Archiv der Kategorie: Beratung/Coaching/Training

30. Okt.

Warum Agilität und Reflexion zusammen gehören

Agiles Arbeiten braucht Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zur Reflexion; sowohl zur Selbstreflexion, als auch zur Fremd- und Metareflexion.

Die Entwicklung von Reflexion in der frühen Kindheit

Kinder bis drei Jahre begegnen der Welt unhinterfragt, erst danach können sie zwischen Innen und Außen unterscheiden und eine Sichtweise ihrer Gedanken und Gefühlswelt entwickeln. Dies passiert nicht als Entwicklungs- und Reifungslogik, sondern im Kontext der elterlichen Beziehung. Das differenzierte emotionale Erleben wird einer frühen Affektspiegelung zugeschrieben. Durch die Reaktion der Eltern auf das kindliche Verhalten wird bereits als Säugling dieser spiegelnde Emotionsausdruck geübt, trainiert und erlebt. Zwischen neun und achtzehn Monaten interpretiert das Kind eigene und fremde Handlungen, kann allerdings noch nicht die Motive dahinter lesen. Gedanken und Wünsche werden bereits im Spiel als real gezeigt und erfahren. Der reflexive Modus integriert sich ab dem vierten oder fünften Lebensjahr und ermöglicht so dem Kind das eigene und das andere Innenleben zu unterscheiden.
Der reflexive Modus (ca. ab 4. bis 5. Lebensjahr) integriert die vorher nebeneinander existierenden Realitäten. Er ermöglicht ein Nachdenken über das eigene Selbst und über das vermutete Innenleben anderer Menschen. In der kindlichen Gedankenwelt werden unterschiedliche Perspektiven und falsche Überzeugungen erkannt und bevorzugt im Spiel dargestellt, modifiziert und verarbeitet. Destruktive oder ängstigende Inhalte werden spielerisch durchgearbeitet und durch einen mitspielenden Erwachsenen oder ein älteres Kind vermittelnd organisiert. An dieses spielerische Probehandeln kann im Erwachsenenalter im Rahmen einer Reflexionschallenge oder eines Coachings zurückgegriffen werden und so im Als-ob Modus die Reflexionsfähigkeit erweitert werden. Auftretende Gedanken, Gegenübertragungsgefühle und Ideen werden so erforscht und neue Erfahrungen dadurch ermöglicht und die reflexive Kompetenz verbessert.

Zukünftige Arbeitswelten brauchen Reflexion

Die moderne Arbeitswelt ermöglicht dem Einzelnen, die eigene Arbeit losgelöst von Raum und Zeit zu organisieren. Zugleich besteht die Erwartung, „just in time“ auf dynamische äußere Anforderungen zu reagieren. Dies erfordert von jedem Einzelnen, Prioritäten zu setzen, flexibel das eigene Handeln zu steuern und veränderungsfähig zu bleiben. Diese geforderte Agilität braucht laufendes Reflektieren und Lernen, um das gewünschte Tempo zu gewährleisten. Ohne Reflexion könnte nur routiniertes konservatives Handeln das Arbeitsfeld dominieren. Unbewusst wird auf abgespeicherte lebensgeschichtliche Erfahrungen in ähnlichen Situationen zurückgegriffen. Interaktives Prioriätensetzen, Paradoxien durch neue Marktteilnehmer und hohe Marktbeweglichkeit brauchen aber neues frisches und bewegliches Mindset. Dabei spielt die Berücksichtigung aller Stakeholderinteressen (Mitarbeiter/Teammember und Kunden-Lieferantensichtweisen) und die Resonanz der eigenen Innenwelt eine wichtige Rolle. Die Reflexionsfähigkeit ermöglicht also, neue Handlungsoptionen zu erschließen und das eigene Verhalten den Erfordernissen einer erfolgreichen Bewältigung der variablen Arbeitsherausforderung anzupassen. Damit ist Reflexion auch der Schlüssel, um bisher gewohnte Verhaltensstrategien zu überdenken, alte weiterzuentwickeln, neue zu suchen und auszuprobieren, um so das Verhaltens- und Reaktionsrepertoire zu erweitern. In reflexive Distanz zu sich selbst treten können, braucht außerdem noch eine Metakompetenz, die sich durch eine Beobachtungsgabe des Kontextes und des Moments und einer Projektion in die Zukunft ergänzt. Das Ziel dabei ist, vorschnelle, emotionale und subjektive Bewertungen zu reduzieren und anderen erweiterten Betrachtungs- und Einschätzungsvarianten mehr Raum zu geben. Statt aktionistisches auf Anforderungen zu reagieren, gilt es evaluiert und priorisiert Handlungsoptionen zu szenarisch reflektierend zu prüfen.  Diese Fähigkeit zur Selbststeuerung ist die Basis zur Regulierung des eigenen Energiehaushalts und gleichzeitig die Voraussetzung dafür, handlungsfähig zu bleiben.

Reflexionsräume schaffen

Um eine Reflexion zu üben, müssen Räume der Selbstreflexion geschaffen werden, sowohl physisch als auch organisatorisch und zeitlich. In der Reflexionschallenge wird das Auseinandersetzen mit den eigenen Grenzen unterstützt, der Blick über den eigenen Tellerrand geschärft. Verstärkt werden Formate genutzt, die Silos aufbrechen, Hierarchien einstürzen lassen und so neue Szenarien der aktuellen und künftigen Organisationsbedingungen entworfen und dafür tragfähige Lösungen und Antworten entwickelt. Im Reflexionsraum wird so der Umgang mit Paradoxien zwischen individuellen und strategischen Perspektiven geübt und sich in einem neuen Umgang mit Reibungsflächen, Widersprüchen, Irritationen und Störungen des Gewöhnten und Bewährten initiiert.

Im Actionlearningmodus die Integration in den Arbeitsalltag erleichtern

Die persönliche und organisatorische Reflexion zu erhöhen, verbindet Problemlösung und Offenheit für die Veränderung mit iterativem Lernen. In moderierten Feedback-Schleifen wird das Erlebte besprochen und so nachhaltig und rasch verändert. In Reflexionssequenzen wird die Wahrnehmungsfokussierung geschärft und die Wahrnehmungsfilter des subjektiven Filters gelüftet. Auf Neues, Fremdes, Unbehagliches, Unterschiedliches, Ängstigendes und Anderes gelingt es uns so uns einzulassen. In selbstreflexiven Annäherungsschleifen wird ein behutsamer, toleranterer Umgang mit Blickwickeln eingeübt, das Aussteigen aus den eigenen Denkspiralen erleichtert und so der persönliche Horizont erweitert. Action Learner entwickeln sich in dieser Weise und verstärken ihre Performance und die Neugestaltung des Arbeitsumfeldes (Anpassungslernen, Veränderungslernen, Prozesslernen). Durch das neue Handeln und veränderte Verhalten wird die Reflexionsdynamik erhöht und eine reflexive Reife entwickelt. Reflexion zählt zur Professionalität und stellt eine unverzichtbare Grundlage für die Problemlösungskapazität im Kontext des agilen Arbeitens dar. Es zeigt sich durch ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit, durch starke intuitive Fähigkeiten, durch die Kenntnis der eigenen emotionalen Neigungen und durch das Einlassen auf unterschiedliche Betrachtungsstandpunkte unabhängig vom persönlich eigenen und bevorzugten Denkstandpunkt und durch die Wertschätzung und Würdigung von unterschiedlichen Sichtweisen und Ansätzen.

