Schlagwort-Archive: Persönlichkeitsentwicklung

30. Okt.

Warum Agilität und Reflexion zusammen gehören

Agiles Arbeiten braucht Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zur Reflexion; sowohl zur Selbstreflexion, als auch zur Fremd- und Metareflexion.

Die Entwicklung von Reflexion in der frühen Kindheit

Kinder bis drei Jahre begegnen der Welt unhinterfragt, erst danach können sie zwischen Innen und Außen unterscheiden und eine Sichtweise ihrer Gedanken und Gefühlswelt entwickeln. Dies passiert nicht als Entwicklungs- und Reifungslogik, sondern im Kontext der elterlichen Beziehung. Das differenzierte emotionale Erleben wird einer frühen Affektspiegelung zugeschrieben. Durch die Reaktion der Eltern auf das kindliche Verhalten wird bereits als Säugling dieser spiegelnde Emotionsausdruck geübt, trainiert und erlebt. Zwischen neun und achtzehn Monaten interpretiert das Kind eigene und fremde Handlungen, kann allerdings noch nicht die Motive dahinter lesen. Gedanken und Wünsche werden bereits im Spiel als real gezeigt und erfahren. Der reflexive Modus integriert sich ab dem vierten oder fünften Lebensjahr und ermöglicht so dem Kind das eigene und das andere Innenleben zu unterscheiden.
Der reflexive Modus (ca. ab 4. bis 5. Lebensjahr) integriert die vorher nebeneinander existierenden Realitäten. Er ermöglicht ein Nachdenken über das eigene Selbst und über das vermutete Innenleben anderer Menschen. In der kindlichen Gedankenwelt werden unterschiedliche Perspektiven und falsche Überzeugungen erkannt und bevorzugt im Spiel dargestellt, modifiziert und verarbeitet. Destruktive oder ängstigende Inhalte werden spielerisch durchgearbeitet und durch einen mitspielenden Erwachsenen oder ein älteres Kind vermittelnd organisiert. An dieses spielerische Probehandeln kann im Erwachsenenalter im Rahmen einer Reflexionschallenge oder eines Coachings zurückgegriffen werden und so im Als-ob Modus die Reflexionsfähigkeit erweitert werden. Auftretende Gedanken, Gegenübertragungsgefühle und Ideen werden so erforscht und neue Erfahrungen dadurch ermöglicht und die reflexive Kompetenz verbessert.

Zukünftige Arbeitswelten brauchen Reflexion

Die moderne Arbeitswelt ermöglicht dem Einzelnen, die eigene Arbeit losgelöst von Raum und Zeit zu organisieren. Zugleich besteht die Erwartung, „just in time“ auf dynamische äußere Anforderungen zu reagieren. Dies erfordert von jedem Einzelnen, Prioritäten zu setzen, flexibel das eigene Handeln zu steuern und veränderungsfähig zu bleiben. Diese geforderte Agilität braucht laufendes Reflektieren und Lernen, um das gewünschte Tempo zu gewährleisten. Ohne Reflexion könnte nur routiniertes konservatives Handeln das Arbeitsfeld dominieren. Unbewusst wird auf abgespeicherte lebensgeschichtliche Erfahrungen in ähnlichen Situationen zurückgegriffen. Interaktives Prioriätensetzen, Paradoxien durch neue Marktteilnehmer und hohe Marktbeweglichkeit brauchen aber neues frisches und bewegliches Mindset. Dabei spielt die Berücksichtigung aller Stakeholderinteressen (Mitarbeiter/Teammember und Kunden-Lieferantensichtweisen) und die Resonanz der eigenen Innenwelt eine wichtige Rolle. Die Reflexionsfähigkeit ermöglicht also, neue Handlungsoptionen zu erschließen und das eigene Verhalten den Erfordernissen einer erfolgreichen Bewältigung der variablen Arbeitsherausforderung anzupassen. Damit ist Reflexion auch der Schlüssel, um bisher gewohnte Verhaltensstrategien zu überdenken, alte weiterzuentwickeln, neue zu suchen und auszuprobieren, um so das Verhaltens- und Reaktionsrepertoire zu erweitern. In reflexive Distanz zu sich selbst treten können, braucht außerdem noch eine Metakompetenz, die sich durch eine Beobachtungsgabe des Kontextes und des Moments und einer Projektion in die Zukunft ergänzt. Das Ziel dabei ist, vorschnelle, emotionale und subjektive Bewertungen zu reduzieren und anderen erweiterten Betrachtungs- und Einschätzungsvarianten mehr Raum zu geben. Statt aktionistisches auf Anforderungen zu reagieren, gilt es evaluiert und priorisiert Handlungsoptionen zu szenarisch reflektierend zu prüfen.  Diese Fähigkeit zur Selbststeuerung ist die Basis zur Regulierung des eigenen Energiehaushalts und gleichzeitig die Voraussetzung dafür, handlungsfähig zu bleiben.

