Archiv der Kategorie: Allgemein

16. Sep.

Von Perspektiven und Potenzialen

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Wie Sie mit Kunstwerken sich selbst und andere neu entdecken.

Die Sprache der Bilder ist mächtig. Meistens sprechen wir über Bilder im Sinne einer Botschaft, die das Bild uns vermitteln will oder die wir anderen mit einem Bild nahebringen wollen. Seltener kommen wir auf die Idee, dass wir über ein Bild mit uns selbst in Dialog treten können. Es gibt jedoch Kunstwerke, die förmlich dazu einladen, in sie einzutreten und darin zu wandeln, sei es weil sie große Harmonie und Ästhetik ausstrahlen, sei es weil sie über ihre räumliche Tiefe ein unendlich weites Feld andeuten. Diese Qualität bestimmter Kunstwerke kann uns durch einen Prozess der Selbstreflexion zu bisher nicht gesehenen Potenzialen führen. Wenn wir einem Bild spielerisch und intuitiv begegnen, kommen Dinge jenseits unserer bewussten Gedanken zum Vorschein. Es entsteht eine Geschichte über uns, die wir vorher nicht kannten und die uns andere Handlungsspielräume für die großen und kleinen Entscheidungen des Berufslebens aufzeigt. Die in der innovativen Symbolon®-Methode verwendeten Hafen- und Landschaftsbilder von Claude Lorrain sind besonders schöne Beispiele von Kunstwerken, die uns einladen in ihre Welt einzutauchen. Was mit einer harmlosen ästhetischen Frage beginnt, hat es in sich, sobald wir die Antworten weiterverfolgen, mit unseren Assoziationen und Ideen in der Sprache des Bildes spielen und die Metaphern auf unsere berufliche Situation übersetzen.

In einem Hafen von Claude Lorrain: Wo möchten Sie in diesem Bild sein?

Vier Fragen bringen den Reflexionsprozess in Gang:

  1. Wo in diesem Bild möchten Sie sein? Ihr bevorzugter Platz ist Ihre ganz eigene Wahl. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um den Ort, wo sie sich am wohlsten fühlen. Was gefällt Ihnen hier? Welche positiven Gefühle werden hier wach? Wie können Sie Ihre Wahl auf Ihre aktuelle berufliche Situation übersetzen?
  2. Was sehen Sie von dieser Position aus? Je nachdem, wo sie stehen, sehen sie unterschiedliche Bereiche des Bildes besser oder schlechter. Wie ist die Aussicht von ihrem gewählten Ort? Welche Sichtachse zeigt sich Ihnen? Was können Sie sehen und beobachten? Welcher Handlungsspielraum ergibt sich daraus für Sie?
  3. Was sehen Sie von dieser Position aus nicht? Egal, wo wir stehen, es gibt immer etwas, was sich unserem Gesichtsfeld entzieht. Ihre Position zeigt Ihnen sehr genau, was Sie nicht sehen können und wo Ihr Entwicklungspotenzial liegt. Was ist Ihr blinder Fleck? Welche Informationen entgehen Ihnen, und welche Folgen hat das in der Sprache des Bildes? Wie könnten Sie das Potenzial dieser Informationen „anzapfen“? Wer oder was müsste sich dazu möglicherweise im Bild bewegen, wie und wohin?
  4. Wie sehen andere auf dem Bild Sie in dieser Position? Als letztes betrachten Sie Ihre Position aus Sicht der anderen Bereiche im Bild. Wie sichtbar sind Sie für andere auf dem Bild? Wie nah oder wie weit weg sind Sie voneinander? Wie wirkt Ihre Position aus Sicht der anderen? Wie funktioniert die Kommunikation?

