Archiv der Kategorie: Reflexion/Selbstreflexion

30. Okt.

Warum Agilität und Reflexion zusammen gehören

Agiles Arbeiten braucht Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zur Reflexion; sowohl zur Selbstreflexion, als auch zur Fremd- und Metareflexion.

Die Entwicklung von Reflexion in der frühen Kindheit

Kinder bis drei Jahre begegnen der Welt unhinterfragt, erst danach können sie zwischen Innen und Außen unterscheiden und eine Sichtweise ihrer Gedanken und Gefühlswelt entwickeln. Dies passiert nicht als Entwicklungs- und Reifungslogik, sondern im Kontext der elterlichen Beziehung. Das differenzierte emotionale Erleben wird einer frühen Affektspiegelung zugeschrieben. Durch die Reaktion der Eltern auf das kindliche Verhalten wird bereits als Säugling dieser spiegelnde Emotionsausdruck geübt, trainiert und erlebt. Zwischen neun und achtzehn Monaten interpretiert das Kind eigene und fremde Handlungen, kann allerdings noch nicht die Motive dahinter lesen. Gedanken und Wünsche werden bereits im Spiel als real gezeigt und erfahren. Der reflexive Modus integriert sich ab dem vierten oder fünften Lebensjahr und ermöglicht so dem Kind das eigene und das andere Innenleben zu unterscheiden.
Der reflexive Modus (ca. ab 4. bis 5. Lebensjahr) integriert die vorher nebeneinander existierenden Realitäten. Er ermöglicht ein Nachdenken über das eigene Selbst und über das vermutete Innenleben anderer Menschen. In der kindlichen Gedankenwelt werden unterschiedliche Perspektiven und falsche Überzeugungen erkannt und bevorzugt im Spiel dargestellt, modifiziert und verarbeitet. Destruktive oder ängstigende Inhalte werden spielerisch durchgearbeitet und durch einen mitspielenden Erwachsenen oder ein älteres Kind vermittelnd organisiert. An dieses spielerische Probehandeln kann im Erwachsenenalter im Rahmen einer Reflexionschallenge oder eines Coachings zurückgegriffen werden und so im Als-ob Modus die Reflexionsfähigkeit erweitert werden. Auftretende Gedanken, Gegenübertragungsgefühle und Ideen werden so erforscht und neue Erfahrungen dadurch ermöglicht und die reflexive Kompetenz verbessert.

Zukünftige Arbeitswelten brauchen Reflexion

Die moderne Arbeitswelt ermöglicht dem Einzelnen, die eigene Arbeit losgelöst von Raum und Zeit zu organisieren. Zugleich besteht die Erwartung, „just in time“ auf dynamische äußere Anforderungen zu reagieren. Dies erfordert von jedem Einzelnen, Prioritäten zu setzen, flexibel das eigene Handeln zu steuern und veränderungsfähig zu bleiben. Diese geforderte Agilität braucht laufendes Reflektieren und Lernen, um das gewünschte Tempo zu gewährleisten. Ohne Reflexion könnte nur routiniertes konservatives Handeln das Arbeitsfeld dominieren. Unbewusst wird auf abgespeicherte lebensgeschichtliche Erfahrungen in ähnlichen Situationen zurückgegriffen. Interaktives Prioriätensetzen, Paradoxien durch neue Marktteilnehmer und hohe Marktbeweglichkeit brauchen aber neues frisches und bewegliches Mindset. Dabei spielt die Berücksichtigung aller Stakeholderinteressen (Mitarbeiter/Teammember und Kunden-Lieferantensichtweisen) und die Resonanz der eigenen Innenwelt eine wichtige Rolle. Die Reflexionsfähigkeit ermöglicht also, neue Handlungsoptionen zu erschließen und das eigene Verhalten den Erfordernissen einer erfolgreichen Bewältigung der variablen Arbeitsherausforderung anzupassen. Damit ist Reflexion auch der Schlüssel, um bisher gewohnte Verhaltensstrategien zu überdenken, alte weiterzuentwickeln, neue zu suchen und auszuprobieren, um so das Verhaltens- und Reaktionsrepertoire zu erweitern. In reflexive Distanz zu sich selbst treten können, braucht außerdem noch eine Metakompetenz, die sich durch eine Beobachtungsgabe des Kontextes und des Moments und einer Projektion in die Zukunft ergänzt. Das Ziel dabei ist, vorschnelle, emotionale und subjektive Bewertungen zu reduzieren und anderen erweiterten Betrachtungs- und Einschätzungsvarianten mehr Raum zu geben. Statt aktionistisches auf Anforderungen zu reagieren, gilt es evaluiert und priorisiert Handlungsoptionen zu szenarisch reflektierend zu prüfen.  Diese Fähigkeit zur Selbststeuerung ist die Basis zur Regulierung des eigenen Energiehaushalts und gleichzeitig die Voraussetzung dafür, handlungsfähig zu bleiben.

Reflexionsräume schaffen

Um eine Reflexion zu üben, müssen Räume der Selbstreflexion geschaffen werden, sowohl physisch als auch organisatorisch und zeitlich. In der Reflexionschallenge wird das Auseinandersetzen mit den eigenen Grenzen unterstützt, der Blick über den eigenen Tellerrand geschärft. Verstärkt werden Formate genutzt, die Silos aufbrechen, Hierarchien einstürzen lassen und so neue Szenarien der aktuellen und künftigen Organisationsbedingungen entworfen und dafür tragfähige Lösungen und Antworten entwickelt. Im Reflexionsraum wird so der Umgang mit Paradoxien zwischen individuellen und strategischen Perspektiven geübt und sich in einem neuen Umgang mit Reibungsflächen, Widersprüchen, Irritationen und Störungen des Gewöhnten und Bewährten initiiert.