Reflexionsräume schaffen

Um eine Reflexion zu üben, müssen Räume der Selbstreflexion geschaffen werden, sowohl physisch als auch organisatorisch und zeitlich. In der Reflexionschallenge wird das Auseinandersetzen mit den eigenen Grenzen unterstützt, der Blick über den eigenen Tellerrand geschärft. Verstärkt werden Formate genutzt, die Silos aufbrechen, Hierarchien einstürzen lassen und so neue Szenarien der aktuellen und künftigen Organisationsbedingungen entworfen und dafür tragfähige Lösungen und Antworten entwickelt. Im Reflexionsraum wird so der Umgang mit Paradoxien zwischen individuellen und strategischen Perspektiven geübt und sich in einem neuen Umgang mit Reibungsflächen, Widersprüchen, Irritationen und Störungen des Gewöhnten und Bewährten initiiert.

Im Actionlearningmodus die Integration in den Arbeitsalltag erleichtern

Die persönliche und organisatorische Reflexion zu erhöhen, verbindet Problemlösung und Offenheit für die Veränderung mit iterativem Lernen. In moderierten Feedback-Schleifen wird das Erlebte besprochen und so nachhaltig und rasch verändert. In Reflexionssequenzen wird die Wahrnehmungsfokussierung geschärft und die Wahrnehmungsfilter des subjektiven Filters gelüftet. Auf Neues, Fremdes, Unbehagliches, Unterschiedliches, Ängstigendes und Anderes gelingt es uns so uns einzulassen. In selbstreflexiven Annäherungsschleifen wird ein behutsamer, toleranterer Umgang mit Blickwickeln eingeübt, das Aussteigen aus den eigenen Denkspiralen erleichtert und so der persönliche Horizont erweitert. Action Learner entwickeln sich in dieser Weise und verstärken ihre Performance und die Neugestaltung des Arbeitsumfeldes (Anpassungslernen, Veränderungslernen, Prozesslernen). Durch das neue Handeln und veränderte Verhalten wird die Reflexionsdynamik erhöht und eine reflexive Reife entwickelt. Reflexion zählt zur Professionalität und stellt eine unverzichtbare Grundlage für die Problemlösungskapazität im Kontext des agilen Arbeitens dar. Es zeigt sich durch ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit, durch starke intuitive Fähigkeiten, durch die Kenntnis der eigenen emotionalen Neigungen und durch das Einlassen auf unterschiedliche Betrachtungsstandpunkte unabhängig vom persönlich eigenen und bevorzugten Denkstandpunkt und durch die Wertschätzung und Würdigung von unterschiedlichen Sichtweisen und Ansätzen.

Ursula della Schiava-Winkler im Web
udsw@socialskills4you.com ∙ www.socialskills4you.com
Facebook ∙ Twitter ∙ LinkedInXING

Bildnachweis: Foto: von der Ars Electronica, Ursula della Schiava-Winkler

6. Jul.

Die Welt ist mir ein Stück nähergekommen

Gepostet von

Die geheime Sprache der Kunst – wie sie das Außen mit dem Innen verbindet

Dass die darstellende Kunst eine „geheime“ Sprache spricht, ist ihr schlichtweg implizit. Sie ist zwar nicht immer aus sich selbst zu verstehen wie unsere gesprochene und geschriebene Sprache, aber z.B. durch die Darstellung gut erkennbarer Elemente – wie Natur, Menschen, Landschaften oder Architektur – durchaus logisch zu erschließen.