Im Bild mit 360° Feedback

Damit haben Sie ein kunstvolles 360° Feedback zum Platz Ihrer Wahl mit seinen Stärken, Schwächen und Potenzialen einschließlich Selbst- und Fremdwahrnehmung. Je unvoreingenommener Sie an die Übung herangehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie etwas Neues über sich selbst und Ihre Situation erkennen. Wenn Sie die Bildsprache auf Ihre berufliche Situation übersetzen, entstehen wie von selbst Ideen zur Ausschöpfung bisher nicht gesehener Potenziale. Ihr Handlungsspielraum zur Erreichung Ihrer Ziele erweitert sich.

Wie ist Ihr Team aufgestellt?

Die Kraft dieser Übung entfaltet sich auch, wenn Mitglieder eines Teams zunächst unabhängig voneinander ihren jeweiligen Platz wählen und anhand der obigen Fragen reflektieren. Im zweiten Schritt kann das Team seine Auswahl als Ganzes betrachten. Es erscheint eine neue Teamaufstellung, die so vorher nicht sichtbar war. Über die individuelle Positionierung hinaus kann ein Team erkennen, wie es innerhalb eines Bildes verteilt ist und welche Schwerpunkte sich dadurch für das Team ergeben. So können die obigen Fragen auch im Rahmen einer Teambildung durchgespielt werden um zu fragen, wo bisher nicht ausgeschöpfte Potenziale in der Zusammenarbeit als Team liegen. Ob allein oder im Team, durch die Reflexion unternehmen Sie eine ganz individuelle Reise durch das Bild, die sich aus Ihrer konkreten Situation heraus entwickelt. Bildhafte Metaphern entstehen wie von selbst, die sich nachhaltig einprägen und daher langfristig wirken können. Auf diese Weise kann Kunst ein integrierter Bestandteil Ihres Arbeitslebens werden.

Swaan Berrett im Web
swaan.barrett@organicstrategies.dewww.organicstrategies.de
XING ∙ LinkedIn

Bildnachweis: Claude Lorrain, Seaport with the Embarkation of Saint Ursula, (1824), National Gallery, London
Aus dem Buch „Durch Selbstreflexion zum Erfolg“, von Christine Kranz, © 2011 Symbolon Verlag, ISBN 978-3-9523631-0-2

14. Aug.

Ist geben seliger als nehmen?

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Bevor Millionen gespendet werden, werden auch Millionen „verdient“

Immer mehr vermögende Männer und Frauen haben das „Zurückgeben“ entdeckt. Sie gönnen, sponsern, spenden, schenken und unterstützen. Von hungernden Kindern in Afrika über kranke Menschen in Indien bis zu Bären, Delphinen und Wäldern. Betrachten wir dieses Phänomen etwas genauer, dann fragen wir uns: wem genau hilft denn diese grosse Freizügigkeit? Macht es Sinn oder fördert es Unabhängigkeit? Fühlt sich der Spender oder der Beschenkte besser nach der Aktion? Was sind die langfristigen Konsequenzen?

Geschenke mit und ohne Ketten
Warum gibt es so viele Ausdrücke für das Weggeben von (meistens) Geld oder Zeit? Wahrscheinlich, weil der Vater des Gedankens sehr unterschiedlich sein kann. Betrachten wir die Geschenke etwas genauer, dann sind sie oft nicht ganz so altruistisch, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte….. Schenkt zum Beispiel Steve Jobs den Primarschulen Work Stations, dann ist das ein genialer Schachzug, denn die Kids lernen auf Mac’s arbeiten und was denn kaufen sie, wenn Sie ihre ersten eigenen Labtops anschaffen? Warum würde ein bekannter Politiker Ferienlager sponsern? Und warum heisst ein Spital „Dorothea Muster Klinik“? Anderseits gibt es die anonymen Spender, die nicht genannt sein wollen und einfach im Hintergrund Gutes tun, da wo sie denken, dass es Sinn macht.

Wir unterscheiden also Geschenke, die selbstlos sind und solche, die sich durchaus „lohnen“ für den Schenkenden, denn sonst würden die Stiftungen nicht aus dem Boden schiessen wie die Pilze im Herbst und sie würden auch nicht die Namen der Stiftungsgeber tragen. Doch sind Geschenke mit Rückwirkung nicht immer noch besser als keine Geschenke?