Im Actionlearningmodus die Integration in den Arbeitsalltag erleichtern

Die persönliche und organisatorische Reflexion zu erhöhen, verbindet Problemlösung und Offenheit für die Veränderung mit iterativem Lernen. In moderierten Feedback-Schleifen wird das Erlebte besprochen und so nachhaltig und rasch verändert. In Reflexionssequenzen wird die Wahrnehmungsfokussierung geschärft und die Wahrnehmungsfilter des subjektiven Filters gelüftet. Auf Neues, Fremdes, Unbehagliches, Unterschiedliches, Ängstigendes und Anderes gelingt es uns so uns einzulassen. In selbstreflexiven Annäherungsschleifen wird ein behutsamer, toleranterer Umgang mit Blickwickeln eingeübt, das Aussteigen aus den eigenen Denkspiralen erleichtert und so der persönliche Horizont erweitert. Action Learner entwickeln sich in dieser Weise und verstärken ihre Performance und die Neugestaltung des Arbeitsumfeldes (Anpassungslernen, Veränderungslernen, Prozesslernen). Durch das neue Handeln und veränderte Verhalten wird die Reflexionsdynamik erhöht und eine reflexive Reife entwickelt. Reflexion zählt zur Professionalität und stellt eine unverzichtbare Grundlage für die Problemlösungskapazität im Kontext des agilen Arbeitens dar. Es zeigt sich durch ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit, durch starke intuitive Fähigkeiten, durch die Kenntnis der eigenen emotionalen Neigungen und durch das Einlassen auf unterschiedliche Betrachtungsstandpunkte unabhängig vom persönlich eigenen und bevorzugten Denkstandpunkt und durch die Wertschätzung und Würdigung von unterschiedlichen Sichtweisen und Ansätzen.

Ursula della Schiava-Winkler im Web
udsw@socialskills4you.com ∙ www.socialskills4you.com
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Bildnachweis: Foto: von der Ars Electronica, Ursula della Schiava-Winkler

6. Jul.

Die Welt ist mir ein Stück nähergekommen

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Die geheime Sprache der Kunst – wie sie das Außen mit dem Innen verbindet

Dass die darstellende Kunst eine „geheime“ Sprache spricht, ist ihr schlichtweg implizit. Sie ist zwar nicht immer aus sich selbst zu verstehen wie unsere gesprochene und geschriebene Sprache, aber z.B. durch die Darstellung gut erkennbarer Elemente – wie Natur, Menschen, Landschaften oder Architektur – durchaus logisch zu erschließen.

Wenn dann noch historische, religiöse oder mythologische Elemente eingebaut sind, begeben wir uns auf die Verständnis-Ebene von Motiven und Symbolen, die wir z.B. mit Hilfe der Ikonografie oder Kulturgeschichte bestimmen und deuten können.

„Aphrodite“ von Rivière zeigt ein Beispiel: Eine Szene, die die Göttin der Liebe und der Schönheit zeigt, die von einer Gruppe von wilden Tieren umgeben ist, scheinbar unter ihrem Zauber. Anders als die meisten Maler konzentrierte er sich nicht auf das erotische Potenzial des Subjekts, sondern wählte eine ungewöhnliche Szene aus einer Homerischen Hymne (8.-6. Jh. V. Chr.).

Anders auf der abstrakten und von allen wiedererkennbaren Komponenten losgelösten Ebene. Aber auch hier ist es uns möglich durch freie Assoziationen abzufragen, wie es auf uns wirkt und welche Gefühle dabei angesprochen werden.
Dem Allen schwingt noch etwas anderes mit.

Zum einen ist es der Ausdruck des Künstlers in seiner individuellen Persönlichkeit und seinem kulturellen Umfeld. Zum anderen sind es die Schwingungen der Farben. Farben lenken uns viel mehr als wir uns das vorstellen können. Sie beeinflussen uns und sind ein Kommunikationssystem. Farben lösen Emotionen und Reflexe aus. Durch Farben (natürlich auch schwarz und weiß) nimmt das Gehirn Formen im Außen wahr.

Und nun zum Betrachter. Seine Kapazitäten einem Kunstwerk zu begegnen, sei es durch Verstehen oder schlichtweg sinnlich, „färben“ und beeinflussen, wie das Werk zu ihm spricht. Wenn dieser sich darauf einlässt, frei und losgelöst von Vorkenntnissen, ein Kunstwerk zu betrachten, geschieht eine originelle Symbiose zwischen Werk und Betrachter. Die Sprache des Bildes trifft nämlich auch auf tief Verborgenes in seinem Unbewussten und bekommt einen weiteren Wert:  Es entsteht eine erweiterte Form der sinnlichen Kommunikation, einer passiven oder aktiv genutzten Selbst-Reflexion, die für eine nachhaltige Bewusstmachung und Veränderung unserer Denk- und Verhaltensmuster genutzt werden kann!

So in der Coaching Methode Symbolon® für Potentialentfaltung. Nach schon 2×5 Tagen intensivstem Training mit dieser Methode ist in mir eine innere Veränderung eingetreten. Eine Umwandlung meiner Wahrnehmung aller äußeren Faktoren. Wir lernen und üben im Lehrgang mit Leib und Seele und unermüdlichem Engagement mit Bildern auf Resonanz zu gehen und das „Dahinter“ und „Darunter“ zu ergründen. Dass ich aber auf einmal nicht nur Kunstwerke so anschaue, sondern mein gesamtes Umfeld, und damit mich auch im Alltag selbstreflektieren lerne, ist für mich eines der größten Geschenke dieser Arbeit.

Ich erfahre die Qualität, mich im Äußeren zu spiegeln, wann und wo es mir möglich ist. Fragen wie „was macht das mit mir?“ brauchen nicht mehr nur im experimentellen Coaching-Setting gefragt zu werden… Ich erlebe eine neue Form der Symbiose mit meinem Umfeld. Es scheint, als lösen sich die Grenzen zwischen Betrachten und Betrachtetem langsam auf. Das Außen kommt mir, meinem Wesen, meiner Seele näher….

