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14. Aug.

Ist geben seliger als nehmen?

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Bevor Millionen gespendet werden, werden auch Millionen „verdient“

Immer mehr vermögende Männer und Frauen haben das „Zurückgeben“ entdeckt. Sie gönnen, sponsern, spenden, schenken und unterstützen. Von hungernden Kindern in Afrika über kranke Menschen in Indien bis zu Bären, Delphinen und Wäldern. Betrachten wir dieses Phänomen etwas genauer, dann fragen wir uns: wem genau hilft denn diese grosse Freizügigkeit? Macht es Sinn oder fördert es Unabhängigkeit? Fühlt sich der Spender oder der Beschenkte besser nach der Aktion? Was sind die langfristigen Konsequenzen?

Geschenke mit und ohne Ketten
Warum gibt es so viele Ausdrücke für das Weggeben von (meistens) Geld oder Zeit? Wahrscheinlich, weil der Vater des Gedankens sehr unterschiedlich sein kann. Betrachten wir die Geschenke etwas genauer, dann sind sie oft nicht ganz so altruistisch, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte….. Schenkt zum Beispiel Steve Jobs den Primarschulen Work Stations, dann ist das ein genialer Schachzug, denn die Kids lernen auf Mac’s arbeiten und was denn kaufen sie, wenn Sie ihre ersten eigenen Labtops anschaffen? Warum würde ein bekannter Politiker Ferienlager sponsern? Und warum heisst ein Spital „Dorothea Muster Klinik“? Anderseits gibt es die anonymen Spender, die nicht genannt sein wollen und einfach im Hintergrund Gutes tun, da wo sie denken, dass es Sinn macht.

Wir unterscheiden also Geschenke, die selbstlos sind und solche, die sich durchaus „lohnen“ für den Schenkenden, denn sonst würden die Stiftungen nicht aus dem Boden schiessen wie die Pilze im Herbst und sie würden auch nicht die Namen der Stiftungsgeber tragen. Doch sind Geschenke mit Rückwirkung nicht immer noch besser als keine Geschenke?

Wie so viele Trends kommt auch dieser aus den USA und das nicht von ungefähr, denn das Sozialsystem ist in den USA weit weniger gut ausgebaut als bei uns. So ist die tertiäre Ausbildung der Kinder für eine Familie eine grosse bis untragbare Belastung – Universitäten kosten bis zu 50’000 US$ pro Jahr – und Spendenbeiträge der Alumni helfen, Stipendiate zu vergeben und Investitionen zu tätigen, um die finanzielle Belastung für „Sub-Reiche“ zu erleichtern. Der Staat sieht sich für weniger zuständig als in den sozialistischeren Staaten und so kommen Parks, Zoos, Krippen und kulturelle Institutionen oft nur zustande, weil ein potenter Geldgeber dafür zu gewinnen war. Diese werden auch entsprechend gefeiert und verehrt, was ein ziemlich gutes Gefühl gibt. Natürlich haben geschäftstüchtige Institutionen auch in unserem Lande herausgefunden, dass da viel Geld zu holen ist, und so hat sich das „Fundraising“ zu einem neuen Geschäftsbereich entwickelt. Damit wird nicht zuletzt auch an den Narzismus der Wohltäter appelliert und deren Ego gestärkt. Auch in der Schweiz gilt natürlich, dass teure Institutionen, vor allem kultureller Art, die durch ihren hohen Anspruch an Bildung und Exklusivität nicht einfach so auf die Steuerzahler überwälzt werden können, von den mehr oder weniger anonymen Donatoren „leben“. Gedankt sei’s ihnen an dieser Stelle, denn darunter sind viele, von denen man weder den Namen, noch die Höhe ihrer Beiträge kennt. Ohne sie wären wir um einiges ärmer.