Wie so viele Trends kommt auch dieser aus den USA und das nicht von ungefähr, denn das Sozialsystem ist in den USA weit weniger gut ausgebaut als bei uns. So ist die tertiäre Ausbildung der Kinder für eine Familie eine grosse bis untragbare Belastung – Universitäten kosten bis zu 50’000 US$ pro Jahr – und Spendenbeiträge der Alumni helfen, Stipendiate zu vergeben und Investitionen zu tätigen, um die finanzielle Belastung für „Sub-Reiche“ zu erleichtern. Der Staat sieht sich für weniger zuständig als in den sozialistischeren Staaten und so kommen Parks, Zoos, Krippen und kulturelle Institutionen oft nur zustande, weil ein potenter Geldgeber dafür zu gewinnen war. Diese werden auch entsprechend gefeiert und verehrt, was ein ziemlich gutes Gefühl gibt. Natürlich haben geschäftstüchtige Institutionen auch in unserem Lande herausgefunden, dass da viel Geld zu holen ist, und so hat sich das „Fundraising“ zu einem neuen Geschäftsbereich entwickelt. Damit wird nicht zuletzt auch an den Narzismus der Wohltäter appelliert und deren Ego gestärkt. Auch in der Schweiz gilt natürlich, dass teure Institutionen, vor allem kultureller Art, die durch ihren hohen Anspruch an Bildung und Exklusivität nicht einfach so auf die Steuerzahler überwälzt werden können, von den mehr oder weniger anonymen Donatoren „leben“. Gedankt sei’s ihnen an dieser Stelle, denn darunter sind viele, von denen man weder den Namen, noch die Höhe ihrer Beiträge kennt. Ohne sie wären wir um einiges ärmer.

Trotzdem bleibt manchmal ein etwas schales Gefühl, denn bevor Millionen gespendet werden, werden auch Millionen „verdient“. Das grosse Lohngefälle, dass auch in der Schweiz herrscht, bringt Ungerechtigkeit mit sich und viel von der Armut, mit der wir als Volk leben, wäre vermeidbar, wenn wir hier eine ausgeglichenere Rechnung hätten.  Initiativen, die vom tiefsten zum höchsten Gehalt einen Faktor 12 vorsehen, sind in der heutigen Zeit etwas extrem, aber so falsch nicht. Ursprünglich war ein Richtwert in Gehaltsmodellen der Faktor 20, d.h. wenn der/die schlechtest bezahlte Mitarbeitende Fr. 1’000.- verdient, dann verdient der/die Bestverdienende Fr. 20’000.-. Heute haben wir Faktoren von über 1000! Die sogenannten Einkommensmillionäre – von denen wir in der Schweiz doch eine beträchtliche Anzahl haben – verdienen in einem Jahr soviel wie Durchschnittsmenschen in ihrem ganzen Leben. Dürfte man da nicht erwarten, dass sie ab und zu ein paar Krümelchen zurückspielen?

Unfaire Einkommens-Verteilung ist gefährlich
Initiativen wie „occupy Wallstreet“, teilweise auch der arabische Frühling, selbst der nicht ganz so religiös geprägte Krieg in Nordirland, die Apartheidbewegung und die französische Revolution haben mit unfairer Geldverteilung zu tun, die nur möglich ist, wenn die Macht zentralisiert wird. Soziale Unruhen bis zu Bürgerkriegen sind direkt sichtbare Konsequenzen. Schleichende Unzufriedenheit, Loyalitätszerfall, Sabotage und viele Arten von Neid und Eifersucht bis zu Hoffnungslosigkeit und Depression sind da weit weniger sichtbar, doch trotzdem spürbar. Der Trend zum Ausnutzen des Arbeitgebers, des Staates oder der Sozialwerke und Versicherungen geht zum Teil auf die wahrgenommene Unfairness zurück.