Mein Innerer Beobachter kommuniziert auf einer anderen Ebene mit dem vermeintlich Äußeren: Da ist neben mentaler Neugierde eine Resonanz auf Herzensebene spürbar. So als würde ich eine längst bestehende innere Beziehung zu den externen Dingen, Menschen, der Natur neu erleben. So eine Art Auflösung (Weichmachung) des Kenntnis-Horizonts, der (Vor-)Urteile und des bisher anders wahrgenommenen physischen Abstands zu dem Außen.

Es ist ein phänomenales Erlebnis: Die Welt ist mir ein Stückchen näher gekommen.

Bettina Clark im Web
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Bildnachweis: Aphrodite, 1902, Briton Rivière, Dahesh Museum of Art; Diagonale, 1923, Wassily Kandinsky, Solomon R. Guggenheim Museum

13. Jun.

Ja zur Digitalisierung ohne Untertauchen

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Wie Selbstreflexion Widerstand löst und ermutigt

Die Digitalisierung beschleunigt sich mehr und mehr. Noch nie hatten wir in der Wirtschaft so viele globale Veränderungen. Wir leben in einer spannenden Zeit voller Möglichkeiten. Für viele Menschen sind dies schwierige Herausforderungen und sie haben Angst, den immer größer werdenden Anforderungen nicht mehr standzuhalten und den Zug zu verpassen.

Die Chance kann leicht zur Bedrohung werden.
Statt Freude und Mut machen sich Ungewissheit und Unsicherheit breit. Schnell ein zwei Schritte zurück, denn es könnte schief gehen. Rasch sind viele berechtigte Gegenargumente und auch Gleichgesinnte gefunden, mit denen man leicht Widerstand aufbauen kann. Die bewährten Prozesse sind kurzfristig gerettet. Doch der Schein trügt, denn wer sich erfolgreich wehrt, wird über kurz oder lang ziemlich ins Schwimmen kommen oder durch einen unerwarteten Tauchgang scheitern. Dies gilt für Mitarbeitende, Führung, Management, Organisationen und Staaten gleichermaßen. Denn der digitale Fortschritt ordnet sich nicht der subjektiven Befindlichkeit oder Traditions- oder Kulturthemen unter. Wir haben keine Wahl. Die Digitalisierung ist da und wer nicht einsteigt, verliert den Anschluss. Außerdem ist Digitalisierung notwendig, um Innovationen umzusetzen, die helfen, die Lebensgrundlage kommender Generationen zu erhalten.

Mit Reflexion können wir versuchen, das zentrale Grundprinzip der Digitalisierung zu erkennen. Digitalisierung vereinfacht und führt zum Weniger. Wir lernen Kontrolle loszulassen und beginnen ehrlicher und wahrhaftiger zu sein. Die Folge: Menschen mit Verlust- oder Transparenzängsten fühlen sich bedroht. Natürlich hat alles seine Schattenseite, jedoch haben wir die große Chance, uns das Leben zu erleichtern, Ressourcen zu schonen und uns auf Wesentliches zu fokussieren.

Die aktuellen Diskussionen vom bargeldlosen Zahlen zeigen auf, wie sich viele der konsequenten Digitalisierung verweigern. In nordischen Ländern und Teilen Asiens wird bargeldloses Zahlen selbstverständlich gelebt. Während sich in Zentraleuropa wirtschaftliche Größen mit Argumenten wie „nicht gläsern sein wollen“ dagegen aussprechen. Was gibt es zu verbergen? Sind wir so klar und stark, sodass wir mit reinem Gewissen unser Leben offen legen können? Das heißt auch zu unseren Schwächen und Fehlern stehen. Die meisten Innovationsprozesse und -konzepte brauchen Transparenz und weltweiten Zugang. Ehrlichkeit mit gelebter Verantwortlichkeit verringert Korruption und Kriminalität. Humanisierung und die internationale Chancen-Gemeinschaft brauchen Offenheit und Fairness. Wir sind aufgefordert, die individuellen Komfortzonen zu verlassen und mit Mut aufzubrechen und Grenzen zu überwinden.

Mit Selbstreflexion erkennen wir unsere persönlichen Grenzen und die dahinterliegenden Ängste. Gelingt es uns, die Hindernisse und Widerstände zu beleuchten, ist dies der erste und wichtigste Schritt, damit sich diese auflösen können und Entwicklung möglich wird. Folgende 3 Fragen sollen inspirieren und anregen sich seiner eigenen Gedanken, Gefühle und Muster bewusst zu werden:

  • Mit welchen Digitalisierungsthemen fühle ich mich überfordert?
  • Was befürchte ich durch Digitalisierung zu verlieren und was kann ich gewinnen?
  • Wie stehe ich zu meiner eigenen Innovationskraft und wie könnte mir Digitalisierung helfen diese zu entwickeln?

Mit persönlicher Klarheit können wir uns kraftvoll dem brachliegenden Potenzial zuwenden und den Schatz der innovativen Digitalisierung heben und entfalten lassen. Dazu brauchen wir eine Kultur, die lebenslanges Lernen als Selbstverständlichkeit sieht. Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist eine wirksame Personal- und Organisationsentwicklung, die die Verunsicherung der Mitarbeitenden und Entscheidungsträger erfasst. Es braucht von allen Beteiligten ein klares Ja zur Digitalisierung und gegenseitige Ermutigung im Sinne der freudvollen Wandlung und neuer Chancen.

