung und Grenzerweiterung zentrale Faktoren um eine nachhaltige Horizonterweiterung zu erreichen. In der Begrenzung der geografischen Bedingungen ist es umso wichtiger, einen hohen Freiheitsgrad und das Besondere anzustreben. Wie schaffen wir es, die traditionellen Werte Liechtensteins zu bewahren und ein offener innovativer Standort mit einer gelebten Vision zu sein? Die Bearbeitung der Ängste ermöglicht das Wesentliche zu erkennen und den Wandel in eine lebendige Zukunft voranzutreiben. Dies ist im Speziellen für unsere Region mit ihrer bewahrenden Wohlstandsgesellschaft eine Herausforderung, jedoch auch für diejenigen, die es wagen, eine umso gewinnbringendere Zukunftsinvestition.

Frei ist, wer seinen Ängsten begegnet und sich und anderen Freiheit gibt. Dies schafft vertrauensvolle Verbindlichkeit und offenen Raum zu kreativer Entfaltung. Was immer es für den Einzelnen in seiner Lebens- und Berufsphase ist, es lohnt sich die Eigeninitiative zu ergreifen und den Weg der Befreiung zu gehen.

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Bildnachweis: Der Schrei, 1910, Edvard Munch, Munch Museum Oslo

Der Artikel “Angst ist ein schlechter Ratgeber” wurde am 28.6.2014 in Wirtschaft Regional der Vaduzer Medienhaus AG veröffentlicht. pdf öffnen