Schenken ist fair!
GenerositySensible Menschen, die vom Glück reich verwöhnt sind und Chancen im Leben bekommen und ergriffen haben, spüren dies und möchten vielleicht deshalb, dass es anderen auch gut gehen möge. Die höchste Verhaltensrichtlinie im Buddhismus sagt: „Möge es allen fühlenden Wesen gut gehen und mögen sie frei von Schmerz sein “. Implizit liegt darin die Aufforderung, dazu beizutragen, wo immer dies möglich ist. Schenken – nicht nur Geld, sondern vielleicht noch wichtiger Zeit, ein offenes Herz, Mitgefühl und ein geduldiges Ohr – hilft, das Gefälle von Glück und Unglück, von Reichtum und Armut, von Gesundheit und Krankheit etwas auszugleichen. Selbstloses Schenken ist Dienst am Nächsten, so wie er/sie das im Moment am nötigsten braucht. Schenken ist nicht mehr als fair, solange es mir vergönnt ist, mehr zu haben als andere. Es geht dabei nicht darum, ein „Gutmensch“ zu sein, sondern einfach darum, auszugleichen und für die Gesamtheit zu optimieren.

Schenken tut gut!
„Der Schüler muss mit dem Geben beginnen“ heisst es in den Grundlagen der Mysterienschulen. Wie kann ich aber mit dem Geben beginnen, wenn ich selbst nichts habe? Es geht dabei viel mehr um den Grundsatz der Grosszügigkeit und des Teilens. Erst wenn ich bereit bin, abzugeben, dann ziehe ich Gutes an. Wollen wir „beim Universum bestellen“, dann wird dies umso erfolgreicher sein, in dem wir auch uns selbst zum Spender machen. Erkenntnisse, die mittlerweile nicht mehr neu und schon mehrfach verifiziert sind, belegen, dass es uns umso besser geht, je mehr wir für andere und mit anderen tun können. Helfen wir anderen, dass es ihnen besser geht, dann geht es uns selbst auch besser, denn „what goes round comes round“.

Joachim Bauer, der deutsche Molekularbiologe und Psychotherapeut kommt in seinen Forschungen zum selben Schluss: dass es uns Menschen nur richtig gut geht, wenn wir Dinge für andere tun, die diese schätzen, oder wenn wir Dinge erfolgreich mit anderen zusammen unternehmen. Die glücklich machenden Botenstoffe im Gehirn, die Endorphine, werden nur in Bezug zu anderen in hohem Mass ausgeschüttet.

Welchen Sinn wir dem Leben geben, ist eine Sache unserer Bedürfnisse
Der Sinn des Lebens (respektive der Sinn, den unser Leben hat) hängt nicht zuletzt von der Erfüllung der Bedürfnisse ab, die gerade anstehen. Zentral dabei ist, dass wir diese spüren, erkennen, kommunizieren und realisieren. Das bringt uns sehr schnell zu den Themen „Authentizität“ und „Zivilcourage“. Stehen wir zu den Bedürfnissen, die wir spüren und erkennen? Getrauen wir uns, unsere Bedürfnisse mitzuteilen, auch wenn sie als uncool beurteilt werden könnten von anderen – oder noch schlimmer: von uns selbst? Fordern wir unsere Bedürfnisse gegen die starken und vielseitigen Bedürfnisse unserer Mitmenschen ein?