Christine Kranz im Web
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 Bildnachweis: © shutterstock

8. Apr.

Die Kunst der Kunstbetrachtung

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„It’s not what you look at that matters, it’s what you see.“ Henry David Thoreau

Laut des Psychologen David Brieber beträgt die durchschnittliche Betrachtungsdauer eines Kunstwerkes nur 20 Sekunden, 4 Atemzüge. Ein typischer Museumsbesuch führt meist zu Erschöpfung und Übersimulation. Das lässt sich anders gestalten, meint der amerikanische Manager und Consultant Phil Terry und initiiert den Slow Art Day, der dieses Jahr am 8. April stattfindet. Zahlreiche Museen weltweit nehmen daran teil, und das Prozedere ist stets ähnlich: Die Besucher verbringen ca. zehn Minuten vor einem einzelnen Gemälde mit dem Ziel, sich ganz darin zu vertiefen. Erst danach gehen sie zum nächsten Kunstwerk weiter. Der Museumsbesuch umfasst lediglich 5 Gemälde.

Kunst offenbart sich nicht sofort – sie benötigt Zeit. Zeit, um inspiziert zu werden, sie zu überdenken und zu reflektieren. Lässt man sich bei einem Museumsbesuch genügend Zeit, so können sich die statischen Kunstwerke in Ereignisse verwandeln. Die Bilder werden lebendig.

James Pawelski vom Positive Psychology Center an der Universität Pennsylvania untersucht den nährenden und erfrischenden Effekt eines entschleunigten Kunstgenusses genauer. Wer sich länger mit einem Objekt befasst, erläutert er, nimmt Elemente des Werkes wahr, die ihm entgehen, wenn er nur 15 Sekunden hinsieht. Durch die längere Betrachtungszeit der Kunstwerke wird die Möglichkeit geschaffen, auf das Kunstwerk zu reagieren und in einen Dialog mit diesem zu treten. Wie ‚erhellend‘ diese Form der Kunstbetrachtung sein kann, zeigt das folgende Slow Art Day Video von kunstzeichnen.de:

Angesichts der zunehmenden Beschleunigung in zahlreichen Lebensbereichen, braucht der Mensch Verschnaufpausen, Auszeiten und Momente der Verlangsamung.

Slow Art Day – Symbolon Art4Reflection Tour in Hamburg
Nehmen Sie sich Zeit und erleben Sie einzigartigen Kunstgenuss im Rahmen der Symbolon Art4Reflection Reihe. Am 8.4.17, dem Slow Art Day 2017, führen wir durch die Kunsthalle Hamburg. Weitere Termine und Städte für unsere reflexiven Führungen finden Sie unter www.art4reflection.com Anmeldung und für weitere Details: friederike.redlbacher@symbolon.com

Elisabeth Sechser im Web
elisabeth.sechser@sichtart.at ∙ www.sichtart.at
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Bildnachweis: Foto: Reflexion in der Kunsthalle Hamburg, Friederike Redlbacher
Quellen: www.slowartday.com; Schäfer, Annette: Langsam schauen, Psychologie heute, 04/2017

31. Jan.

Mit weniger mehr erreichen

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Wie Reflexion hilft Ballast zu erkennen und die Komfortzone zu verlassen

Genau ein Monat des neuen Jahres ist vergangen. Sind Sie selbst Ihren Zielen näher gekommen? Und haben Sie das, was Sie sich mit Ihrem Team, Ihren Kooperationspartnern und Kunden vorgenommen haben, erreicht?

Persönliche und organisationale Entwicklungen benötigen Planung, Geduld, Disziplin und eine Vision. Dafür müssen wir den Sinn und das Wesentliche erkennen, meist hohen Einsatz bringen und bereit sein zu verzichten.

Das ist oft schwer, denn unsere Wohlstands- und Angstkultur macht uns träge und wirkt lähmend. Verlustängste werden genährt, Potentialentfaltung wird verhindert. Viel zu viele „wenn“ und „aber“ stehen uns im Weg. Kennen Sie Aussagen oder auch eigene Gedanken wie „Ich kann das nicht, weil irgendjemand oder irgendetwas …“? Oft werden Blockaden und Misserfolge mit äußeren Faktoren begründet. Doch diese Gedanken oder sogar Einstellung ist unreif und selbstverhindernd. Denn äußere und innere Faktoren bewirken sich gegenseitig.

Der folgende Film symbolisiert mit dem Berg hohe Ziele und der Mondsichel das Reflektieren, in sich gehen und Verborgenes erkennen. Auch wenn der Mond zwischenzeitlich aus unserem Blick verschwindet, so ist er doch immer da. Mit Reflexion klären wir die Höhe und Weite unseres Tuns bereichern es mit Tiefe und Sinn.


Reflexion hilft in der Überfülle der Möglichkeiten sich zu erinnern, dass es bei zentralen Veränderungen in erster Linie nicht darum geht, was wir verstärken oder vermehren, sondern was wir reduzieren oder abschaffen. Effizient ist, wer in der Zusammenarbeit sich gegenseitig ermutigt Klarheit zu schaffen und unnötigen Ballast abzuwerfen. Leichtes Gepäck ermöglicht Agilität im Innen und Außen.

Im gemeinsamen Tun ist es erfolgsentscheidend, laufend blinde Flecken bewusst zu machen, Selbstverantwortung zu ermöglichen und entschlossen die Komfortzone zu verlassen. Dies eröffnet neue Perspektiven und sich kraftvoll Zukunftschancen hinzuwenden. Auch gemeinsam reflektierte und durchaus auch hohe Ziele zu setzen. Optimistisch zu sein und gleichzeitig damit zu rechnen, dass das Angestrebte eventuell nicht erreicht werden kann.

Außergewöhnliche Ziele, sei es für sich selbst oder die Organisation, brauchen eine innovative Einstellung und ansteckende, beflügelnde Aufbruchsstimmung. Schlussendlich ist etwas nicht Erreichtes ein kleinerer Verlust als eine vertane Chance. Noch ganze 11 Monate liegen in diesem frischen, chancenvollen Jahr vor uns. Auf geht’s mit weniger, für mehr Erfolg!