Ursula della Schiava-Winkler im Web
udsw@socialskills4you.com ∙ www.socialskills4you.com
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Bildnachweis: Foto: von der Ars Electronica, Ursula della Schiava-Winkler

6. Jul.

Die Welt ist mir ein Stück nähergekommen

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Die geheime Sprache der Kunst – wie sie das Außen mit dem Innen verbindet

Dass die darstellende Kunst eine „geheime“ Sprache spricht, ist ihr schlichtweg implizit. Sie ist zwar nicht immer aus sich selbst zu verstehen wie unsere gesprochene und geschriebene Sprache, aber z.B. durch die Darstellung gut erkennbarer Elemente – wie Natur, Menschen, Landschaften oder Architektur – durchaus logisch zu erschließen.

Wenn dann noch historische, religiöse oder mythologische Elemente eingebaut sind, begeben wir uns auf die Verständnis-Ebene von Motiven und Symbolen, die wir z.B. mit Hilfe der Ikonografie oder Kulturgeschichte bestimmen und deuten können.

„Aphrodite“ von Rivière zeigt ein Beispiel: Eine Szene, die die Göttin der Liebe und der Schönheit zeigt, die von einer Gruppe von wilden Tieren umgeben ist, scheinbar unter ihrem Zauber. Anders als die meisten Maler konzentrierte er sich nicht auf das erotische Potenzial des Subjekts, sondern wählte eine ungewöhnliche Szene aus einer Homerischen Hymne (8.-6. Jh. V. Chr.).

Anders auf der abstrakten und von allen wiedererkennbaren Komponenten losgelösten Ebene. Aber auch hier ist es uns möglich durch freie Assoziationen abzufragen, wie es auf uns wirkt und welche Gefühle dabei angesprochen werden.
Dem Allen schwingt noch etwas anderes mit.

Zum einen ist es der Ausdruck des Künstlers in seiner individuellen Persönlichkeit und seinem kulturellen Umfeld. Zum anderen sind es die Schwingungen der Farben. Farben lenken uns viel mehr als wir uns das vorstellen können. Sie beeinflussen uns und sind ein Kommunikationssystem. Farben lösen Emotionen und Reflexe aus. Durch Farben (natürlich auch schwarz und weiß) nimmt das Gehirn Formen im Außen wahr.

Und nun zum Betrachter. Seine Kapazitäten einem Kunstwerk zu begegnen, sei es durch Verstehen oder schlichtweg sinnlich, „färben“ und beeinflussen, wie das Werk zu ihm spricht. Wenn dieser sich darauf einlässt, frei und losgelöst von Vorkenntnissen, ein Kunstwerk zu betrachten, geschieht eine originelle Symbiose zwischen Werk und Betrachter. Die Sprache des Bildes trifft nämlich auch auf tief Verborgenes in seinem Unbewussten und bekommt einen weiteren Wert:  Es entsteht eine erweiterte Form der sinnlichen Kommunikation, einer passiven oder aktiv genutzten Selbst-Reflexion, die für eine nachhaltige Bewusstmachung und Veränderung unserer Denk- und Verhaltensmuster genutzt werden kann!

So in der Coaching Methode Symbolon® für Potentialentfaltung. Nach schon 2×5 Tagen intensivstem Training mit dieser Methode ist in mir eine innere Veränderung eingetreten. Eine Umwandlung meiner Wahrnehmung aller äußeren Faktoren. Wir lernen und üben im Lehrgang mit Leib und Seele und unermüdlichem Engagement mit Bildern auf Resonanz zu gehen und das „Dahinter“ und „Darunter“ zu ergründen. Dass ich aber auf einmal nicht nur Kunstwerke so anschaue, sondern mein gesamtes Umfeld, und damit mich auch im Alltag selbstreflektieren lerne, ist für mich eines der größten Geschenke dieser Arbeit.

Ich erfahre die Qualität, mich im Äußeren zu spiegeln, wann und wo es mir möglich ist. Fragen wie „was macht das mit mir?“ brauchen nicht mehr nur im experimentellen Coaching-Setting gefragt zu werden… Ich erlebe eine neue Form der Symbiose mit meinem Umfeld. Es scheint, als lösen sich die Grenzen zwischen Betrachten und Betrachtetem langsam auf. Das Außen kommt mir, meinem Wesen, meiner Seele näher….

Mein Innerer Beobachter kommuniziert auf einer anderen Ebene mit dem vermeintlich Äußeren: Da ist neben mentaler Neugierde eine Resonanz auf Herzensebene spürbar. So als würde ich eine längst bestehende innere Beziehung zu den externen Dingen, Menschen, der Natur neu erleben. So eine Art Auflösung (Weichmachung) des Kenntnis-Horizonts, der (Vor-)Urteile und des bisher anders wahrgenommenen physischen Abstands zu dem Außen.

Es ist ein phänomenales Erlebnis: Die Welt ist mir ein Stückchen näher gekommen.

Bettina Clark im Web
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Bildnachweis: Aphrodite, 1902, Briton Rivière, Dahesh Museum of Art; Diagonale, 1923, Wassily Kandinsky, Solomon R. Guggenheim Museum

13. Jun.

Ja zur Digitalisierung ohne Untertauchen

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Wie Selbstreflexion Widerstand löst und ermutigt

Die Digitalisierung beschleunigt sich mehr und mehr. Noch nie hatten wir in der Wirtschaft so viele globale Veränderungen. Wir leben in einer spannenden Zeit voller Möglichkeiten. Für viele Menschen sind dies schwierige Herausforderungen und sie haben Angst, den immer größer werdenden Anforderungen nicht mehr standzuhalten und den Zug zu verpassen.

Die Chance kann leicht zur Bedrohung werden.
Statt Freude und Mut machen sich Ungewissheit und Unsicherheit breit. Schnell ein zwei Schritte zurück, denn es könnte schief gehen. Rasch sind viele berechtigte Gegenargumente und auch Gleichgesinnte gefunden, mit denen man leicht Widerstand aufbauen kann. Die bewährten Prozesse sind kurzfristig gerettet. Doch der Schein trügt, denn wer sich erfolgreich wehrt, wird über kurz oder lang ziemlich ins Schwimmen kommen oder durch einen unerwarteten Tauchgang scheitern. Dies gilt für Mitarbeitende, Führung, Management, Organisationen und Staaten gleichermaßen. Denn der digitale Fortschritt ordnet sich nicht der subjektiven Befindlichkeit oder Traditions- oder Kulturthemen unter. Wir haben keine Wahl. Die Digitalisierung ist da und wer nicht einsteigt, verliert den Anschluss. Außerdem ist Digitalisierung notwendig, um Innovationen umzusetzen, die helfen, die Lebensgrundlage kommender Generationen zu erhalten.

