25. Nov.

Reine Analyse übersieht Wesentliches – Reflexion geht tiefer!

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Die Zeit ist reif, dass die Wirtschaft Reflexionsprozesse versteht und nützt.


Die Wirtschaft und Weiterbildungssysteme beschäftigen sich immer mehr mit Reflexion und Selbstreflexion. Meist wird jedoch nicht verstanden, wie wirksame Reflexion vor sich geht und welchen unternehmerischen Nutzen sie hat. Nur wenige wissen, was genau der Unterschied
zur Analyse ist. Die Zeit ist reif, den Gewinn eines Reflexionsprozesses zu erläutern und in der Differenzierung zu Analyseprozessen Klarheit zu schaffen. Denn nur so kann die Reflexionskompetenz gezielt gemessen, entwickelt, angewendet und genützt werden.

Die Analyse ist ein aktiver Denk-Prozess, in dem Sie Zahlen, Fakten, Ereignisse, … verbinden,
sie in einen Kontext stellen, Ergebnisse ableiten und Schlüsse daraus ziehen. Sie verwenden fast ausschließlich Ihren intellektuellen faktenbezogenen Zugang zur Welt.

Die Reflexion ist ein passiver Nachspür-Prozess, in dem Sie Eindrücke, Ahnungen, Stimmungen, … wahrnehmen, Sie sich ihnen annähern, sie erfassen und Erkenntnisse erlangen. Sie verwenden fast ausschließlich Ihren intuitiven gefühlsbezogenen Zugang zur Welt.

Für die Analyse bleiben Sie persönlich an der Oberfläche, im Außen, in Distanz, bei den Aspekten die mess- und sichtbar sind. Der Analyseprozess selbst ist schnell und umfangreich.

Für die Reflexion gehen Sie persönlich unter die Oberfläche, nach Innen, in Kontakt, zu den Aspekten, die nicht greifbar und unsichtbar sind. Der Reflexionsprozess selbst ist verlangsamt und durchdringend.

Die Unterschiede zwischen Reflexions- und Analyseprozessen können Sie anhand des Kunstwerks von Claude Monet nachvollziehen. Sie stellen sich vor, dass Sie im Bild sind und die Landschaft von der Brücke aus betrachten und analysieren, was Sie alles an Pflanzen und Tieren sehen. Wenn Sie an das Ufer treten und in die Tiefe des Wassers schauen, sehen Sie nur verschwommen, was sich darin befindet. Einem Reflexionsprozess entspricht, wenn Sie sich Zeit nehmen und genauer schauen. Nach und nach können Sie klarer erkennen, was sich unter der Wasseroberfläche abspielt.

Wollen Sie diese Visualisierung vertiefen, dann können Sie die Anleitung dazu herunterladen: „Das Einlassen auf Reflexionsprozesse“, Seite 100-101. Das PDF ist eine Leseprobe aus meinem Praxisbuch „Durch Selbstreflexion zum Erfolg“.

Für Ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig, dass Sie den Unterschied zwischen Selbstanalyse und Selbstreflexion kennen. In der Selbstanalyse denken Sie über sich nach, ohne mit sich in eine innere Beziehung treten zu müssen. In der Selbstreflexion tauchen Sie ein in Ihre inneren Persönlichkeitsebenen. Dort finden Sie Ihre Stärken und Schwächen und gleichzeitig Ihre Bedürfnisse und Antreiber. Sie begegnen sich echt, ohne sich mit einer Verhaltenssteuerung künstlich zu verändern. Aus Verständnis wird Erkenntnis – aus Wissen wird Gewissheit.

Zum Beispiel hat eine Führungskraft durch eine Selbstanalyse festgestellt, dass sie Mühe hat sich einzuordnen und anzupassen. Dieses Wissen war für sie als solches nicht neu. Trotz Bemühungen schaffte sie es nicht, die Spannungen, die sie dadurch in ihrem Arbeitsumfeld erzeugte, zu beheben.

Durch die Selbstreflexion konnte sie erkennen, dass sie ein grundsätzliches Problem mit Nähe und Distanz hat und dass, sobald ihr Entscheidungsfreiraum eingeschränkt wird, sich in ihr unüberwindbare Widerstände aufbauen. Sie erkannte, dass sie um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, eine klarere Abgrenzung des eigenen Verantwortungsbereichs braucht und dass sie, wann immer angebracht, ihr inneres „Nein“ kommunizieren muss. So kann sie Spannungen und Widerständen, die sich bei ihr und Anderen aufbauen würden, vorbeugen. Die Führungskraft bekam Klarheit, welche Vorschläge sie dem Vorgesetzten machen wird, um die Arbeitssituation so zu verändern, dass sie ihr optimale Bedingungen bietet. Sie nahm ihre Situation mit Selbstverantwortung und unter Berücksichtigung ihrer eigenen Stärken und damit verbunden Schwächen in die Hand. Ein Entschluss zum Change, der von ihrer inneren Persönlichkeit heraus mit Gewissheit getragen und lösungsorientiert umgesetzt wurde.

Wenn Sie Ihre Kompetenz zur Selbstreflexion entwickelt haben, werden Sie in Ihren Erkenntnissen immer klarer und sicherer. Erweitern Sie Ihre Kompetenzen, indem Sie sich als Führungskraft, Entscheidungsträger oder Fachkraft Ihren Zugang zur Selbstreflexion erschließen. Ihr Leben wird in vielerlei Hinsicht für Sie und Ihr gesamtes Umfeld erfüllter und erfolgreicher.

Christine Kranz im Web
christine.kranz@symbolon.comwww.symbolon.com
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Bildnachweis: Pen and calculator on paper, Evlakhov Valerity, shutterstock; Le Bassin aux nymphéas, harmonie verte, 1899, Claude Monet (1840-1926), Musée d’Orsay, Paris

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1 Kommentare

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