Christine Kranz im Web
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Filmnachweis: © shutterstock Wilderness Snow Mountain Peaks

Weitere Impulse zur Zielerreichung finden Sie im weekend magazin Interview ‚Erfolgreiches 2017 – Zielgerade‘ vom 20.1.17

7. Sep.

Neuentwicklung zur Messung von Reflexionsreife

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Quantitative Vorstudie zum Symbolon-Reflexions-Assessment

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“ Viktor E. Frankl, 1905-1997

Je reflektierter eine Person ist, desto differenzierter kann sie persönlich auf Gegensätze, Widersprüche und Paradoxa reagieren. Durch die erweiterte Wahrnehmung gelingt es ihr besser, die Komplexität der Welt zu erfassen. Je höher der Reflexions-Reifegrad desto weitsichtiger und umfassender ist das Denken und Handeln ausgerichtet.

Ähnlich der Ich-Entwicklung lässt sich der Reflexions-Reifungsprozess eines Erwachsenen in Stufen abbilden. Jede Reflexions-Entwicklungsstufe hat ihre eigenen spezifischen Muster der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Diese will das Symbolon-Reflexions-Assessment erfassen. Durch die Differenzierung der individuellen Entwicklung in den verschiedenen Stufen können Entwicklungsthemen entsprechend der jeweiligen „Psycho-Logik“ angegangen werden. Die Konzeption der Reflexionsreifestufen knüpft dabei an die Theorien der Entwicklungsebenen von Wilber, Loevinger und Keagan an.

Die Erfinderin der Symbolon-Methode® Christine Kranz und die Wirtschaftspsychologin Mag. Linda Baumgartner erarbeiten das neue Assessment. Die beiden Spezialistinnen bringen jeweils jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Anwendung von psychologischen Testverfahren mit. So ist auch bei diesem neuen Symbolon Tool die Kombination aus Reflexion und Selbsteinschätzung zu Bildserien und Aussagen einzigartig. Die Erfassung des Reflexions-Entwicklungspotenzials wäre ein fehlender Puzzlestein in der Diagnostik. Das Reflexions-Assessment setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil besteht aus 9 Bildserien zu je 6 Abbildungen, der zweite Teil aus 12 Fragenbereichen zu je 6 Statements.

Symbolon-Reflexions-Assessment_blogSeit dem Projektstart im November 2015 wurden die Serien laufend getestet, optimiert und mit neuen erweitert. Im September 2016 wird der vierte und bislang umfangreichste Testdurchgang erstmalig online zugänglich. Nach drei qualitativen Vorstudien erfolgt nun die erste quantitative Vorerhebung zur psychometrischen Prüfung des Instrumentes. Im Vorfeld wurden durch Assoziationsabfragen und Expertenratings die inhaltliche Relevanz der Items und Kunstwerke überprüft, nun hat das Verfahren seine erste empirische Prüfung zu bestehen.

Erleben Sie persönlich die Innovation und nehmen Sie vom 6. bis 26. September am Reflexions-Assessment teil. Allein der Prozess des Ausfüllens wird Sie überraschen. Nach Auswertung der Gesamtergebnisse, erhalten Sie eine Rückmeldung zu Ihrem persönlichen Ergebnis. Außerdem unterstützen Sie mit Ihrer Teilnahme die Weiterentwicklung des innovativen Tools.

Den Zugang zum Ausfüllen erhalten Sie auf Nachfrage über forschung@symbolon.com
Das Symbolon-Team freut sich über Ihr Interesse und Mitwirken. Ihr Feedback, Ihre Gedanken und Anregungen für die Weiterentwicklung sind sehr willkommen. Herzlichen Dank!

Christine Kranz im Web
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Linda Baumgartner im Web
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31. Mai.

Was kann passieren, wenn wir den Schwachen eine Chance geben?

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Mit schlechtem Start und viel Potenzial

Wenn wir Potenzial als noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeit verstehen, müssten die Schwächsten am meisten davon haben. Warum fördern Unternehmen fast ausschließlich die Erfolgreichen, die sogenannten High-Potentials? Dies gilt es in Frage zu stellen, denn welche Chancen wir verpassen können, zeigen die folgenden vier ganz unterschiedlichen Geschichten.

Suche Kandidaten mit schlechten Noten
Im Artikel „Warum ein Unternehmer Azubis mit schlechten Noten einstellt“ beschreibt Miriam Eckert eine berührende Geschichte zum Thema Potenzialentfaltung von Lehrlingen. Dem Berliner Unternehmer Jürgen Stark sind die Zeugnisse der jungen Menschen nicht so wichtig, die Förderung dafür umso mehr. Er nimmt sich viel Zeit für das Bewerbungsgespräch. Versucht zum Beispiel zu klären, ob die KandidatInnen ehrlich sind, ihm in die Augen schauen und frei reden können. Seine Entscheidung bezieht er auf menschliche Voraussetzungen und ob die Chance der Entwicklung besteht. Er fördert und motiviert seine Lehrlinge, indem er ihnen lösbare Aufgaben gibt. So nehme er sich für die jungen Menschen Zeit, bleibe mit ihnen im Gespräch und könne mittelfristig erstklassige Mitarbeitende gewinnen.  Link zum Artikel

Vincent_van_Gogh_-_National_Gallery_of_ArtVerkanntes Genie
Das Selbstportrait von Vincent van Gogh zeigt ihn ein Jahr vor seinem Tod, im Alter von 37 Jahren.

Das Gesicht ausdrucksstark, gezeichnet von Entbehrungen und Not. Kaum jemand hat ihm zu Lebzeiten eine Chance gegeben. 100 Jahre später werden seine Werke zu unermesslichen Preisen gehandelt.