Trotzdem bleibt manchmal ein etwas schales Gefühl, denn bevor Millionen gespendet werden, werden auch Millionen „verdient“. Das grosse Lohngefälle, dass auch in der Schweiz herrscht, bringt Ungerechtigkeit mit sich und viel von der Armut, mit der wir als Volk leben, wäre vermeidbar, wenn wir hier eine ausgeglichenere Rechnung hätten.  Initiativen, die vom tiefsten zum höchsten Gehalt einen Faktor 12 vorsehen, sind in der heutigen Zeit etwas extrem, aber so falsch nicht. Ursprünglich war ein Richtwert in Gehaltsmodellen der Faktor 20, d.h. wenn der/die schlechtest bezahlte Mitarbeitende Fr. 1’000.- verdient, dann verdient der/die Bestverdienende Fr. 20’000.-. Heute haben wir Faktoren von über 1000! Die sogenannten Einkommensmillionäre – von denen wir in der Schweiz doch eine beträchtliche Anzahl haben – verdienen in einem Jahr soviel wie Durchschnittsmenschen in ihrem ganzen Leben. Dürfte man da nicht erwarten, dass sie ab und zu ein paar Krümelchen zurückspielen?

Unfaire Einkommens-Verteilung ist gefährlich
Initiativen wie „occupy Wallstreet“, teilweise auch der arabische Frühling, selbst der nicht ganz so religiös geprägte Krieg in Nordirland, die Apartheidbewegung und die französische Revolution haben mit unfairer Geldverteilung zu tun, die nur möglich ist, wenn die Macht zentralisiert wird. Soziale Unruhen bis zu Bürgerkriegen sind direkt sichtbare Konsequenzen. Schleichende Unzufriedenheit, Loyalitätszerfall, Sabotage und viele Arten von Neid und Eifersucht bis zu Hoffnungslosigkeit und Depression sind da weit weniger sichtbar, doch trotzdem spürbar. Der Trend zum Ausnutzen des Arbeitgebers, des Staates oder der Sozialwerke und Versicherungen geht zum Teil auf die wahrgenommene Unfairness zurück.

Schenken ist fair!
GenerositySensible Menschen, die vom Glück reich verwöhnt sind und Chancen im Leben bekommen und ergriffen haben, spüren dies und möchten vielleicht deshalb, dass es anderen auch gut gehen möge. Die höchste Verhaltensrichtlinie im Buddhismus sagt: „Möge es allen fühlenden Wesen gut gehen und mögen sie frei von Schmerz sein “. Implizit liegt darin die Aufforderung, dazu beizutragen, wo immer dies möglich ist. Schenken – nicht nur Geld, sondern vielleicht noch wichtiger Zeit, ein offenes Herz, Mitgefühl und ein geduldiges Ohr – hilft, das Gefälle von Glück und Unglück, von Reichtum und Armut, von Gesundheit und Krankheit etwas auszugleichen. Selbstloses Schenken ist Dienst am Nächsten, so wie er/sie das im Moment am nötigsten braucht. Schenken ist nicht mehr als fair, solange es mir vergönnt ist, mehr zu haben als andere. Es geht dabei nicht darum, ein „Gutmensch“ zu sein, sondern einfach darum, auszugleichen und für die Gesamtheit zu optimieren.

Schenken tut gut!
„Der Schüler muss mit dem Geben beginnen“ heisst es in den Grundlagen der Mysterienschulen. Wie kann ich aber mit dem Geben beginnen, wenn ich selbst nichts habe? Es geht dabei viel mehr um den Grundsatz der Grosszügigkeit und des Teilens. Erst wenn ich bereit bin, abzugeben, dann ziehe ich Gutes an. Wollen wir „beim Universum bestellen“, dann wird dies umso erfolgreicher sein, in dem wir auch uns selbst zum Spender machen. Erkenntnisse, die mittlerweile nicht mehr neu und schon mehrfach verifiziert sind, belegen, dass es uns umso besser geht, je mehr wir für andere und mit anderen tun können. Helfen wir anderen, dass es ihnen besser geht, dann geht es uns selbst auch besser, denn „what goes round comes round“.