Mit Reflexion können wir versuchen, das zentrale Grundprinzip der Digitalisierung zu erkennen. Digitalisierung vereinfacht und führt zum Weniger. Wir lernen Kontrolle loszulassen und beginnen ehrlicher und wahrhaftiger zu sein. Die Folge: Menschen mit Verlust- oder Transparenzängsten fühlen sich bedroht. Natürlich hat alles seine Schattenseite, jedoch haben wir die große Chance, uns das Leben zu erleichtern, Ressourcen zu schonen und uns auf Wesentliches zu fokussieren.

Die aktuellen Diskussionen vom bargeldlosen Zahlen zeigen auf, wie sich viele der konsequenten Digitalisierung verweigern. In nordischen Ländern und Teilen Asiens wird bargeldloses Zahlen selbstverständlich gelebt. Während sich in Zentraleuropa wirtschaftliche Größen mit Argumenten wie „nicht gläsern sein wollen“ dagegen aussprechen. Was gibt es zu verbergen? Sind wir so klar und stark, sodass wir mit reinem Gewissen unser Leben offen legen können? Das heißt auch zu unseren Schwächen und Fehlern stehen. Die meisten Innovationsprozesse und -konzepte brauchen Transparenz und weltweiten Zugang. Ehrlichkeit mit gelebter Verantwortlichkeit verringert Korruption und Kriminalität. Humanisierung und die internationale Chancen-Gemeinschaft brauchen Offenheit und Fairness. Wir sind aufgefordert, die individuellen Komfortzonen zu verlassen und mit Mut aufzubrechen und Grenzen zu überwinden.

Mit Selbstreflexion erkennen wir unsere persönlichen Grenzen und die dahinterliegenden Ängste. Gelingt es uns, die Hindernisse und Widerstände zu beleuchten, ist dies der erste und wichtigste Schritt, damit sich diese auflösen können und Entwicklung möglich wird. Folgende 3 Fragen sollen inspirieren und anregen sich seiner eigenen Gedanken, Gefühle und Muster bewusst zu werden:

  • Mit welchen Digitalisierungsthemen fühle ich mich überfordert?
  • Was befürchte ich durch Digitalisierung zu verlieren und was kann ich gewinnen?
  • Wie stehe ich zu meiner eigenen Innovationskraft und wie könnte mir Digitalisierung helfen diese zu entwickeln?

Mit persönlicher Klarheit können wir uns kraftvoll dem brachliegenden Potenzial zuwenden und den Schatz der innovativen Digitalisierung heben und entfalten lassen. Dazu brauchen wir eine Kultur, die lebenslanges Lernen als Selbstverständlichkeit sieht. Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist eine wirksame Personal- und Organisationsentwicklung, die die Verunsicherung der Mitarbeitenden und Entscheidungsträger erfasst. Es braucht von allen Beteiligten ein klares Ja zur Digitalisierung und gegenseitige Ermutigung im Sinne der freudvollen Wandlung und neuer Chancen.

Christine Kranz im Web
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 Bildnachweis: © shutterstock

31. Jan.

Mit weniger mehr erreichen

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Wie Reflexion hilft Ballast zu erkennen und die Komfortzone zu verlassen

Genau ein Monat des neuen Jahres ist vergangen. Sind Sie selbst Ihren Zielen näher gekommen? Und haben Sie das, was Sie sich mit Ihrem Team, Ihren Kooperationspartnern und Kunden vorgenommen haben, erreicht?

Persönliche und organisationale Entwicklungen benötigen Planung, Geduld, Disziplin und eine Vision. Dafür müssen wir den Sinn und das Wesentliche erkennen, meist hohen Einsatz bringen und bereit sein zu verzichten.

Das ist oft schwer, denn unsere Wohlstands- und Angstkultur macht uns träge und wirkt lähmend. Verlustängste werden genährt, Potentialentfaltung wird verhindert. Viel zu viele „wenn“ und „aber“ stehen uns im Weg. Kennen Sie Aussagen oder auch eigene Gedanken wie „Ich kann das nicht, weil irgendjemand oder irgendetwas …“? Oft werden Blockaden und Misserfolge mit äußeren Faktoren begründet. Doch diese Gedanken oder sogar Einstellung ist unreif und selbstverhindernd. Denn äußere und innere Faktoren bewirken sich gegenseitig.

Der folgende Film symbolisiert mit dem Berg hohe Ziele und der Mondsichel das Reflektieren, in sich gehen und Verborgenes erkennen. Auch wenn der Mond zwischenzeitlich aus unserem Blick verschwindet, so ist er doch immer da. Mit Reflexion klären wir die Höhe und Weite unseres Tuns bereichern es mit Tiefe und Sinn.


Reflexion hilft in der Überfülle der Möglichkeiten sich zu erinnern, dass es bei zentralen Veränderungen in erster Linie nicht darum geht, was wir verstärken oder vermehren, sondern was wir reduzieren oder abschaffen. Effizient ist, wer in der Zusammenarbeit sich gegenseitig ermutigt Klarheit zu schaffen und unnötigen Ballast abzuwerfen. Leichtes Gepäck ermöglicht Agilität im Innen und Außen.

Im gemeinsamen Tun ist es erfolgsentscheidend, laufend blinde Flecken bewusst zu machen, Selbstverantwortung zu ermöglichen und entschlossen die Komfortzone zu verlassen. Dies eröffnet neue Perspektiven und sich kraftvoll Zukunftschancen hinzuwenden. Auch gemeinsam reflektierte und durchaus auch hohe Ziele zu setzen. Optimistisch zu sein und gleichzeitig damit zu rechnen, dass das Angestrebte eventuell nicht erreicht werden kann.

Außergewöhnliche Ziele, sei es für sich selbst oder die Organisation, brauchen eine innovative Einstellung und ansteckende, beflügelnde Aufbruchsstimmung. Schlussendlich ist etwas nicht Erreichtes ein kleinerer Verlust als eine vertane Chance. Noch ganze 11 Monate liegen in diesem frischen, chancenvollen Jahr vor uns. Auf geht’s mit weniger, für mehr Erfolg!

Christine Kranz im Web
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Filmnachweis: © shutterstock Wilderness Snow Mountain Peaks

Weitere Impulse zur Zielerreichung finden Sie im weekend magazin Interview ‚Erfolgreiches 2017 – Zielgerade‘ vom 20.1.17

9. Feb.

Mehrdimensionales Coaching mit Achtsamkeit und Wertfreiheit

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Sensibel, fragil und höchst leistungsfähig

Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Wie schaffen Coaches die verschiedenen Ebenen und Dimensionen zu beleuchten? Den Kunden gerecht zu werden, sie in ihrer mehrdimensionalen Welt abzuholen und zu begleiten?

Ich lade Sie zu einer Videoanimation (20 sec.) über die neuronale Aktivität des Hirns ein. Wenn Sie in den Vollbildmodus wechseln, erleben Sie die Hirnaktivitäten intensiver. Vielleicht möchten Sie beobachten, was der Film in Ihnen auslöst und versuchen, den Prozess und das Wesen des Hirns zu erfassen:

 

Was sind Ihre spontanen Gefühle und Gedanken?
Was braucht das Hirn für seine Regeneration und Entwicklung?
Was brauchen Sie für Ihre Weiterentwicklung?