Es ist anzunehmen, dass der verrückte van Gogh wenig Förderung gebraucht hätte, um besser und länger leben zu können. Er hätte seine Genialität zur weiteren Entfaltung bringen und damit sein Werk wachsen lassen können. Seine Förderer hätten im Laufe der Zeit ein wertvolles Vermögen gewonnen, die Menschheit weitere Werke erhalten, die in ihrer Intensität und Ausdruckskraft einzigartig wären.    

 

Früh gelernt, wie man es „nicht macht“
Ein junger Unternehmer erzählte mir, dass er als Kind zum Zeitpunkt seiner Einschulung zu seinen Eltern nach Zentraleuropa nachgeholt wurde. Durch sein unterschiedliches Aussehen ständig gehänselt, von Lehrkräften im Stich gelassen, schlug er sich im Mangel der Deutschen Sprache auch körperlich durch. Der leidvolle Weg setzte sich auch in den ersten frühen ausbeutenden Jobs weiter. Er erzählte, dass ihm aus jetziger Sicht die damals schwierigen Bedingungen die Motivation und Kraft gaben, für seine Familie und sich ein gutes Leben zu schaffen. So ging er mit viel Arbeitseinsatz konsequent den eigenen Weg. Er habe früh gelernt, wie man es „nicht macht“. Sein Führungsstil und Unternehmertum ist ein engagiertes, chancengebendes Miteinander. Sein erfolgreiches innovatives Unternehmen bekommt internationale Anerkennung und steht in jeder Beziehung für Service und Qualität.

Tägliche Handlungen machen den Unterschied
Während ich diesen Blogartikel schreibe setze ich mich auch persönlich verstärkt mit dem Fördern der Schwachen auseinander. Die Wirkung zeigte sich bei einer einfachen Handlung, dem Kauf einer Salbeipflanze. Die Einzige noch zu Habende war vertrocknet und hing schlapp über den Topfrand. Schnell stellte ich sie zurück ins Regal und machte mich mit dem Einkaufswagen weiter zur Abarbeitung der Liste. Ich erinnerte mich dabei an den Berliner Unternehmer und fragte mich, ob ich dem Salbei doch eine Chance geben könnte. Gewässert und eingesetzt hat er sich zu meinem Erstaunen in nur 2 Stunden prächtig erholt. Ich erlebte durch ihn ein erhellendes Erfolgserlebnis und Freude, dass er es geschafft hatPotenzial_Salbei_www.symbolon.com.

 

Erfolg durch Menschlichkeit
Wenn die Starken und somit Privilegierten den scheinbar Schwachen Chancen geben, gewinnen Alle. Jürgen Stark beschreibt wie auch er persönlich von dem vermeintlich schwierigen Zuwachs im Betrieb profitiert: „Weil ich auf das Verhalten der Azubis achte, nehme ich auch mein eigenes Verhalten bewusster wahr.“ Im empathischen Miteinander schärfen wir unsere Reflexionsfähigkeit. Die bewusstere Selbstführung hilft situationsadäquat einzuwirken und somit die Effizienz zu steigern.

Der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther zeigt auf, dass wenn wir Andere als Objekte behandeln und benützen, Potenzialentfaltung verhindert wird. Beziehungsfähigkeit, ehrlicher Umgang und gegenseitige Förderung sind zentrale Führungsqualitäten.

Besonders in herausfordernden Zeiten brauchen wir Ermutigung, frühzeitig und freiwillig die Komfortzone zu verlassen. Es ist ein Gewinn von Benachteiligten zu lernen und positiv überrascht zu werden, denn sie verfügen oft über eine hohe Resilienz. Haben es die Schwachen geschafft, geben sie meist um ein Vielfaches zurück.

Chancengebende Entscheidungen und Handlungen sind gelebte Menschlichkeit, um die es schlussendlich geht. Die positive Auswirkung sind Wertschätzung, Loyalität und Lebensqualität. Darin liegt die Chance für wirkliche Führung, die sich am Menschen orientiert und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich ist.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis: Kunstwerk: Self-Portrait, 1889, Vincent van Gogh (1853-1890), National Gallery of Art, Washington D.C.; Foto: Christine Kranz

9. Feb.

Mehrdimensionales Coaching mit Achtsamkeit und Wertfreiheit

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Sensibel, fragil und höchst leistungsfähig

Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Wie schaffen Coaches die verschiedenen Ebenen und Dimensionen zu beleuchten? Den Kunden gerecht zu werden, sie in ihrer mehrdimensionalen Welt abzuholen und zu begleiten?

Ich lade Sie zu einer Videoanimation (20 sec.) über die neuronale Aktivität des Hirns ein. Wenn Sie in den Vollbildmodus wechseln, erleben Sie die Hirnaktivitäten intensiver. Vielleicht möchten Sie beobachten, was der Film in Ihnen auslöst und versuchen, den Prozess und das Wesen des Hirns zu erfassen:

 

Was sind Ihre spontanen Gefühle und Gedanken?
Was braucht das Hirn für seine Regeneration und Entwicklung?
Was brauchen Sie für Ihre Weiterentwicklung?

Jedes Hirn ist ein vielschichtiges und komplexes Werk. Sensibel, fragil und hoch leistungsfähig. Wenn Coaching und Trainings auf verändertes Verhalten abzielen, wird der Mensch vordergründig und kurzfristig in seiner Herangehensweise gepuscht, jedoch innerlich in der Psyche durch Botschaften wie „ich bin nicht ok“, „ich muss die Erwartungen erfüllen“ oder „mit mir stimmt etwas nicht“ verunsichert. Interventionen, die mit Erfolgsdruck und Motivationsmodellen manipulieren und indirekt Ängste schüren, bringen Menschen immer mehr von dem, was sie sind, weg. In unserer Kultur wird schon jungen Menschen erklärt, dass sie im Sinne „höher, schneller, weiter …“ sein sollen und was von ihnen erwartet wird. So werden Menschen durch die Erfüllung von Erwartungen und künstliche Anpassung innerlich immer mehr verunsichert.

