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25. Apr.

Unausweichliches Entscheiden

Das Leben: eine Abfolge von Entscheidungen

In einer Entscheidung wählen wir zwischen verschiedenen Möglichkeiten des Verhaltens oder Handelns. Wir entscheiden uns für einen Karrieresprung oder gegen ein Jobangebot, für eine politische Partei oder gegen eine neue Wohnung, für einen Auslandsaufenthalt oder gegen die Wehrpflicht usw. Es vergeht kaum ein Tag an dem wir keine Entscheidung zu treffen haben, die nicht eine gewisse Tragweite hätte.

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Entscheidungen sind unausweichlich, ob wir wollen oder nicht. Selbst dann, wenn wir in einer Sache  nichts entscheiden haben wir ja eine Entscheidung gefällt, nämlich in der Sache nichts zu entscheiden. Aber ist es in unser Belieben gestellt, wie wir uns entscheiden? Oder gibt es objektive, allgemeingültige Gesichtspunkte, die zu berücksichtigen sind? Das hängt mitunter davon ab, welchen Zweck wir mit unseren Entscheidungen verfolgen. Für die Entscheidungstheorie zum Beispiel sind bestimmte Regeln der Rationalität ausschlaggebend, für die philosophische Ethik sind es die Regeln der Moral. Der entscheidende Unterschied der Regelwerke liegt darin, dass im ersten Fall, die bestmögliche Befriedigung überwiegend eigener Interessen im Vordergrund steht, während im zweiten Fall, die bestmögliche Befriedigung überwiegend fremder Interessen im Vordergrund steht. Es ist das fremde Interesse, das die Befriedigung unsere eigenen Interessen limitiert. Kaum jemand, der das nicht kennt.

Warum aber sollten wir eine solche Limitierung akzeptieren? Manche Philosophen würden antworten: „Weil es vernünftig ist, denn sehr wahrscheinlich ist jeder Einzelne von uns irgendwann auch der Andere. Es kommt nämlich nur auf die Situation und den Zeitpunkt an.“ So gesehen ist eine (moralisch) richtige Entscheidung eine, bei der nicht nur der Entscheidende selbst im Zentrum der Überlegungen steht, sondern immer auch jene, die davon mitbetroffen sind. Anders gesagt: Eine moralisch richtige Entscheidung ist eine solche, die man vor sich selbst und der Welt verantworten kann. Das ist altmodisch werden die einen sagen, überzogen und undurchführbar die anderen. Richtig ist, dass auch die Philosophen, zeitgenössische wie frühere, noch kein Instrumentarium angeboten haben, das es erlauben würde in jedem Fall moralisch richtig zu entscheiden. So ist etwa weder der berühmte kategorische Imperativ von Immanuel Kant (Handle so, dass die Maxime deines Handelns stets zu einem allgemeinen Gesetz werden kann) noch der überaus einsichtige Vorschlag des Utilitarismus (Handle zum Wohl der Meisten) frei von philosophischen Schwierigkeiten. Nichtsdestoweniger kommt es darauf an, die Sinnhaftigkeit und die Konsequenzen unserer Entscheidungen im Sinne der Ethik in Frage zu stellen, ist uns daran gelegen eine Gesellschaft zu schaffen, die Wert hat. Das ist ein persönliches Wagnis, aber ohne Wagnis kommen wir nicht weiter. Wer sein eigenes Leben, und ein Stück weit, das der Anderen, verantworten will, muss es eingehen.

Dr. phil. Bernd Waß, MSc. & Mag. Heinz Palasser, MBA, MSc im Web
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20. Dez.

Bedenkliche Zeit, philosophisch gedacht.

Augustinus, Kant, Heidegger, Wittgenstein und die Zeit. 

Sie hat uns wieder, die besinnliche Weihnachts-Zeit. Für manche Menschen allerdings, vor allem für jene, die sich dem Nachdenken zugewandt haben, ist die Weihnachtszeit in vielerlei Hinsicht eher bedenklich als besinnlich. Es wird Ruhe eingefordert und Lärm gemacht. Es wird Liebe verkündet und Neid geschürt. Es wird Erlösung versprochen und Abhängigkeit geschaffen. Es wird das Überweltliche angerufen und das Weltliche zelebriert. Wenn wir von der Weihnachtszeit sprechen,  sprechen wir jedenfalls von einer besonderen Zeit. Deshalb wollen wir in diesen Tagen der Zeit philosophische Aufmerksamkeit widmen, denn kaum etwas anderes betrifft den Menschen so unmittelbar.

Der Kirchenmann und Philosoph Augustinus hat sich die Frage gestellt, worum es sich tatsächlich handelt, wenn wir von der Zeit sagen, sie sei ein Kontinuum aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Gegenwart, die einzige Zeit ist über die wir unmittelbar verfügen. Selbst Vergangenheit und Zukunft erschließen sich uns nur über die Gegenwart. Wir verfügen über die Gegenwart in Form unserer gegenwärtigen Wahrnehmungen und Erlebnisse, über die Vergangenheit in Form gegenwärtiger Erinnerungen und über die Zukunft als einen gegenwärtigen Blick auf unsere Erwartungen, mag er ängstlich oder auch hoffnungsfroh sein. Wir verfügen also über die Gegenwart des Gegenwärtigen, über die Gegenwart des Vergangenen und die Gegenwart des Zukünftigen, nicht aber über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als solches.

Immanuel Kant hat der Zeit den Charakter einer objektiv gegebenen Größe der Welt überhaupt abgesprochen. Er argumentiert für die Zeit als einer subjektiv-menschlichen Bedingung der Erkenntnis. Zeit gibt es ihm zufolge nicht unabhängig von uns, sondern Zeit ist eine genuin menschliche Anschauungsform, die das Wahrgenommene in ein erlebtes Nacheinander bringt.

Martin Heidegger wiederum misst dem Erleben von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besondere Seins-Zustände bei. Er spricht von dem „Schon-Gewesen-Sein“, vom „Sein-Bei“ und vom „Sich-Vorweg-Sein“. All diese Zustände drehen sich für ihn um die Grundstimmung des „Besorgt-Seins“, welche der Ausrichtung des Lebens auf den Tode hin entspringt. Für Heidegger ist Zeitlichkeit schlechtweg der Sinn der Sorge.

Wie auch immer wir die Zeit bestimmen wollen, Zeit betrifft uns unmittelbar. Sie macht uns gegenwärtig, was ist und was nicht ist. Sie lässt uns einander überhaupt erst begegnen, weil sie uns allen gleichermaßen als Ordnungsprinzip dient, und sie lässt uns für uns selbst und für andere Sorge tragen. Die Zeit ist so allgegenwärtig, dass wir ihren verbindenden Wert für das Miteinander der Menschen gerne übersehen. Wenn wir die Weihnachts-Zeit nach diesem Wert ausrichten, dann kann aus ihrer Bedenklichkeit vielleicht doch noch Besinnlichkeit werden. Wir wünschen Ihnen deshalb Zeit für einander und schließen mit dem Gruß der Philosophen, wie ihn Ludwig Wittgenstein uns anempfohlen hat: „Lass Dir Zeit“.

Dr. phil. Bernd Waß, MSc. & Mag. Heinz Palasser, MBA, MSc im Web
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