Joachim Bauer, der deutsche Molekularbiologe und Psychotherapeut kommt in seinen Forschungen zum selben Schluss: dass es uns Menschen nur richtig gut geht, wenn wir Dinge für andere tun, die diese schätzen, oder wenn wir Dinge erfolgreich mit anderen zusammen unternehmen. Die glücklich machenden Botenstoffe im Gehirn, die Endorphine, werden nur in Bezug zu anderen in hohem Mass ausgeschüttet.

Welchen Sinn wir dem Leben geben, ist eine Sache unserer Bedürfnisse
Der Sinn des Lebens (respektive der Sinn, den unser Leben hat) hängt nicht zuletzt von der Erfüllung der Bedürfnisse ab, die gerade anstehen. Zentral dabei ist, dass wir diese spüren, erkennen, kommunizieren und realisieren. Das bringt uns sehr schnell zu den Themen „Authentizität“ und „Zivilcourage“. Stehen wir zu den Bedürfnissen, die wir spüren und erkennen? Getrauen wir uns, unsere Bedürfnisse mitzuteilen, auch wenn sie als uncool beurteilt werden könnten von anderen – oder noch schlimmer: von uns selbst? Fordern wir unsere Bedürfnisse gegen die starken und vielseitigen Bedürfnisse unserer Mitmenschen ein?

Vielleicht ist die Sinnkrise, die viele Menschen zurzeit erleben, keine Sinn-, sondern eine Bedürfniskrise, insofern als wir diese nicht klar erkennen, oder nicht genügend verwirklichen können. In meinen Coaching-Mandaten, wie auch in meinem Leben geht es oft um Akzeptanz- und Dominanzbedürfnisse. Es geht um Wertschätzung, Anerkennung, Zugehörigkeit und Einbezug, also die dritte Bedürfnisebene von Maslow! Solange diese Ebene nicht erfüllt ist, dient das „selbstlose Dienen“ nicht dem anderen, sondern uns selbst, denn wir suchen damit letztlich nichts anderes als Anerkennung und Zuwendung. Die meisten Frauen und Männer kennen diese Stufe sehr gut. Erst wenn wir da einigermaßen gut aufgefangen sind, kommen wir zur nächsten Stufe, der Dominanz. Hier geht es darum, die Dinge im Griff zu haben, Herr über das eigene Leben zu sein, andere und die Umwelt beeinflussen zu können, die Geschicke zu führen und zu lenken. Auf dieser vierten Stufe dienen wir immer noch nicht: Wir erfahren unsere Macht! Das ist das typische Umfeld von Managern und Politikern. Auch in der nächsten Stufe geht es noch nicht um selbstloses Dienen, sondern darum, das zu tun, was wir möchten, uns selbst zu verwirklichen und unser Potenzial zu realisieren. Viele Künstler und Wissenschaftler arbeiten auf dieser Stufe. Das Erkennen unserer Bedürfnisse ist auf der fünften Stufe der Schlüsselerfolgsfaktor per se, denn ohne dass wir unsere Bedürfnisse klar erkennen, können wir sie auch nicht erfüllen. Erst wenn wir es geschafft haben, uns selbst zu realisieren und unsere eigenen Bedürfnisse zu leben sind wir bereit, anderen zu helfen, ihre Bedürfnisse zu verwirklichen. (Ganz so sequentiell ist es im richtigen Leben nicht, da wir uns auf der Maslowschen Pyramide munter nach oben und unten bewegen, je nachdem was im Moment ansteht).