Vielleicht ist die Sinnkrise, die viele Menschen zurzeit erleben, keine Sinn-, sondern eine Bedürfniskrise, insofern als wir diese nicht klar erkennen, oder nicht genügend verwirklichen können. In meinen Coaching-Mandaten, wie auch in meinem Leben geht es oft um Akzeptanz- und Dominanzbedürfnisse. Es geht um Wertschätzung, Anerkennung, Zugehörigkeit und Einbezug, also die dritte Bedürfnisebene von Maslow! Solange diese Ebene nicht erfüllt ist, dient das „selbstlose Dienen“ nicht dem anderen, sondern uns selbst, denn wir suchen damit letztlich nichts anderes als Anerkennung und Zuwendung. Die meisten Frauen und Männer kennen diese Stufe sehr gut. Erst wenn wir da einigermaßen gut aufgefangen sind, kommen wir zur nächsten Stufe, der Dominanz. Hier geht es darum, die Dinge im Griff zu haben, Herr über das eigene Leben zu sein, andere und die Umwelt beeinflussen zu können, die Geschicke zu führen und zu lenken. Auf dieser vierten Stufe dienen wir immer noch nicht: Wir erfahren unsere Macht! Das ist das typische Umfeld von Managern und Politikern. Auch in der nächsten Stufe geht es noch nicht um selbstloses Dienen, sondern darum, das zu tun, was wir möchten, uns selbst zu verwirklichen und unser Potenzial zu realisieren. Viele Künstler und Wissenschaftler arbeiten auf dieser Stufe. Das Erkennen unserer Bedürfnisse ist auf der fünften Stufe der Schlüsselerfolgsfaktor per se, denn ohne dass wir unsere Bedürfnisse klar erkennen, können wir sie auch nicht erfüllen. Erst wenn wir es geschafft haben, uns selbst zu realisieren und unsere eigenen Bedürfnisse zu leben sind wir bereit, anderen zu helfen, ihre Bedürfnisse zu verwirklichen. (Ganz so sequentiell ist es im richtigen Leben nicht, da wir uns auf der Maslowschen Pyramide munter nach oben und unten bewegen, je nachdem was im Moment ansteht).

Echte und Ersatzbedürfnisse unterscheiden!
Die grossen und wesentlichen Bedürfnisse der Menschen, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Liebe, nach Gesundheit oder nach Weisheit, lassen sich nicht immer so leicht befriedigen. Intensive Arbeit, langwieriges sich damit Befassen, Geduld und Demut sind angesagt. Manchmal sind wir gefordert, unsere Machtlosigkeit zu akzeptieren und geduldig auf günstigere Gelegenheiten zu warten. Manchmal übersteigen die Bedürfnisse unsere (gegenwärtigen) Möglichkeiten und es gilt, die Grenzen zu akzeptieren. Was tun wir? – Wir greifen zu Ersatzlösungen! „Candy store solutions“ in Englisch. Das heisst, wir befriedigen unsere Bedürfnisse auf eine einfachere und billigere Weise, in dem wir uns mit Dingen belohnen, die ohne Umstände zu haben sind. Die Schokoladen- und Schmuckindustrie leben davon, aber auch die Unterhaltungsbranche und ein grosser Teil der Textil- und Autoindustrie. Es geht um Konsum oder „Retail Therapy“. Der Vorteil dieser kurzfristigen, leichten Bedürfniserfüllung liegt auf der Hand; ihr Nachteil: sie ist nicht nachhaltig und kann sogar abhängig und süchtig machen. Unerfüllbare, schwer zu realisierende Bedürfnisse auszuhalten, braucht Disziplin, Geduld, Ausdauer, Kraft und langfristige Zielorientierung – alles Elemente emotionaler Intelligenz.

Das Cliché stimmt…..
Kürzlich durfte ich eine Gruppe hochrangiger Managerinnen der Finanzdienstleistungsbranche coachen. Was mir an ihnen zuerst auffiel waren die grossen, hochweissen, lupenreinen, perfekt geschliffenen Diamanten, die Ohren, Hals, Finger und Armgelenke zierten. Sie passten ideal zu den arrivierten Damen und schienen deren Qualitäten zu spiegeln. Das Zweite war die Haarfarbe, die fast ausschliesslich platinblond war. Die schlanken Figuren in teuren schwarzen Hosenanzügen, weisse Blusen und Pumps schienen ebenfalls normiert, wie auch die sorgfältig gepflegten Gesichter (Augenbrauen schwarz und winkelgenau gezupft) und Hände (unauffälliger Nagellack, french). Doch lebten diese Powerfrauen mit ihren siebenstelligen Gehältern ihre Bedürfnisse? Standen sie wirklich zu sich und ihren Prinzipien? Was waren denn die Bedürfnisse dieser Damen? Spürten sie sie? Getrauten sie sich, zu ihren Bedürfnissen zu stehen? Sicher geniessen sie eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft! Sie haben es geschafft und sind da, wo viele hin wollen. Sicher haben sie auch einen grossen Teil ihres Lebens im Griff! – Sie führen, sie haben Einfluss, sie entscheiden. Bestimmt sind sie auch freiweillig da, wo sie sind, denn sie könnten jederzeit aussteigen. Aber wie erklären wir uns diese hohe Anpassung und Normierung? Ist sie der Preis, um „mitspielen“ zu dürfen? Sind die Insignien der Macht und des Erfolgs das Ziel oder die „candy store solutions“? – oder möchten sie einfach akzeptiert werden, Teil sein von etwas Erfolgreichem oder zur Elite gehören?