Jedes Hirn ist ein vielschichtiges und komplexes Werk. Sensibel, fragil und hoch leistungsfähig. Wenn Coaching und Trainings auf verändertes Verhalten abzielen, wird der Mensch vordergründig und kurzfristig in seiner Herangehensweise gepuscht, jedoch innerlich in der Psyche durch Botschaften wie „ich bin nicht ok“, „ich muss die Erwartungen erfüllen“ oder „mit mir stimmt etwas nicht“ verunsichert. Interventionen, die mit Erfolgsdruck und Motivationsmodellen manipulieren und indirekt Ängste schüren, bringen Menschen immer mehr von dem, was sie sind, weg. In unserer Kultur wird schon jungen Menschen erklärt, dass sie im Sinne „höher, schneller, weiter …“ sein sollen und was von ihnen erwartet wird. So werden Menschen durch die Erfüllung von Erwartungen und künstliche Anpassung innerlich immer mehr verunsichert.

Das Ergebnis ist, dass zum Beispiel eine Führungskraft, die innerlich unsicher ist, kompensiert, indem sie machthungrig das Umfeld ausnützt und distanziert bleibt. Um innere Ängste nicht zu spüren und „zu überleben“ entscheidet und handelt sie für den eigenen Vorteil und kann so in eine destruktive Maßlosigkeit geraten. Genauso kann es sein, dass eine andere Führungskraft, die innere Unsicherheit, durch eine überkritische Haltung kompensiert. Im Wunsch Gutes zu tun und „die Welt retten zu wollen“ kann auch sie egozentrisch und unnahbar wirken. Die Kompensationsmöglich-keiten sind vielschichtig und unterschiedlich. Für alle gilt: Je stärker ein Mensch unbewusst und auf Kosten anderer kompensiert, je schwächer ist seine innere Persönlichkeitsentwicklung.

Coaches brauchen psychologische Kenntnisse und Erfahrungen, um die vielfältigen Kompensa-tionen zu erkennen. Mit einer sensiblen und empathischen Begleitung können sie Kunden höchst wirksam in ihre inneren Ebenen führen. Dazu müssen sie mit den Kunden ohne Erwartungen und Wertungen die versteckten Unsicherheiten und Muster beleuchten. Die Kunden werden durch den eigenen Reflexionszugang und neue Erfahrungen gestärkt. Die persönliche Geschichte mit allen Ereignissen ist im Hirn abgespeichert und ermöglicht in integrierter Form Potenziale frei zu setzten. Wenn es gelingt, wesentliche und tiefe Selbsterkenntnisse zu erlangen, geschieht wie von selbst ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Damit Coaches dem mehrdimensionalen Menschen gerecht werden können, ist die eigene Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Neben hoher Fachkompetenz brauchen sie Reflexionskompetenz, Achtsamkeit und Hingabe. In Coaching-Prozessen, welche mit Wertfreiheit geführt werden, entwickeln sich Menschen wirksam aus sich heraus weiter. Verdrängte oder unbewusste Unsicherheiten, die sich im Hirn als destruktive Muster „Fehlschaltungen und Blockaden“ manifestiert haben, können sich lösen und wandeln. Wird der Fluss in der menschlichen Schaltzentrale hergestellt, wird auch der Lebensfluss mit allen Funktionen und Zugängen befreit. Coaching mit Empathie und Tiefe öffnet den Menschen für echte Selbstreflexion, welche seine individuelle innere Ordnung herstellt und seine Mehrdimensionalität in Einklang bringt.

Weiterführende Informationen
Maintaining and promoting excellence in coaching – der Code of Ethics vom ICF
Reflexionskompetenz trainieren – der Symbolon-Lehrgang

Christine Kranz im Web
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Filmnachweis: © Shutterstock: Neuronal Activity

16. Jul.

Mit intuitivem Wissen Entscheidungen treffen

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Wie wir den Sommer als Reflexionsraum nützen können

Öfter passiert es den meisten von uns, dass wir im Nachhinein sagen „ich habe es gewusst“ oder „es war schon am Anfang klar“ und „hätte ich nur anders reagiert“. Der Naturforscher Alexander von Humboldt sagte um 1800 „Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus.“ Wie gelingt es uns, wichtige Zeichen zu sehen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen?

Entschleunigung bewirken
Wenn wir konstant mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, können wir Eindrücke und Erlebnisse nur partiell verarbeiten. Die Gefahr ist, dass wir uns immer schneller durch unser Arbeitsleben bewegen und zu Getriebenen werden. Wir verlieren dabei die Verbindung zu unserem inneren Zentrum und geben zu viel Kraft undifferenziert nach außen. Der Ausstieg aus dem rotierenden Gedanken- und Emotionskarussell scheint mehr und mehr unmöglich. Um die Dynamik zu stoppen, brauchen wir eine bewusste Entschleunigung. Dazu gehört, nicht sofort auf Impulse von außen zu reagieren und sich für Entscheidungen Zeit zu lassen. Schaffen wir es, von der schnellen Handlung mehr in die Beobachtungshaltung zu wechseln, eröffnet sich ein neuer Blick auf uns selbst und unser Umfeld.

Distanz schaffen
Der Sommerurlaub ist ideal, um bewusste und klärende Distanz zu schaffen. Wenn es uns gelingt aus den Prozessen des Arbeitsalltags auszusteigen, können gewohnte Abläufe und eigene Muster durchbrochen werden.

Im Kunstwerk von Claude Monet ist dargestellt, wie die Natur zwischen dem Dorf und unserer Position liegt. Dies könnte die Distanz zu unserem gewohnten Umfeld symbolisieren, z.B. zu den Kommunikationskanälen wie Telefon, Email, Web 2.0 Plattformen etc.. Unerreichbarkeit führt uns unmittelbar näher zu uns selbst. Dabei können wir uns sammeln und zentrieren, ohne funktionieren zu müssen. Wir schaffen eine innigere Beziehung zu dem, was uns bewegt und was unsere eigene Natur ausmacht. Wir haben die Wahl, den Sommer mit Ruhe und Gelassenheit oder wild und lebendig zu erleben. Vor allem bietet die Sommerzeit mit dem vermehrten Freiraum die Chance, spontan zu sein und den intuitiven Impulsen zu folgen. Meist entsteht fast wie von selbst Entschleunigung und Druckentlastung, die sich wohltuend und regenerierend auswirkt.

Reflexionsräume nützen
In der entstehenden Verlangsamung eröffnet sich ein Reflexionsraum, der uns ermöglicht, Beobachtungen zu verarbeiten und dazu gehörende Ahnungen zuzulassen. Oft ist Wesentliches nicht mit reiner Analyse zu erkennen. Intuitives Erfassen gibt die ungreifbaren Zwischenräume frei. Das können zum Beispiel Sätze sein, die nie ausgesprochen wurden, jedoch impliziert sind.

Nach dem genialen Physiker und Denker Albert Einstein ist „das eigentlich Wertvolle im Grunde die Intuition“. Unsere Intuition gibt uns durch irreale Wahrnehmung Impulse, dass etwas ist. Im Kunstwerk von Tamara de Lempicka bekommt die Frau ein zweites Gesicht, bei dem der Blick ins Nichts zu gehen scheint. Dem „vordergründig Unsichtbaren“ können wir uns mit der Intuition nähern. Die Ahnungen sind frei von dem, was wir schon wissen und unseren Wertungen. Intuition eröffnet uns neue Räume und erweitert unsere sensitive Wahrnehmung für Zukünftiges. Wenn wir uns selbst in unseren diffusen Gefühlen ernst nehmen, schärfen und entwickeln wir unsere Sensorik für die Außenwelt. Das Diffuse wird erfasst und kann im reflektiven Austausch mit anderen weiter konkretisiert werden. Die gewonnene Stärke durch den Zugang zur Intuition symbolisiert der klare ausgerichtete Blick der rechten Frau.