Echte und Ersatzbedürfnisse unterscheiden!
Die grossen und wesentlichen Bedürfnisse der Menschen, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Liebe, nach Gesundheit oder nach Weisheit, lassen sich nicht immer so leicht befriedigen. Intensive Arbeit, langwieriges sich damit Befassen, Geduld und Demut sind angesagt. Manchmal sind wir gefordert, unsere Machtlosigkeit zu akzeptieren und geduldig auf günstigere Gelegenheiten zu warten. Manchmal übersteigen die Bedürfnisse unsere (gegenwärtigen) Möglichkeiten und es gilt, die Grenzen zu akzeptieren. Was tun wir? – Wir greifen zu Ersatzlösungen! „Candy store solutions“ in Englisch. Das heisst, wir befriedigen unsere Bedürfnisse auf eine einfachere und billigere Weise, in dem wir uns mit Dingen belohnen, die ohne Umstände zu haben sind. Die Schokoladen- und Schmuckindustrie leben davon, aber auch die Unterhaltungsbranche und ein grosser Teil der Textil- und Autoindustrie. Es geht um Konsum oder „Retail Therapy“. Der Vorteil dieser kurzfristigen, leichten Bedürfniserfüllung liegt auf der Hand; ihr Nachteil: sie ist nicht nachhaltig und kann sogar abhängig und süchtig machen. Unerfüllbare, schwer zu realisierende Bedürfnisse auszuhalten, braucht Disziplin, Geduld, Ausdauer, Kraft und langfristige Zielorientierung – alles Elemente emotionaler Intelligenz.

Das Cliché stimmt…..
Kürzlich durfte ich eine Gruppe hochrangiger Managerinnen der Finanzdienstleistungsbranche coachen. Was mir an ihnen zuerst auffiel waren die grossen, hochweissen, lupenreinen, perfekt geschliffenen Diamanten, die Ohren, Hals, Finger und Armgelenke zierten. Sie passten ideal zu den arrivierten Damen und schienen deren Qualitäten zu spiegeln. Das Zweite war die Haarfarbe, die fast ausschliesslich platinblond war. Die schlanken Figuren in teuren schwarzen Hosenanzügen, weisse Blusen und Pumps schienen ebenfalls normiert, wie auch die sorgfältig gepflegten Gesichter (Augenbrauen schwarz und winkelgenau gezupft) und Hände (unauffälliger Nagellack, french). Doch lebten diese Powerfrauen mit ihren siebenstelligen Gehältern ihre Bedürfnisse? Standen sie wirklich zu sich und ihren Prinzipien? Was waren denn die Bedürfnisse dieser Damen? Spürten sie sie? Getrauten sie sich, zu ihren Bedürfnissen zu stehen? Sicher geniessen sie eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft! Sie haben es geschafft und sind da, wo viele hin wollen. Sicher haben sie auch einen grossen Teil ihres Lebens im Griff! – Sie führen, sie haben Einfluss, sie entscheiden. Bestimmt sind sie auch freiweillig da, wo sie sind, denn sie könnten jederzeit aussteigen. Aber wie erklären wir uns diese hohe Anpassung und Normierung? Ist sie der Preis, um „mitspielen“ zu dürfen? Sind die Insignien der Macht und des Erfolgs das Ziel oder die „candy store solutions“? – oder möchten sie einfach akzeptiert werden, Teil sein von etwas Erfolgreichem oder zur Elite gehören?

Diese Frage stelle ich mir auch bei Charity-Projekten und Non-Profit-Unternehmungen: Wofür dienen sie? Worum geht es wirklich?

Viele Menschen und Organisationen haben sehr viel erreicht, so dass sie einen grossen Wunsch empfinden, etwas zurückzugeben und anderen zu helfen. Einige suchen darin einfach Akzeptanz….. Dafür ist das, was wir für andere tun, sehr geeignet, nur selbstlos ist es nicht. Doch stärkt uns das, was wir für andere tun noch weit mehr, als das was wir für uns selbst tun (so lange wir auch für uns selbst sorgen), denn was wir für andere tun, das kommt mehrfach zu uns zurück. In dem wir Dinge gemeinsam erarbeiten, in dem wir „stakeholderorientiert“ agieren, in dem wir für die Gemeinschaft optimieren, schaffen wir nicht nur Resultate, sondern auch Goodwill und Wohlbefinden.

Ein kürzlich durchgeführtes Forschungsprojekt hat gezeigt, dass Menschen, die vorgängig ein positives Erlebnis hatten, viel gewillter sind, anderen zu helfen, als Menschen, die vorgängig ein Negatives Erlebnis hatten. Wenn wir helfen, dass es der Gesamtheit besser geht, dann geht es auch uns selbst – als Teil dieser Gesamtheit – besser. Wenn wir die Gemeinschaft an unserem Erfolg teilhaben lassen, dann haben wir auch weniger Neider. Wenn wir ganzheitlich denken und agieren, dann werden wir zur Quelle von Glück, Freude und Wohlstand, was uns weit mehr gibt, als was wir gegeben haben. So ein Zitat des Dalai Lamas:
If you want others to be happy, practice compassion.
If you want to be happy, practice compassion.