Wenn dann noch historische, religiöse oder mythologische Elemente eingebaut sind, begeben wir uns auf die Verständnis-Ebene von Motiven und Symbolen, die wir z.B. mit Hilfe der Ikonografie oder Kulturgeschichte bestimmen und deuten können.

„Aphrodite“ von Rivière zeigt ein Beispiel: Eine Szene, die die Göttin der Liebe und der Schönheit zeigt, die von einer Gruppe von wilden Tieren umgeben ist, scheinbar unter ihrem Zauber. Anders als die meisten Maler konzentrierte er sich nicht auf das erotische Potenzial des Subjekts, sondern wählte eine ungewöhnliche Szene aus einer Homerischen Hymne (8.-6. Jh. V. Chr.).

Anders auf der abstrakten und von allen wiedererkennbaren Komponenten losgelösten Ebene. Aber auch hier ist es uns möglich durch freie Assoziationen abzufragen, wie es auf uns wirkt und welche Gefühle dabei angesprochen werden.
Dem Allen schwingt noch etwas anderes mit.

Zum einen ist es der Ausdruck des Künstlers in seiner individuellen Persönlichkeit und seinem kulturellen Umfeld. Zum anderen sind es die Schwingungen der Farben. Farben lenken uns viel mehr als wir uns das vorstellen können. Sie beeinflussen uns und sind ein Kommunikationssystem. Farben lösen Emotionen und Reflexe aus. Durch Farben (natürlich auch schwarz und weiß) nimmt das Gehirn Formen im Außen wahr.

Und nun zum Betrachter. Seine Kapazitäten einem Kunstwerk zu begegnen, sei es durch Verstehen oder schlichtweg sinnlich, „färben“ und beeinflussen, wie das Werk zu ihm spricht. Wenn dieser sich darauf einlässt, frei und losgelöst von Vorkenntnissen, ein Kunstwerk zu betrachten, geschieht eine originelle Symbiose zwischen Werk und Betrachter. Die Sprache des Bildes trifft nämlich auch auf tief Verborgenes in seinem Unbewussten und bekommt einen weiteren Wert:  Es entsteht eine erweiterte Form der sinnlichen Kommunikation, einer passiven oder aktiv genutzten Selbst-Reflexion, die für eine nachhaltige Bewusstmachung und Veränderung unserer Denk- und Verhaltensmuster genutzt werden kann!

So in der Coaching Methode Symbolon® für Potentialentfaltung. Nach schon 2×5 Tagen intensivstem Training mit dieser Methode ist in mir eine innere Veränderung eingetreten. Eine Umwandlung meiner Wahrnehmung aller äußeren Faktoren. Wir lernen und üben im Lehrgang mit Leib und Seele und unermüdlichem Engagement mit Bildern auf Resonanz zu gehen und das „Dahinter“ und „Darunter“ zu ergründen. Dass ich aber auf einmal nicht nur Kunstwerke so anschaue, sondern mein gesamtes Umfeld, und damit mich auch im Alltag selbstreflektieren lerne, ist für mich eines der größten Geschenke dieser Arbeit.

Ich erfahre die Qualität, mich im Äußeren zu spiegeln, wann und wo es mir möglich ist. Fragen wie „was macht das mit mir?“ brauchen nicht mehr nur im experimentellen Coaching-Setting gefragt zu werden… Ich erlebe eine neue Form der Symbiose mit meinem Umfeld. Es scheint, als lösen sich die Grenzen zwischen Betrachten und Betrachtetem langsam auf. Das Außen kommt mir, meinem Wesen, meiner Seele näher….

Mein Innerer Beobachter kommuniziert auf einer anderen Ebene mit dem vermeintlich Äußeren: Da ist neben mentaler Neugierde eine Resonanz auf Herzensebene spürbar. So als würde ich eine längst bestehende innere Beziehung zu den externen Dingen, Menschen, der Natur neu erleben. So eine Art Auflösung (Weichmachung) des Kenntnis-Horizonts, der (Vor-)Urteile und des bisher anders wahrgenommenen physischen Abstands zu dem Außen.