Entscheidungen treffen
Die Jahresmitte ist ideal um inne zu halten und das erste Halbjahr Revue passieren zu lassen. Was hat sich wie entwickelt? Waren von Anfang an die Zeichen stimmig? War es zu Beginn schwierig und ist es schwierig geblieben? Was sagt meine Intuition? Welche Korrekturen braucht es? Wo braucht es ein Beenden und Abschließen? Wo einen Neuanfang?
Wir können durch unsere Klarheit und den Mut zu korrigieren oder abzuschließen und neu zu beginnen uns und unser Umfeld stimmig ausrichten. Durch Konzentration auf das Wesentliche reifen wir in unserer Persönlichkeit und erreichen die höchst mögliche Lebens- und Arbeitsqualität.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis:
Bordighera, 1884, Claude Monet, The Art Institute of Chicago
The Young Ladies, 1927, Tamara de Lempicka, private collection

27. Jan.

Wie Schieles Werke psychologische Kompensationen aufzeigen

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Mit hohem Bewusstseinsgrad differenziert und authentisch führen

Im Zusammenhang mit Führung und Karriere werden psychische Krankheiten wie Depression, Ich-Schwäche, Persönlichkeitsstörung, Burnout-Syndrom und Narzissmus oft selbstverständlich verwendet. Entsprechend hat der Begriff der Resilienz kometenhaft an Prominenz gewonnen. Was schnell und oberflächlich thematisiert und schubladisiert wird, kann in keiner Weise den Betroffenen gerecht werden. Das Innenleben und die daraus resultierende Außenwirkung sind das Ergebnis einer langen unvergleichlichen Lebensreise. Die Summe aller Erlebnisse macht die Einzigartigkeit des Menschen aus. Mit all seinen unverarbeiteten Schwächen, gelebten Stärken und angelegten Potenzialen.

Um die inneren Potenziale freizulegen, bedarf es einer tiefgreifenden Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört die reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche. So selbstverständlich wie Körperpflege und -hygiene kultiviert werden, verlangt auch die Bearbeitung der psychischen Ebene nach differenzierter Aufmerksamkeit mit Fokus auf Selbstentwicklung. Wer die „Psychohygiene“ mit den darin enthaltenen Ängsten, Mustern und Schwächen vernachlässigt oder sogar negiert, riskiert mit der Zeit psychisch und körperlich instabil und krank zu werden.

Vor 100 Jahren stellte der österreichische Künstler Egon Schiele mit intensivster Ausdruckskraft psychologische Inhalte dar. Der folgende Exkurs mit zwei seiner Selbstportraits zeigt mit Hilfe von symbolischer Übersetzung und assoziativer Betrachtung tiefsinnige Themen und Entwicklungspotenziale auf. Dabei werden nicht Schieles Gedanken interpretiert sondern vielmehr auf die Symbolik und eigenen Empfindungen, welche das Dargestellte auslöst, geachtet. Lässt sich der Betrachter auf persönliche Assoziationen ein, gelingt es ihm innere Muster und Prozesse zu Tage zu fördern.

Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung

Dieses 1910 entstandene Selbstportrait symbolisiert durch die prägnante Formgebung und intensive Kolorierung des Kopfes, der Hand und des am unteren Bildrand angedeutet Beines die Ausprägung der intellektuell steuernden Fähigkeiten sowie der Handlungskraft und Fortbewegung. Die kantig geführten Linien, der starke Ausdruck des Gesichtes und die roten Augen stellen Unsicherheit genauso wie Dominanz dar. Schiele verzichtet gänzlich auf die Ausmalung des Gewandes. Dies assoziiert einen reduzierten Korpus oder eine schwebende Hülle die, im Gegensatz zu Kopf und Gliedmaßen, unfassbar wirkt.

Diese Leere steht sinnbildlich für Menschen, deren innere persönliche Bereiche der Gefühle, Bedürfnisse und Instinkte inhaltslos und unerfüllt bleibt. Sie haben durch die Identifizierung mit der Leistung und den Erfolgen im Außen den Kontakt nach Innen verloren. Meist sind diese Menschen abhängig von der Rückmeldung Anderer und funktionieren daher reaktiv und undifferenziert.

In der nach außen gerichteten Wirtschaftswelt der Superlative von mehr, schneller und grösser wird die Innenschau gänzlich an den Rand gedrängt. Die innere Stimme verstummt und Sinnfragen bleiben unbeantwortet. Die ursprüngliche Lebensquelle und -kraft versiegt. Die Psychologie bietet Wege nach Innen und gibt Antworten auf psychodynamische Prozesse, die im Menschen wirken und laufend von außen angestoßen werden. Denn alles, was einen Menschen bewegt, sei es in angenehmer oder unangenehmer Weise, hat mit ihm selbst zu tun. Mit einem niedrigen Bewusstseinsgrad wird das eigene Problem auf andere projiziert und das Konfliktpotenzial erhöht, was wiederum erschwert konstruktive Lösungen zu finden. So wird zum Beispiel auf kritisches Feedback mit Verteidigung reagiert. Mit einem hohen Bewusstseinsgrad gelingt es, die subjektive Kränkung zu reflektieren und zu verstehen, dass zum Beispiel der mangelnde Selbstwert zu dem Schmerz und der Abwehr führte. Die selbstverantwortliche Auseinandersetzung mit dem ausgelösten inneren Muster und dem darin enthaltenen Entwicklungspotenzial wird bearbeitet. Zum Beispiel kann daraus ein gesundes Ich-Bewusstsein erwachsen. Entsprechend wird das Ereignis mit allen Beteiligten objektiv bearbeitet und eine adäquate Weiterentwicklung und Gestaltung der Arbeitssituation bewirkt.

Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

Im diesem, 3 Jahr später entstandenen, Selbstportrait hebt Schiele mit der Gestik und Kolorierung in gegensätzlicher Weise, als im vorherigen Werk, symbolische Inhalte hervor. Das orangene Gewand steht für starke, persönliche Bezogenheit zur emotionalen, körperlichen und instinktiven Lebenskraft. Der sinnliche Gesichtsausdruck mit den geschlossenen Augen stellt die ganz nach Innen gerichtete Aufmerksamkeit dar. Durch die Stirnfalten erscheint die Innenschau keineswegs passiv sondern vielmehr ein Suchen und Ringen um tiefere essenzielle Erkenntnisse.

Richtet ein Mensch die selbstkritische Auseinandersetzung zu stark nach Innen mit zu wenig Distanz zum subjektiven Empfinden, kann dies auf die spontane Potenzialentfaltung hemmend wirken. Ständige Selbstzweifel und Hinterfragung absorbieren die Kraft, die für eine lebendige Gestaltung im Außen notwendig wäre.