Willst Du andere glücklich machen, praktiziere Mitgefühl.
Willst Du glücklich sein, praktiziere Mitgefühl!

Christina Kuenzle im Web
christina.kuenzle@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
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Bildnachweis: © Shutterstock

Dieser Artikel ist im Businessmagazin Ladies Drive erschienen.

4. Mrz.

Die gläserne Decke durchbrechen

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Viele Wege führen nach Rom … an die Spitze auch! 

Zugegeben, was folgt ist etwas stereotyp, doch es ist manchmal einfacher, das Wesentliche anhand einer Karikatur als im Original zu erkennen. Mittlerweile haben es doch einige Frauen in Wirtschaft und Politik an die Spitze geschafft – nicht alle dieser Damen befürworten übrigens die Quote – und so lassen sich langsam auch gewisse Muster erkennen, wie sich die „glass ceiling“, die ganz offensichtlich nicht für alle gilt, allenfalls doch durchbrechen lässt. Lassen Sie uns dazu einige Karrieremodelle aufzeigen, die sich durchaus kopieren lassen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn wenn Ihr Weg so klar und deutlich vor Ihnen liegt, dann ist es wahrscheinlich nicht Ihr Weg, denn diesen müssen Sie sich erst bahnen.

Karrierefrau

Unser persönlicher, einzigartiger Weg entsteht nämlich erst in dem wir ihn gehen, und ist so nicht vorgezeichnet. Somit sind alle Wege, die es schon gibt, Wege, die andere Frauen und Männer gegangen sind, und damit höchstens Muster, nicht aber Autobahnen für Karrieren. Fangen wir mit dem gefürchtetsten aller Karrieremodelle an, dem das viele der arrivierten Managerinnen für sich in Anspruch nehmen, …


Modell „Hochleisterin“
Chapeau! – Sie geben einfach alles und machen es sich nicht einfach. Alles 100 %-ig zu machen ist aus Ihrer Sicht nur etwas für Weicheier – Sie selber geben mindestens 200 %, und zwar immer. Schon in der Schule haben Sie neben Ihren Topnoten noch Klavier-, Tennis-, Frühenglisch-, Reit- und Ballettstunden besucht und waren möglicherweise in den Hochbegabtenklassen zu finden. Sie lassen denn auch kein Diplom aus und achten sorgfältig darauf, dass Sie immer und überall gefordert werden. Überstunden gehören zum Tagesprogramm, klagen tun Sie erst bei über 40 Extrastunden (pro Woche, nicht pro Monat!). Da Sie das Meiste eh besser können als Ihre Mitbewerberinnen und Konkurrenten und erst noch jede Menge Extrameilen gehen ohne zu murren und zu knurren, kann fast niemand mithalten. So räumen Sie Preise genau so ab wie Beförderungen und kommen weiter – immer weiter, bis zum Zusammenbruch, aber der könnte ja auch erst nach der Pensionierung stattfinden. Für die ganz Starken liegt auch noch Mutterschaft drin, so lässt sich auf einer zweiten Dimension noch etwas mehr Herausforderung – natürlich ebenfalls im Hochleistungsbereich – zuschalten.

Vorteil: Sie holen alles aus sich heraus
Nachteil: Menschen wie Sie sind gute Kunden von Burn-out Coaches
Sum up: Seien Sie ab und zu etwas nett zu sich selber!