Diese Frage stelle ich mir auch bei Charity-Projekten und Non-Profit-Unternehmungen: Wofür dienen sie? Worum geht es wirklich?

Viele Menschen und Organisationen haben sehr viel erreicht, so dass sie einen grossen Wunsch empfinden, etwas zurückzugeben und anderen zu helfen. Einige suchen darin einfach Akzeptanz….. Dafür ist das, was wir für andere tun, sehr geeignet, nur selbstlos ist es nicht. Doch stärkt uns das, was wir für andere tun noch weit mehr, als das was wir für uns selbst tun (so lange wir auch für uns selbst sorgen), denn was wir für andere tun, das kommt mehrfach zu uns zurück. In dem wir Dinge gemeinsam erarbeiten, in dem wir „stakeholderorientiert“ agieren, in dem wir für die Gemeinschaft optimieren, schaffen wir nicht nur Resultate, sondern auch Goodwill und Wohlbefinden.

Ein kürzlich durchgeführtes Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Menschen, die vorgängig ein positives Erlebnis hatten, viel gewillter sind, anderen zu helfen, als Menschen, die vorgängig ein Negatives Erlebnis hatten. Wenn wir helfen, dass es der Gesamtheit besser geht, dann geht es auch uns selbst – als Teil dieser Gesamtheit – besser. Wenn wir die Gemeinschaft an unserem Erfolg teilhaben lassen, dann haben wir auch weniger Neider. Wenn wir ganzheitlich denken und agieren, dann werden wir zur Quelle von Glück, Freude und Wohlstand, was uns weit mehr gibt, als was wir gegeben haben. So ein Zitat des Dalai Lamas:
If you want others to be happy, practice compassion.
If you want to be happy, practice compassion.

Willst Du andere glücklich machen, praktiziere Mitgefühl.
Willst Du glücklich sein, praktiziere Mitgefühl!

Christina Kuenzle im Web
christina.kuenzle@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
XING

Bildnachweis: © Shutterstock

Dieser Artikel ist im Businessmagazin Ladies Drive erschienen.

20. Dez.

Bedenkliche Zeit, philosophisch gedacht.

Augustinus, Kant, Heidegger, Wittgenstein und die Zeit. 

Sie hat uns wieder, die besinnliche Weihnachts-Zeit. Für manche Menschen allerdings, vor allem für jene, die sich dem Nachdenken zugewandt haben, ist die Weihnachtszeit in vielerlei Hinsicht eher bedenklich als besinnlich. Es wird Ruhe eingefordert und Lärm gemacht. Es wird Liebe verkündet und Neid geschürt. Es wird Erlösung versprochen und Abhängigkeit geschaffen. Es wird das Überweltliche angerufen und das Weltliche zelebriert. Wenn wir von der Weihnachtszeit sprechen,  sprechen wir jedenfalls von einer besonderen Zeit. Deshalb wollen wir in diesen Tagen der Zeit philosophische Aufmerksamkeit widmen, denn kaum etwas anderes betrifft den Menschen so unmittelbar.