Die ausbalancierte psychologische Auseinandersetzung mit sich selbst ist für Führungskräfte und Entscheidungsträger ein unschätzbarer Gewinn. Denn jeder hat seine Sonnenseiten und auch Schattenthemen, die sich bei Verdrängung destruktiv, verhindernd und kraftraubend auswirken. Auch wenn sehr schwierige Menschen relativ gut mit sich selbst klar kommen, so stellen sie meist für das Umfeld, speziell in ihrer Rolle als Vorgesetzte, eine unerträgliche Belastung dar. Sind sie zusätzlich von einer egoistischen Omnipotenz eingenommen, sind sie sich der Verantwortung und dem Schaden, den sie anrichten nicht bewusst. Wenn beim Einzelnen zu viele Belastungsfaktoren zusammen kommen, kompensiert die Psyche mit Gegenreaktionen oder bricht zusammen.

Die Entwicklung von inneren Prozessen sollte durch Coaches und Begleiter mit hoher psychologischer Kompetenz durchgeführt werden. Dabei spielt deren eigene Reflexionskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle. Denn nur wer selbst seine Tiefen erforscht und integriert hat, kann Andere sicher in ihrer tiefen Persönlichkeits- und Potenzialentwicklung begleiten. Der Weg nach Innen lohnt sich nicht nur für die Betroffenen. Auch die Unternehmen profitieren. Denn Führungskräfte und Entscheidungsträger bekommen durch die ernsthafte, individuelle Auseinandersetzung Stärkung und Unterstützung. Sie sind in ihrer Haltung und all ihren Handlungen klarer, entscheidungsstärker und authentischer. Unermesslich viele wertvolle Potenziale liegen auf den inneren Ebenen brach und warten darauf aktiviert und im Außen genutzt zu werden.

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis: Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung;  Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

8. Apr.

Kunstcoaching & Art4Reflection

Gepostet von

Wie ein Kunstwerk durch Reflexion Erkenntnisse zu Tage führt 

Von einem erfolgreichen Coaching erwarten sich Kunden einen Perspektivenwechsel und tiefgreifende Erkenntnisse. Die zum Teil verstellte Sicht auf Wesentliches soll frei werden. In kurzer Zeit soll möglichst klar sein, was im Bezug zu den aktuellen Herausforderungen, die persönlichen Entwicklungsschritte sind und wie der Umgang mit dem Umfeld gelingt.

1928, René Magritte

Ein Kunstwerk wie zum Beispiel dieses von René Magritte eignet sich ideal für eine Reflexion von Kommunikations-themen. Ihre Situation im Arbeitsprozess mit den spezifischen Herausforderungen wird mit dem Kunstwerk verbunden. Anhand von Fragen wie zum Beispiel „Was löst das Kunstwerk in Ihnen aus?“, werden Ihre Assoziationen abgefragt und damit die eigenen Befindlichkeiten beleuchtet. Auch vertiefende Fragen wie zum Beispiel „Wie erleben Sie dies in Ihrer Arbeitssituation?“, „Welche Kommunikationsmuster können Sie bei sich selbst und in Ihrem Umfeld erkennen?“ und „Was würde den Menschen hier im Kunstwerk helfen?“ eröffnen neue Sichtweisen. Dabei gibt es keine richtigen und falschen Antworten. Sie aktivieren Ihre inneren Bilder und erkennen die tiefere Bedeutung.

Die individuelle Führung des Coachingprozesses ist auf Selbstreflexion und Selbsterkenntnis ausgerichtet. Mit dem assoziativen Einlassen auf die Bilderwelt steigen fast wie von selbst Lösungsbilder auf, die es Ihnen leicht machen, konkrete Maßnahmen zu formulieren und anschließend umzusetzen. Die Einzigartigkeit der Kunstwerke macht tiefgreifende und berührende Erkenntnisprozesse möglich. Wertfrei halten Kunstwerke den Spiegel vor und unterstützen Mustererkennung und -wandlung.

Mehr zur Wirkungsweise von Kunstwerken in Reflexionsprozessen erfahren Sie im Blogartikel
„Wie Kunst zur Selbsterkenntnis beiträgt“.

 

Art4Reflection_workshop

Veranstaltungsreihe Art4Reflection @lunchtime

Art4Reflection @lunchtime verwandelt Ihre Mittagspause in einen Coachingraum. Raum um an- und innezuhalten und Ihre Themen zu reflektieren. Es werden Museums-Veranstaltungen in Vaduz, Bern, Zürich, Wien, Berlin, München, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Stuttgart und London angeboten.
Detailinformationen finden Sie auf www.symbolon.com/lunchtime

Christine Kranz im Web
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Bildnachweis: Die Erfindung des Lebens, 1928, René Magritte, Privatsammlung, Brüssel; Veranstaltung Art4Reflection Alte Nationalgalerie in Berlin, 2013, (c) Symbolon AG

4. Mrz.

Die gläserne Decke durchbrechen

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Viele Wege führen nach Rom … an die Spitze auch! 

Zugegeben, was folgt ist etwas stereotyp, doch es ist manchmal einfacher, das Wesentliche anhand einer Karikatur als im Original zu erkennen. Mittlerweile haben es doch einige Frauen in Wirtschaft und Politik an die Spitze geschafft – nicht alle dieser Damen befürworten übrigens die Quote – und so lassen sich langsam auch gewisse Muster erkennen, wie sich die „glass ceiling“, die ganz offensichtlich nicht für alle gilt, allenfalls doch durchbrechen lässt. Lassen Sie uns dazu einige Karrieremodelle aufzeigen, die sich durchaus kopieren lassen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn wenn Ihr Weg so klar und deutlich vor Ihnen liegt, dann ist es wahrscheinlich nicht Ihr Weg, denn diesen müssen Sie sich erst bahnen.

Karrierefrau

Unser persönlicher, einzigartiger Weg entsteht nämlich erst in dem wir ihn gehen, und ist so nicht vorgezeichnet. Somit sind alle Wege, die es schon gibt, Wege, die andere Frauen und Männer gegangen sind, und damit höchstens Muster, nicht aber Autobahnen für Karrieren. Fangen wir mit dem gefürchtetsten aller Karrieremodelle an, dem das viele der arrivierten Managerinnen für sich in Anspruch nehmen, …


Modell „Hochleisterin“
Chapeau! – Sie geben einfach alles und machen es sich nicht einfach. Alles 100 %-ig zu machen ist aus Ihrer Sicht nur etwas für Weicheier – Sie selber geben mindestens 200 %, und zwar immer. Schon in der Schule haben Sie neben Ihren Topnoten noch Klavier-, Tennis-, Frühenglisch-, Reit- und Ballettstunden besucht und waren möglicherweise in den Hochbegabtenklassen zu finden. Sie lassen denn auch kein Diplom aus und achten sorgfältig darauf, dass Sie immer und überall gefordert werden. Überstunden gehören zum Tagesprogramm, klagen tun Sie erst bei über 40 Extrastunden (pro Woche, nicht pro Monat!). Da Sie das Meiste eh besser können als Ihre Mitbewerberinnen und Konkurrenten und erst noch jede Menge Extrameilen gehen ohne zu murren und zu knurren, kann fast niemand mithalten. So räumen Sie Preise genau so ab wie Beförderungen und kommen weiter – immer weiter, bis zum Zusammenbruch, aber der könnte ja auch erst nach der Pensionierung stattfinden. Für die ganz Starken liegt auch noch Mutterschaft drin, so lässt sich auf einer zweiten Dimension noch etwas mehr Herausforderung – natürlich ebenfalls im Hochleistungsbereich – zuschalten.