Modell „Häschen“
So hart zu arbeiten ist nicht für Alle! Zum Glück gibt es Alternativen: Sie fangen als Sekretärin oder Kindermädchen an. Aufgrund der starken Sympathie Ihres Vorgesetzten oder Arbeitgebers, die manchmal zugegebenermassen nicht ganz jugendfrei ist, werden Sie schon bald bevorzugt behandelt und im Idealfall auch befördert. Vielleicht haben Sie auch die Fähigkeit, die Anforderungen in der neuen Position zu bewältigen und schaffen es vielleicht sogar noch ein bis zwei Stufen höher. Ihr Beschützer und Förderer, der lieber Mentor genannt wird, sorgt dafür, dass Sie nicht gleich wieder von den erklommenen Stufen – mindestens so lange die Sympathie anhält – verdrängt werden durch MitbewerberInnen, die sich für geeigneter halten. Im Idealfall werden Sie geheiratet und in Ausnahmefällen sogar Königin von England. Geniessen Sie’s, wenn es natürlicherweise passiert! Falls es Strategie sein sollte, gibt es dafür auch noch andere Bezeichnungen.

Vorteil: Sie schaffen Karriereschritte, von denen Andere nur träumen können.
Nachteil: Sie bekommen dadurch viele NeiderInnen
Sum up: Spätestens ab 40 sollten Sie dieses Modell mit einem anderen ersetzen

Modell „Erbin“
Ob vom Vater oder vom verstorbenen Ehegatten ist egal: Hauptsache, Sie erben eine Firma, je grösser, desto besser. So sind Sie, ohne sich auf mühsame Weise qualifizieren zu müssen – wobei eine gute Ausbildung und etwas Erfahrung keinesfalls schaden, – CEO. Als Erbin können Sie auch nicht verdrängt werden: den Posten haben Sie aufgrund der Familienzugehörigkeit bis zum gewählten Pensionsalter oder bis zum Tod auf sicher. Stellen Sie aber auch sicher, dass Sie neben den vielen erbschleichenden Anwärtern und lächelnden Jasager-Schmeichlern doch noch ein paar solide, unbestechliche, geradlinige Berater und Manager finden, die Sie dabei unterstützen, das Unternehmen länger zu halten als die Tausender im Casino dies tun. Sinnvoll ist bei diesem Modell für Nachwuchs zu sorgen und den wiederum gut auszubilden, so dass auch die Karriere Ihrer Tochter gesichert ist. Sollten Sie mehrere Töchter und Söhne haben lohnt es sich, dieses Modell mit einem oder mehreren anderen zu kombinieren, um aus der geerbten Firma ein Imperium zu machen, das mehrere Erbinnen und Erben in Würde ernährt.

Vorteil: Ist ziemlich offensichtlich
Nachteil: keiner, es sei denn, Sie heiraten den falschen Partner
Sum up: Sie haben einfach echt Schwein gehabt

Modell „Kumpel“
Falls keines dieser Modelle Ihr Fall sein sollte, dann gibt es zum Glück noch andere Optionen. Beispielsweise hier nicht „der“, sondern „die“ Kumpel. Als Kind haben Sie Fussball gespielt und sind mit Jungs rumgehangen. Sie sind der sportliche Typ und können nicht allzu viel anfangen mit Mode, Schminke, eleganter Wäsche und andern Tussi-Utensilien. Sie fürchten auch keine Trink-Konteste, denn Sie vertragen ziemlich viel – auch Härteres – und scheuen selbst vor Zigarren nicht zurück. Warum Sie so Karriere machen sollten? Ganz einfach: Die Männer merken möglicherweise nicht, dass Sie eine Frau sind und befördern Sie ganz aus Versehen mit, denn wer schon einen Jagdschein hat, fliegt, segelt oder schnelle Autos fährt und so nebenbei den Fotokopierer repariert, kann man doch nicht einfach zurücklassen….

Vorteil: Die Männer nehmen Sie für ziemlich ebenbürtig und behandeln Sie auch so
Nachteil: könnte Ihnen von den Anonymen Alkoholikern aufgezeigt werden
Sum up: Wenn’s Spass macht, warum nicht?!