Der Kirchenmann und Philosoph Augustinus hat sich die Frage gestellt, worum es sich tatsächlich handelt, wenn wir von der Zeit sagen, sie sei ein Kontinuum aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Gegenwart, die einzige Zeit ist über die wir unmittelbar verfügen. Selbst Vergangenheit und Zukunft erschließen sich uns nur über die Gegenwart. Wir verfügen über die Gegenwart in Form unserer gegenwärtigen Wahrnehmungen und Erlebnisse, über die Vergangenheit in Form gegenwärtiger Erinnerungen und über die Zukunft als einen gegenwärtigen Blick auf unsere Erwartungen, mag er ängstlich oder auch hoffnungsfroh sein. Wir verfügen also über die Gegenwart des Gegenwärtigen, über die Gegenwart des Vergangenen und die Gegenwart des Zukünftigen, nicht aber über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als solches.

Immanuel Kant hat der Zeit den Charakter einer objektiv gegebenen Größe der Welt überhaupt abgesprochen. Er argumentiert für die Zeit als einer subjektiv-menschlichen Bedingung der Erkenntnis. Zeit gibt es ihm zufolge nicht unabhängig von uns, sondern Zeit ist eine genuin menschliche Anschauungsform, die das Wahrgenommene in ein erlebtes Nacheinander bringt.

Martin Heidegger wiederum misst dem Erleben von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besondere Seins-Zustände bei. Er spricht von dem „Schon-Gewesen-Sein“, vom „Sein-Bei“ und vom „Sich-Vorweg-Sein“. All diese Zustände drehen sich für ihn um die Grundstimmung des „Besorgt-Seins“, welche der Ausrichtung des Lebens auf den Tode hin entspringt. Für Heidegger ist Zeitlichkeit schlechtweg der Sinn der Sorge.

Wie auch immer wir die Zeit bestimmen wollen, Zeit betrifft uns unmittelbar. Sie macht uns gegenwärtig, was ist und was nicht ist. Sie lässt uns einander überhaupt erst begegnen, weil sie uns allen gleichermaßen als Ordnungsprinzip dient, und sie lässt uns für uns selbst und für andere Sorge tragen. Die Zeit ist so allgegenwärtig, dass wir ihren verbindenden Wert für das Miteinander der Menschen gerne übersehen. Wenn wir die Weihnachts-Zeit nach diesem Wert ausrichten, dann kann aus ihrer Bedenklichkeit vielleicht doch noch Besinnlichkeit werden. Wir wünschen Ihnen deshalb Zeit für einander und schließen mit dem Gruß der Philosophen, wie ihn Ludwig Wittgenstein uns anempfohlen hat: „Lass Dir Zeit“.

Dr. phil. Bernd Waß, MSc. & Mag. Heinz Palasser, MBA, MSc im Web
b.wass@academia-philosophia.com  ∙ XING
h.palasser@academia-philosophia.comXING
www.academia-philosophia.com

Bildnachweis: © Shutterstock, Bruce Rolff

11. Jan.

Der Schlüssel der Träume – Zukunft gestalten

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Das Neue Jahr lädt ein, sich selbst und die Wirtschaft aus erweiterten Blickwinkeln zu betrachten. Die Selbstreflexion mit surrealistischen Kunstwerken regt an, die eigenen Vorstellungen in Frage zu stellen und Verhaltensmuster zu verändern.

„Der Schlüssel der Träume“ (1952)
von René Magritte (1889-1967) aus der Sammlung Timothy Baum in New York

In seinen Kunstwerken stellt René Magritte die logische Vorstellung in Frage. Er hebt die physikalischen Gesetze auf und verändert Bezeichnungen. Beeinflusst von Sigmund Freud mit der Einbeziehung des Traumes wurde im Surrealismus eine grenzerweiternde Welt entwickelt.
Dazu Magritte:

„Wenn Träume im Spiel sind…, dann sind es nicht die, die wir haben, wenn wir schlafen. Es geht eher um selbstbestimmte Träume…, Träume, die nicht dazu gedacht sind, einen in den Schlaf zu wiegen, sondern einen aufzuwecken.“

Der Surrealismus zeigt das Erwachen und die Erweiterung der gegenwärtigen Realität. Für die Wirtschaft übersetzt heisst das: Im Surrealen, dem reflektierten und intuitiven Zugang, werden Visionen kreiert, Potenziale aufgeweckt und Zukunft gestaltet.