Vorteil: Sie holen alles aus sich heraus
Nachteil: Menschen wie Sie sind gute Kunden von Burn-out Coaches
Sum up: Seien Sie ab und zu etwas nett zu sich selber!

Modell „Häschen“
So hart zu arbeiten ist nicht für Alle! Zum Glück gibt es Alternativen: Sie fangen als Sekretärin oder Kindermädchen an. Aufgrund der starken Sympathie Ihres Vorgesetzten oder Arbeitgebers, die manchmal zugegebenermassen nicht ganz jugendfrei ist, werden Sie schon bald bevorzugt behandelt und im Idealfall auch befördert. Vielleicht haben Sie auch die Fähigkeit, die Anforderungen in der neuen Position zu bewältigen und schaffen es vielleicht sogar noch ein bis zwei Stufen höher. Ihr Beschützer und Förderer, der lieber Mentor genannt wird, sorgt dafür, dass Sie nicht gleich wieder von den erklommenen Stufen – mindestens so lange die Sympathie anhält – verdrängt werden durch MitbewerberInnen, die sich für geeigneter halten. Im Idealfall werden Sie geheiratet und in Ausnahmefällen sogar Königin von England. Geniessen Sie’s, wenn es natürlicherweise passiert! Falls es Strategie sein sollte, gibt es dafür auch noch andere Bezeichnungen.

Vorteil: Sie schaffen Karriereschritte, von denen Andere nur träumen können.
Nachteil: Sie bekommen dadurch viele NeiderInnen
Sum up: Spätestens ab 40 sollten Sie dieses Modell mit einem anderen ersetzen

Modell „Erbin“
Ob vom Vater oder vom verstorbenen Ehegatten ist egal: Hauptsache, Sie erben eine Firma, je grösser, desto besser. So sind Sie, ohne sich auf mühsame Weise qualifizieren zu müssen – wobei eine gute Ausbildung und etwas Erfahrung keinesfalls schaden, – CEO. Als Erbin können Sie auch nicht verdrängt werden: den Posten haben Sie aufgrund der Familienzugehörigkeit bis zum gewählten Pensionsalter oder bis zum Tod auf sicher. Stellen Sie aber auch sicher, dass Sie neben den vielen erbschleichenden Anwärtern und lächelnden Jasager-Schmeichlern doch noch ein paar solide, unbestechliche, geradlinige Berater und Manager finden, die Sie dabei unterstützen, das Unternehmen länger zu halten als die Tausender im Casino dies tun. Sinnvoll ist bei diesem Modell für Nachwuchs zu sorgen und den wiederum gut auszubilden, so dass auch die Karriere Ihrer Tochter gesichert ist. Sollten Sie mehrere Töchter und Söhne haben lohnt es sich, dieses Modell mit einem oder mehreren anderen zu kombinieren, um aus der geerbten Firma ein Imperium zu machen, das mehrere Erbinnen und Erben in Würde ernährt.

Vorteil: Ist ziemlich offensichtlich
Nachteil: keiner, es sei denn, Sie heiraten den falschen Partner
Sum up: Sie haben einfach echt Schwein gehabt

Modell „Kumpel“
Falls keines dieser Modelle Ihr Fall sein sollte, dann gibt es zum Glück noch andere Optionen. Beispielsweise hier nicht „der“, sondern „die“ Kumpel. Als Kind haben Sie Fussball gespielt und sind mit Jungs rumgehangen. Sie sind der sportliche Typ und können nicht allzu viel anfangen mit Mode, Schminke, eleganter Wäsche und andern Tussi-Utensilien. Sie fürchten auch keine Trink-Konteste, denn Sie vertragen ziemlich viel – auch Härteres – und scheuen selbst vor Zigarren nicht zurück. Warum Sie so Karriere machen sollten? Ganz einfach: Die Männer merken möglicherweise nicht, dass Sie eine Frau sind und befördern Sie ganz aus Versehen mit, denn wer schon einen Jagdschein hat, fliegt, segelt oder schnelle Autos fährt und so nebenbei den Fotokopierer repariert, kann man doch nicht einfach zurücklassen….

Vorteil: Die Männer nehmen Sie für ziemlich ebenbürtig und behandeln Sie auch so
Nachteil: könnte Ihnen von den Anonymen Alkoholikern aufgezeigt werden
Sum up: Wenn’s Spass macht, warum nicht?!

Modell „Nabel der Welt“
Sie sind einfach unentbehrlich! – Wo immer Not an Frau ist, sind Sie zuvorderst. Wird ein Freiwilliger gesucht, dann melden Sie sich zuerst. Sie helfen jedem, jeder und immer. So lernen Sie zwar viel, werden ab und zu auch ausgenutzt, sind immer dabei und kriegen eine Unmenge an Zuwendung und Wertschätzung. Meistens haben Sie die Dinge bereits erledigt, bevor jemand nachfragt, denn Sie sind äusserst wahrnehmungsfähig und intuitiv. Nichts ist Ihnen zuviel, wenn es Ihnen nur Anerkennung bringt und/oder jemandem das Leben erleichtert. Wer wollte denn schon auf Jemanden wie Sie verzichten! Früher oder später fällt es sogar der Personalabteilung auf, dass Sie eine gesuchte und geschätzte Frau sind im Unternehmen, und so kann es durchaus sein, dass Sie bis knapp unter die Spitze befördert werden.

Vorteil: Sie werden nun wirklich von Allen geschätzt!
Nachteil: Sie könnten verbittern, falls sich die Strategie nicht auszahlt
Sum up: Suchen Sie einen ganz tollen, fähigen und starken Chef, der Sie eine Karriere lang mitzieht

Modell „Self Made Woman“
Ganz zielstrebig gehen Sie voran. Sie wissen, was Sie wollen und Sie wissen, wie Sie’s erreichen können. Schon früh planen Sie Ihren Weg und setzen ihn Schritt um Schritt um. Sie leisten viel, aber nicht verbissen. Sie schauen weder nach links noch rechts, denn Sie wissen, dass die Starke am stärksten allein ist. So verlassen Sie sich weder auf Andere, noch auf Systeme. Sie bezahlen Ihr eigenes Handy, auch wenn Ihnen die Firma eines zur Verfügung stellen würde, und Sie fahren Ihren eigenen Wagen, auch wenn Sie über die Firma einen leasen könnten. Sie haben in der Schule nie abgeschrieben und Sie haben selten bis nie jemanden um einen Gefallen gebeten. Sie tragen Ihre schweren Koffern selber und lassen sich weder von Männern noch von Frauen in den Mantel helfen. Auch Ihre Türen öffnen Sie selber und Sie können sogar selber Schneeketten montieren, wenn es sein muss. Sie haben einen starken Gerechtigkeitssinn und legen Wert darauf, nur aufgrund Ihrer Leistung anerkannt zu werden und nicht aufgrund irgendwelcher intransparenter Faktoren. Das setzen Sie auch für Andere voraus.

