Monatsarchive: Februar 2014

4. Feb.

Die Selbstfindung der Generation Y

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Was Nachwuchskräfte von einer Karriereberatung erwarten 

War vor 10 Jahren eine Karriereberatung, die stark an der Passung von Fähigkeiten und Berufs- und Stellenanforderungen ausgerichtet ist, noch hilfreich, führt dieser Beratungsansatz heute zu wenig befriedigenden Lösungen. Die eingeschränkte Sichtweise wird weder der heutigen Generation Y der jungen Erwachsenen noch den Herausforderungen unserer dynamischen Lebens- und Arbeitssituation gerecht.

Die grundlegenden beruflichen Fragen junger Menschen,  haben sich nicht verändert, aber ihre Ansprüche sind gestiegen. Nicht nur die Individualisierung unserer Gesellschaft zeigt sich in der Generation Y auf markante Weise, sondern auch die hohen Erwartungen und das Selbstverständnis, mit der diese kommuniziert werden.

shutterstock_143213950Diese Generation findet sich in einer globalen und komplexen, instabilen und wenig Orientierung bietenden Welt NICHT wieder. Sie wird von den Spannungen zwischen den Erfordernissen des Arbeitsmarktes und den eigenen Bedürfnissen hin und her gerissen. Wer aufgrund seiner persönlichen Lebensgeschichte nicht genügend innere Stabilität und Grundvertrauen in das Leben aufgebaut hat, muss doppelt kompensieren. Aufgewachsen im äußeren Überfluss, haben sie bisher oft wenig innere Fülle entwickeln können. Aus diesem Ungleichgewicht heraus verspürt diese Generation mehr als jene davor den Wunsch nach Freude und Sinn in ihrem Tun. Die Suche nach einer erfüllenden Tätigkeit und einem Unternehmen, das sie in ihrem Wert anerkennt und die nicht unerheblichen materiellen Bedürfnisse befriedigt, ist schwierig.

Diese Generation will Abwechslung und braucht Sicherheit. Sie brauchen Bewegungsspielraum und Entwicklungsmöglichkeiten und auch eine gewisse Kontinuität und Planbarkeit. Sie sind nicht die globalen digitalen Nomaden, die sich die Unternehmen wünschen. Die Digital Natives sind flexibel, sie möchten Freiheit im Denken und immer wieder Neues, aber nicht unbedingt das Abenteuer im Beruf. Sie verschreiben sich keinem Unternehmen, wollen aber doch ankommen und angenommen werden.

Dabei pendeln sie zwischen Optimismus und Pessimismus gleichermaßen. Hier eine förderliche Balance zu halten, ist eine herausfordernde Aufgabe für das Selbst, und ein wesentliches Thema in der Beratung. Öfters als in früheren Jahren wird die Tendenz sichtbar, sich innerlich zu distanzieren. Verständlich, denn mit etwas Abstand scheint das Leben einfacher zu sein. Aber damit geht auch der Kontakt mit sich selbst verloren. Wenn in der Beratung der Blick auf die eigenen Ressourcen und Bedürfnisse gelenkt wird, kann ein erfüllender Beruf aus innerer Stärke heraus «erkannt» werden. Und dann ist es auch leichter, die teils übertriebenen Forderungen an das Umfeld zurückzunehmen.

Viele junge Erwachsene beeindrucken bereits mit Mitte 20 durch ihr reflektiertes und realistisches Selbstbild und ihre selbstverantwortliche Herangehensweise. Diese Menschen wollen lernen, sich weiter entwickeln, und in einer Art und Weise gefördert und geführt werden, die ihrer Individualität entspricht. In der Beratung wollen Sie zum Beispiel ein differenziertes Feedback. Sie suchen keine schnellen Antworten. Diesen Umgang erwarten Sie auch von ihren Führungskräften und ihrem Arbeitsumfeld. Sie wollen in ihren individuellen Bedürfnissen erkannt und von Menschen geführt werden, die ihren Worten auch Taten folgen lassen.

Sie stellen den berechtigten Anspruch an die 68er und die Baby-Boomer Generation, dass der Inhalt auch dessen Beschreibung entspricht. Sie fordern uns im Positiven heraus, und doch können viele Unternehmen diesem Anspruch nicht gerecht werden. Sie sind zu sehr in den eigenen Anforderungen und Erwartungshaltungen an die jungen Mitarbeitenden gefangen. Genauso wie jene jungen Menschen, die ihre Begehrlichkeiten selbstbewusst einfordern, und weiterhin «gut versorgt» werden möchten. Nicht innerer Reichtum sondern Leere, die gefüllt werden möchte, steuert die Suche – und diese führt oft auf falsche Wege.

Diese Generation ist widersprüchlich und voller Forderungen, und das auf eine sehr heterogene Art und Weise. Die Themen, die in einer Karriereberatung im Vordergrund stehen, sind von diesen widersprüchlichen Strebungen getragen. Wie findet die Person Sicherheit und Halt in sich, und braucht diese daher weniger im Arbeitsumfeld suchen und wo muss sie äußere Erwartungen an sich zurückweisen und den eigenen Vorstellungen folgen? Nicht mehr die Passung zwischen Innen und Außen ist der entscheidende Faktor, sondern deren Balance.

Um dieser Widersprüchlichkeit und Heterogenität der Generation Y gerecht zu werden, sind auch Führungskräfte aufgefordert, nicht in gewohnten Prinzipien und Führungsmustern zu verharren, sondern sich auf ihre jungen Mitarbeiter/innen einzulassen und sie individuell zu leiten und zu fördern.

Linda Baumgartner im Web
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