Das Ergebnis ist, dass zum Beispiel eine Führungskraft, die innerlich unsicher ist, kompensiert, indem sie machthungrig das Umfeld ausnützt und distanziert bleibt. Um innere Ängste nicht zu spüren und „zu überleben“ entscheidet und handelt sie für den eigenen Vorteil und kann so in eine destruktive Maßlosigkeit geraten. Genauso kann es sein, dass eine andere Führungskraft, die innere Unsicherheit, durch eine überkritische Haltung kompensiert. Im Wunsch Gutes zu tun und „die Welt retten zu wollen“ kann auch sie egozentrisch und unnahbar wirken. Die Kompensationsmöglich-keiten sind vielschichtig und unterschiedlich. Für alle gilt: Je stärker ein Mensch unbewusst und auf Kosten anderer kompensiert, je schwächer ist seine innere Persönlichkeitsentwicklung.

Coaches brauchen psychologische Kenntnisse und Erfahrungen, um die vielfältigen Kompensa-tionen zu erkennen. Mit einer sensiblen und empathischen Begleitung können sie Kunden höchst wirksam in ihre inneren Ebenen führen. Dazu müssen sie mit den Kunden ohne Erwartungen und Wertungen die versteckten Unsicherheiten und Muster beleuchten. Die Kunden werden durch den eigenen Reflexionszugang und neue Erfahrungen gestärkt. Die persönliche Geschichte mit allen Ereignissen ist im Hirn abgespeichert und ermöglicht in integrierter Form Potenziale frei zu setzten. Wenn es gelingt, wesentliche und tiefe Selbsterkenntnisse zu erlangen, geschieht wie von selbst ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Damit Coaches dem mehrdimensionalen Menschen gerecht werden können, ist die eigene Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Neben hoher Fachkompetenz brauchen sie Reflexionskompetenz, Achtsamkeit und Hingabe. In Coaching-Prozessen, welche mit Wertfreiheit geführt werden, entwickeln sich Menschen wirksam aus sich heraus weiter. Verdrängte oder unbewusste Unsicherheiten, die sich im Hirn als destruktive Muster „Fehlschaltungen und Blockaden“ manifestiert haben, können sich lösen und wandeln. Wird der Fluss in der menschlichen Schaltzentrale hergestellt, wird auch der Lebensfluss mit allen Funktionen und Zugängen befreit. Coaching mit Empathie und Tiefe öffnet den Menschen für echte Selbstreflexion, welche seine individuelle innere Ordnung herstellt und seine Mehrdimensionalität in Einklang bringt.

Weiterführende Informationen
Maintaining and promoting excellence in coaching – der Code of Ethics vom ICF
Reflexionskompetenz trainieren – der Symbolon-Lehrgang

Christine Kranz im Web
christine.kranz@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
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Filmnachweis: © Shutterstock: Neuronal Activity

22. Sep.

Trends bei Reflexion in Organisationen

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Neue Erkenntnisse aus dem Projekt der Zusammenarbeit WU Wien und Symbolon AG

Reflexion in Organisationen zu untersuchen und die Effekte auf Wandel abzuschätzen war Kernelement der Zusammenarbeit zwischen dem Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien und der Symbolon AG. Die erste Erkenntnisse liegen in Form einer sehr umfangreichen Arbeit von Beate Haslinger vor. Im Rahmen ihrer Literaturrecherche und durch Feedback- und Austauschgespräche zwischen akademischer und praxisorientierter Perspektive sind folgende Trends sichtbar geworden:

Trend 1: Wahrnehmung und innerer Referenzrahmen neues Zentrum der Reflexion
Das Verständnis von Reflexion im wirtschaftlichen Kontext war in der Vergangenheit durch einen analytischen und handlungsorientierten Zugang charakterisiert. Neuere Modelle der kritischen Reflexion richten den Fokus von außen nach innen und stellen die innere Erfahrung und Wahrnehmung in das Zentrum. Sie betonen, dass erst durch eine kritische Reflexion des inneren Referenzrahmens eine Veränderung der Perspektive möglich ist. Emotionen werden dabei weder thematisiert noch ausgeschlossen. Kritische Reflexion basiert nicht nur auf einem vertieften sondern auch erweiterten Verständnis von Reflexion. Der Kontext, wie soziale, politische und kulturelle Aspekte sind ebenfalls Gegenstand der Reflexion.

Trend 2: Nachhaltiger Wandel braucht neben Selbstreflexion auch organisationale Reflexion
Mit der Betrachtung des Referenzrahmens verlässt Reflexion den Boden der rein individuellen Erfahrung. Konzepte wie jenes der organisationalen Reflexion oder des Organisationsbewusstseins, die die Bewegung vom Individuellen zum Kollektiven betonen, gewinnen in der Literatur zunehmend an Bedeutung. Nur wenn neben Selbstreflexion auch organisationale Reflexion möglich ist, wird der Wandel in Organisationen nachhaltig unterstützt. Dabei ist vor allem die Haltung und das Verständnis aus dem heraus Reflexion stattfindet entscheidend.

Trend 3: Wachsendes Organisationsbewusstseins durch kritische Auseinandersetzung
Damit Reflexion sowohl die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen stärkt, darf Selbstentwicklung nicht ausschließlich an den Einzelnen delegiert werden. Das organisationale Bewusstsein ist definiert durch die Reflexionsfähigkeit einer Organisation auf allen Ebenen. Nicht nur die Werte, Überzeugungen und Handlungsmuster des Einzelnen, sondern auch das Selbstkonzept der Organisation muss in Frage gestellt werden dürfen. Ein verändertes Problembewusstsein auf allen Ebenen entsteht, wenn die Psycho-Logik des Verhaltens in und von Organisationen reflektiert wird.