Vorteil: Sie würden sogar das Paris-Dakar Rally single-handed überstehen
Nachteil: Zum Danke-Sagen und zum Loben brauchen Sie einen 3-wöchigen Kurs
Sum up: Seien Sie sich bewusst, dass – auch wenn Sie’s nicht gemerkt haben – ganz viele Leute Sie in Ihrer Karriere unterstützt und für Sie das Trittbrett gehalten haben

Ein Artikel, der kürzlich in der Harvard Business Review erschienen ist, macht zwei Dimensionen für eine nachhaltige Karriere verantwortlich: Kompetenz und Altruismus. So behaupten die Autoren, dass nur wer fähig ist, es schafft, nachhaltig Karriere zu machen, und nur wer sich auch um das Wohl Anderer kümmert es gelingt, genügend gute Beziehungen zu bauen und zu halten, die es erst ermöglichen, nachhaltig Wert zu schaffen (was für eine Karriere vorausgesetzt wird). So wird, wer gleichermassen fähig und altruistisch ist, mit Recht bewundert, fähige Egoisten jedoch beneidet (und im Extremfall sabotiert), unfähige Altruisten bemitleidet und unfähige Egoisten verachtet. Was immer also Ihr bevorzugtes Karrieremodell sein sollte – schalten Sie andere Modelle dazu, denn keines funktioniert im Alleingang so richtig gut. Achten Sie dabei auf Kompetenz und auf das Wohl Ihres Umfelds in allem, was Sie tun.

Christina Kuenzle im Web
christina.kuenzle@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
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Bildnachweis: © Shutterstock

Dieser Artikel ist im Businessmagazin Ladies Drive erschienen.

4. Feb.

Die Selbstfindung der Generation Y

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Was Nachwuchskräfte von einer Karriereberatung erwarten 

War vor 10 Jahren eine Karriereberatung, die stark an der Passung von Fähigkeiten und Berufs- und Stellenanforderungen ausgerichtet ist, noch hilfreich, führt dieser Beratungsansatz heute zu wenig befriedigenden Lösungen. Die eingeschränkte Sichtweise wird weder der heutigen Generation Y der jungen Erwachsenen noch den Herausforderungen unserer dynamischen Lebens- und Arbeitssituation gerecht.

Die grundlegenden beruflichen Fragen junger Menschen,  haben sich nicht verändert, aber ihre Ansprüche sind gestiegen. Nicht nur die Individualisierung unserer Gesellschaft zeigt sich in der Generation Y auf markante Weise, sondern auch die hohen Erwartungen und das Selbstverständnis, mit der diese kommuniziert werden.

shutterstock_143213950Diese Generation findet sich in einer globalen und komplexen, instabilen und wenig Orientierung bietenden Welt NICHT wieder. Sie wird von den Spannungen zwischen den Erfordernissen des Arbeitsmarktes und den eigenen Bedürfnissen hin und her gerissen. Wer aufgrund seiner persönlichen Lebensgeschichte nicht genügend innere Stabilität und Grundvertrauen in das Leben aufgebaut hat, muss doppelt kompensieren. Aufgewachsen im äußeren Überfluss, haben sie bisher oft wenig innere Fülle entwickeln können. Aus diesem Ungleichgewicht heraus verspürt diese Generation mehr als jene davor den Wunsch nach Freude und Sinn in ihrem Tun. Die Suche nach einer erfüllenden Tätigkeit und einem Unternehmen, das sie in ihrem Wert anerkennt und die nicht unerheblichen materiellen Bedürfnisse befriedigt, ist schwierig.

Diese Generation will Abwechslung und braucht Sicherheit. Sie brauchen Bewegungsspielraum und Entwicklungsmöglichkeiten und auch eine gewisse Kontinuität und Planbarkeit. Sie sind nicht die globalen digitalen Nomaden, die sich die Unternehmen wünschen. Die Digital Natives sind flexibel, sie möchten Freiheit im Denken und immer wieder Neues, aber nicht unbedingt das Abenteuer im Beruf. Sie verschreiben sich keinem Unternehmen, wollen aber doch ankommen und angenommen werden.

Dabei pendeln sie zwischen Optimismus und Pessimismus gleichermaßen. Hier eine förderliche Balance zu halten, ist eine herausfordernde Aufgabe für das Selbst, und ein wesentliches Thema in der Beratung. Öfters als in früheren Jahren wird die Tendenz sichtbar, sich innerlich zu distanzieren. Verständlich, denn mit etwas Abstand scheint das Leben einfacher zu sein. Aber damit geht auch der Kontakt mit sich selbst verloren. Wenn in der Beratung der Blick auf die eigenen Ressourcen und Bedürfnisse gelenkt wird, kann ein erfüllender Beruf aus innerer Stärke heraus «erkannt» werden. Und dann ist es auch leichter, die teils übertriebenen Forderungen an das Umfeld zurückzunehmen.

Viele junge Erwachsene beeindrucken bereits mit Mitte 20 durch ihr reflektiertes und realistisches Selbstbild und ihre selbstverantwortliche Herangehensweise. Diese Menschen wollen lernen, sich weiter entwickeln, und in einer Art und Weise gefördert und geführt werden, die ihrer Individualität entspricht. In der Beratung wollen Sie zum Beispiel ein differenziertes Feedback. Sie suchen keine schnellen Antworten. Diesen Umgang erwarten Sie auch von ihren Führungskräften und ihrem Arbeitsumfeld. Sie wollen in ihren individuellen Bedürfnissen erkannt und von Menschen geführt werden, die ihren Worten auch Taten folgen lassen.

Sie stellen den berechtigten Anspruch an die 68er und die Baby-Boomer Generation, dass der Inhalt auch dessen Beschreibung entspricht. Sie fordern uns im Positiven heraus, und doch können viele Unternehmen diesem Anspruch nicht gerecht werden. Sie sind zu sehr in den eigenen Anforderungen und Erwartungshaltungen an die jungen Mitarbeitenden gefangen. Genauso wie jene jungen Menschen, die ihre Begehrlichkeiten selbstbewusst einfordern, und weiterhin «gut versorgt» werden möchten. Nicht innerer Reichtum sondern Leere, die gefüllt werden möchte, steuert die Suche – und diese führt oft auf falsche Wege.

Diese Generation ist widersprüchlich und voller Forderungen, und das auf eine sehr heterogene Art und Weise. Die Themen, die in einer Karriereberatung im Vordergrund stehen, sind von diesen widersprüchlichen Strebungen getragen. Wie findet die Person Sicherheit und Halt in sich, und braucht diese daher weniger im Arbeitsumfeld suchen und wo muss sie äußere Erwartungen an sich zurückweisen und den eigenen Vorstellungen folgen? Nicht mehr die Passung zwischen Innen und Außen ist der entscheidende Faktor, sondern deren Balance.

Um dieser Widersprüchlichkeit und Heterogenität der Generation Y gerecht zu werden, sind auch Führungskräfte aufgefordert, nicht in gewohnten Prinzipien und Führungsmustern zu verharren, sondern sich auf ihre jungen Mitarbeiter/innen einzulassen und sie individuell zu leiten und zu fördern.

Linda Baumgartner im Web
linda.baumgartner@symbolon.com
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