Aktuell gibt es zwei inspirierende Ausstellungen mit René Magritte in Wien und Basel.
Mehr dazu finden Sie unter www.symbolon.com/kunstausstellungen

„Ich habe ein neues den Dingen innewohnendes Potenzial gefunden.“ so René Magritte. Nachhaltige Entwicklung führt vom Mehr zum Wesentlichen
und Potenzialentwicklung ist der Schlüssel für gesundes unternehmerisches Wachstum.

Wir wünschen Ihnen, Ihren Mitarbeitenden und Ihrem Unternehmen, dass Sie im Jahr 2012
Neues entdecken, brachliegende Potenziale nutzen, Träume und Visionen verwirklichen und
Zukunft erfolgreich gestalten.

Mit herzlichen Grüssen
Christine Kranz mit dem Symbolon-Team

24. Dez.

Lange Nächte laden zur Selbstreflexion ein

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Die Symbolon AG mit dem Symbolon-Team und allen Netzwerk-Partnern freut sich auf
ein ereignisreiches Jahr, in dem wir weiterhin als Pioniere Zukunft gestalten und
«Reflexionskompetenz in der Wirtschaft» weiterentwickeln.

Geniessen Sie die bevorstehenden Festtage für einen friedlichen Rückblick, selbstreflektierende Einblicke und einen lustvollen Ausblick. Lassen Sie sich
von den langen Nächten, die zur Selbstreflexion geradezu einladen,  berühren und inspirieren.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg
und Freude in 2011

Christine Kranz mit dem Symbolon-Team

Sternennacht· 1888 · Vincent van Gogh

15. Nov.

Durch Selbstreflexion zum Erfolg

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Die Reflexion über die eigene Persönlichkeit ist eine geniale Errungenschaft des Menschen,
die hilft, das Leben erfolgreich zu führen.


Aristoteles beschreibt treffend, dass Reflexion das Wissen vom Wissen erstrebe. Dieses ureigenste und innerste Wissen ist wertvoll und einzigartig. Und, es ist Ihnen zu jeder Zeit zugänglich.

Ihre Selbstreflexion beginnt mit dem Entschluss den Blick auch nach Innen
zu richten, den Schritt zu verlangsamen und in den Spiegel zu schauen. Im Spiegelbild haben Sie die Chance sich und Ihre Arbeitssituation genau zu betrachten und Wesentliches zu erkennen. Durch Selbstreflexion erfahren Sie mehr über Ihre Stärken und Schwächen. Und können sich für die passenden Entwicklungsschritte entscheiden. Ihre Selbstreflexion ist die unerschütterliche Basis Ihrer Selbstführung. Sie gehen klarer und gestärkt Ihren Weg weiter und setzten das Erkannte entschlossen in der Wirtschaft
wie im persönlichen Leben um.

Dieser Blog bietet Ihnen interessante Artikel über Selbstreflexion, im Hinblick auf
Wirtschaft, Kommunikation, Führung und Entwicklung. Die Artikel geben Ihnen Informationen über Reflexionskompetenz und unterstützen Sie diese zu entwickeln und sich mehr Ihres eigenen Wissens zugänglich zu machen. Die Vielfalt der Zugänge zur Selbstreflexion wird Sie überraschen und hoffentlich motivieren mehr auf Ihr Potenzial zuzugreifen.

Wir von Symbolon begrüßen Sie herzlich auf diesem Blog, und freuen uns auf das, was Sie, Fachspezialisten und Interessenten hier gemeinsam kreieren werden!

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Bildnachweis: Mann vor Spiegel, 2005, Thomas Nägele, Kunstinstallation im Symbolon Conference Center in Wien, ©Symbolon AG

Buchempfehlung zum Einstieg in das Thema Selbstreflexion