Modell „Nabel der Welt“
Sie sind einfach unentbehrlich! – Wo immer Not an Frau ist, sind Sie zuvorderst. Wird ein Freiwilliger gesucht, dann melden Sie sich zuerst. Sie helfen jedem, jeder und immer. So lernen Sie zwar viel, werden ab und zu auch ausgenutzt, sind immer dabei und kriegen eine Unmenge an Zuwendung und Wertschätzung. Meistens haben Sie die Dinge bereits erledigt, bevor jemand nachfragt, denn Sie sind äusserst wahrnehmungsfähig und intuitiv. Nichts ist Ihnen zuviel, wenn es Ihnen nur Anerkennung bringt und/oder jemandem das Leben erleichtert. Wer wollte denn schon auf Jemanden wie Sie verzichten! Früher oder später fällt es sogar der Personalabteilung auf, dass Sie eine gesuchte und geschätzte Frau sind im Unternehmen, und so kann es durchaus sein, dass Sie bis knapp unter die Spitze befördert werden.

Vorteil: Sie werden nun wirklich von Allen geschätzt!
Nachteil: Sie könnten verbittern, falls sich die Strategie nicht auszahlt
Sum up: Suchen Sie einen ganz tollen, fähigen und starken Chef, der Sie eine Karriere lang mitzieht

Modell „Self Made Woman“
Ganz zielstrebig gehen Sie voran. Sie wissen, was Sie wollen und Sie wissen, wie Sie’s erreichen können. Schon früh planen Sie Ihren Weg und setzen ihn Schritt um Schritt um. Sie leisten viel, aber nicht verbissen. Sie schauen weder nach links noch rechts, denn Sie wissen, dass die Starke am stärksten allein ist. So verlassen Sie sich weder auf Andere, noch auf Systeme. Sie bezahlen Ihr eigenes Handy, auch wenn Ihnen die Firma eines zur Verfügung stellen würde, und Sie fahren Ihren eigenen Wagen, auch wenn Sie über die Firma einen leasen könnten. Sie haben in der Schule nie abgeschrieben und Sie haben selten bis nie jemanden um einen Gefallen gebeten. Sie tragen Ihre schweren Koffern selber und lassen sich weder von Männern noch von Frauen in den Mantel helfen. Auch Ihre Türen öffnen Sie selber und Sie können sogar selber Schneeketten montieren, wenn es sein muss. Sie haben einen starken Gerechtigkeitssinn und legen Wert darauf, nur aufgrund Ihrer Leistung anerkannt zu werden und nicht aufgrund irgendwelcher intransparenter Faktoren. Das setzen Sie auch für Andere voraus.

Vorteil: Sie würden sogar das Paris-Dakar Rally single-handed überstehen
Nachteil: Zum Danke-Sagen und zum Loben brauchen Sie einen 3-wöchigen Kurs
Sum up: Seien Sie sich bewusst, dass – auch wenn Sie’s nicht gemerkt haben – ganz viele Leute Sie in Ihrer Karriere unterstützt und für Sie das Trittbrett gehalten haben

Ein Artikel, der kürzlich in der Harvard Business Review erschienen ist, macht zwei Dimensionen für eine nachhaltige Karriere verantwortlich: Kompetenz und Altruismus. So behaupten die Autoren, dass nur wer fähig ist, es schafft, nachhaltig Karriere zu machen, und nur wer sich auch um das Wohl Anderer kümmert es gelingt, genügend gute Beziehungen zu bauen und zu halten, die es erst ermöglichen, nachhaltig Wert zu schaffen (was für eine Karriere vorausgesetzt wird). So wird, wer gleichermassen fähig und altruistisch ist, mit Recht bewundert, fähige Egoisten jedoch beneidet (und im Extremfall sabotiert), unfähige Altruisten bemitleidet und unfähige Egoisten verachtet. Was immer also Ihr bevorzugtes Karrieremodell sein sollte – schalten Sie andere Modelle dazu, denn keines funktioniert im Alleingang so richtig gut. Achten Sie dabei auf Kompetenz und auf das Wohl Ihres Umfelds in allem, was Sie tun.

Christina Kuenzle im Web
christina.kuenzle@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
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Bildnachweis: © Shutterstock

Dieser Artikel ist im Businessmagazin Ladies Drive erschienen.