Die Trends zeigen, dass Reflexion auf allen Ebenen eine Basis für den organisationalen Wandel bildet. Selbstreflexion ist noch immer der erste Schritt zur Persönlichkeitsentwicklung, reicht aber nicht aus, um nachhaltige Veränderungen im Unternehmenskontext zu erreichen. Erst eine gemeinsame Reflexionskultur im Unternehmen ermöglicht nachhaltige Organisationsentwicklung.

Ansprechpartner Symbolon AG
Mag. Linda Baumgartner
linda.baumgartner@symbolon.com

Ansprechpartner Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien
Univ.-Prof. Dr. Herbert Neubauer
herbert.neubauer@wu.ac.at

Quelle
Haslinger, Beate (2015). Relevanz und Nutzen von Reflexion in wirtschaftlichen Organisationen. Bachelorarbeit, Wien.

Bildnachweis: Magritte-Museum in Brüssel, verhüllt in 2009, dpa

16. Jul.

Mit intuitivem Wissen Entscheidungen treffen

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Wie wir den Sommer als Reflexionsraum nützen können

Öfter passiert es den meisten von uns, dass wir im Nachhinein sagen „ich habe es gewusst“ oder „es war schon am Anfang klar“ und „hätte ich nur anders reagiert“. Der Naturforscher Alexander von Humboldt sagte um 1800 „Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus.“ Wie gelingt es uns, wichtige Zeichen zu sehen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen?

Entschleunigung bewirken
Wenn wir konstant mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, können wir Eindrücke und Erlebnisse nur partiell verarbeiten. Die Gefahr ist, dass wir uns immer schneller durch unser Arbeitsleben bewegen und zu Getriebenen werden. Wir verlieren dabei die Verbindung zu unserem inneren Zentrum und geben zu viel Kraft undifferenziert nach außen. Der Ausstieg aus dem rotierenden Gedanken- und Emotionskarussell scheint mehr und mehr unmöglich. Um die Dynamik zu stoppen, brauchen wir eine bewusste Entschleunigung. Dazu gehört, nicht sofort auf Impulse von außen zu reagieren und sich für Entscheidungen Zeit zu lassen. Schaffen wir es, von der schnellen Handlung mehr in die Beobachtungshaltung zu wechseln, eröffnet sich ein neuer Blick auf uns selbst und unser Umfeld.

Distanz schaffen
Der Sommerurlaub ist ideal, um bewusste und klärende Distanz zu schaffen. Wenn es uns gelingt aus den Prozessen des Arbeitsalltags auszusteigen, können gewohnte Abläufe und eigene Muster durchbrochen werden.

Im Kunstwerk von Claude Monet ist dargestellt, wie die Natur zwischen dem Dorf und unserer Position liegt. Dies könnte die Distanz zu unserem gewohnten Umfeld symbolisieren, z.B. zu den Kommunikationskanälen wie Telefon, Email, Web 2.0 Plattformen etc.. Unerreichbarkeit führt uns unmittelbar näher zu uns selbst. Dabei können wir uns sammeln und zentrieren, ohne funktionieren zu müssen. Wir schaffen eine innigere Beziehung zu dem, was uns bewegt und was unsere eigene Natur ausmacht. Wir haben die Wahl, den Sommer mit Ruhe und Gelassenheit oder wild und lebendig zu erleben. Vor allem bietet die Sommerzeit mit dem vermehrten Freiraum die Chance, spontan zu sein und den intuitiven Impulsen zu folgen. Meist entsteht fast wie von selbst Entschleunigung und Druckentlastung, die sich wohltuend und regenerierend auswirkt.

Reflexionsräume nützen
In der entstehenden Verlangsamung eröffnet sich ein Reflexionsraum, der uns ermöglicht, Beobachtungen zu verarbeiten und dazu gehörende Ahnungen zuzulassen. Oft ist Wesentliches nicht mit reiner Analyse zu erkennen. Intuitives Erfassen gibt die ungreifbaren Zwischenräume frei. Das können zum Beispiel Sätze sein, die nie ausgesprochen wurden, jedoch impliziert sind.

Nach dem genialen Physiker und Denker Albert Einstein ist „das eigentlich Wertvolle im Grunde die Intuition“. Unsere Intuition gibt uns durch irreale Wahrnehmung Impulse, dass etwas ist. Im Kunstwerk von Tamara de Lempicka bekommt die Frau ein zweites Gesicht, bei dem der Blick ins Nichts zu gehen scheint. Dem „vordergründig Unsichtbaren“ können wir uns mit der Intuition nähern. Die Ahnungen sind frei von dem, was wir schon wissen und unseren Wertungen. Intuition eröffnet uns neue Räume und erweitert unsere sensitive Wahrnehmung für Zukünftiges. Wenn wir uns selbst in unseren diffusen Gefühlen ernst nehmen, schärfen und entwickeln wir unsere Sensorik für die Außenwelt. Das Diffuse wird erfasst und kann im reflektiven Austausch mit anderen weiter konkretisiert werden. Die gewonnene Stärke durch den Zugang zur Intuition symbolisiert der klare ausgerichtete Blick der rechten Frau.

Entscheidungen treffen
Die Jahresmitte ist ideal um inne zu halten und das erste Halbjahr Revue passieren zu lassen. Was hat sich wie entwickelt? Waren von Anfang an die Zeichen stimmig? War es zu Beginn schwierig und ist es schwierig geblieben? Was sagt meine Intuition? Welche Korrekturen braucht es? Wo braucht es ein Beenden und Abschließen? Wo einen Neuanfang?
Wir können durch unsere Klarheit und den Mut zu korrigieren oder abzuschließen und neu zu beginnen uns und unser Umfeld stimmig ausrichten. Durch Konzentration auf das Wesentliche reifen wir in unserer Persönlichkeit und erreichen die höchst mögliche Lebens- und Arbeitsqualität.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis:
Bordighera, 1884, Claude Monet, The Art Institute of Chicago
The Young Ladies, 1927, Tamara de Lempicka, private collection