Es ist ein phänomenales Erlebnis: Die Welt ist mir ein Stückchen näher gekommen.

Bettina Clark im Web
bettina.clark@symbolon.com ∙ www.bettinaclarkcoaching.com
XING ∙ LinkedIn ∙ Facebook

Bildnachweis: Aphrodite, 1902, Briton Rivière, Dahesh Museum of Art; Diagonale, 1923, Wassily Kandinsky, Solomon R. Guggenheim Museum

9. Feb.

Mehrdimensionales Coaching mit Achtsamkeit und Wertfreiheit

Gepostet von

Sensibel, fragil und höchst leistungsfähig

Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Wie schaffen Coaches die verschiedenen Ebenen und Dimensionen zu beleuchten? Den Kunden gerecht zu werden, sie in ihrer mehrdimensionalen Welt abzuholen und zu begleiten?

Ich lade Sie zu einer Videoanimation (20 sec.) über die neuronale Aktivität des Hirns ein. Wenn Sie in den Vollbildmodus wechseln, erleben Sie die Hirnaktivitäten intensiver. Vielleicht möchten Sie beobachten, was der Film in Ihnen auslöst und versuchen, den Prozess und das Wesen des Hirns zu erfassen:

 

Was sind Ihre spontanen Gefühle und Gedanken?
Was braucht das Hirn für seine Regeneration und Entwicklung?
Was brauchen Sie für Ihre Weiterentwicklung?

Jedes Hirn ist ein vielschichtiges und komplexes Werk. Sensibel, fragil und hoch leistungsfähig. Wenn Coaching und Trainings auf verändertes Verhalten abzielen, wird der Mensch vordergründig und kurzfristig in seiner Herangehensweise gepuscht, jedoch innerlich in der Psyche durch Botschaften wie „ich bin nicht ok“, „ich muss die Erwartungen erfüllen“ oder „mit mir stimmt etwas nicht“ verunsichert. Interventionen, die mit Erfolgsdruck und Motivationsmodellen manipulieren und indirekt Ängste schüren, bringen Menschen immer mehr von dem, was sie sind, weg. In unserer Kultur wird schon jungen Menschen erklärt, dass sie im Sinne „höher, schneller, weiter …“ sein sollen und was von ihnen erwartet wird. So werden Menschen durch die Erfüllung von Erwartungen und künstliche Anpassung innerlich immer mehr verunsichert.

Das Ergebnis ist, dass zum Beispiel eine Führungskraft, die innerlich unsicher ist, kompensiert, indem sie machthungrig das Umfeld ausnützt und distanziert bleibt. Um innere Ängste nicht zu spüren und „zu überleben“ entscheidet und handelt sie für den eigenen Vorteil und kann so in eine destruktive Maßlosigkeit geraten. Genauso kann es sein, dass eine andere Führungskraft, die innere Unsicherheit, durch eine überkritische Haltung kompensiert. Im Wunsch Gutes zu tun und „die Welt retten zu wollen“ kann auch sie egozentrisch und unnahbar wirken. Die Kompensationsmöglich-keiten sind vielschichtig und unterschiedlich. Für alle gilt: Je stärker ein Mensch unbewusst und auf Kosten anderer kompensiert, je schwächer ist seine innere Persönlichkeitsentwicklung.

Coaches brauchen psychologische Kenntnisse und Erfahrungen, um die vielfältigen Kompensa-tionen zu erkennen. Mit einer sensiblen und empathischen Begleitung können sie Kunden höchst wirksam in ihre inneren Ebenen führen. Dazu müssen sie mit den Kunden ohne Erwartungen und Wertungen die versteckten Unsicherheiten und Muster beleuchten. Die Kunden werden durch den eigenen Reflexionszugang und neue Erfahrungen gestärkt. Die persönliche Geschichte mit allen Ereignissen ist im Hirn abgespeichert und ermöglicht in integrierter Form Potenziale frei zu setzten. Wenn es gelingt, wesentliche und tiefe Selbsterkenntnisse zu erlangen, geschieht wie von selbst ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Damit Coaches dem mehrdimensionalen Menschen gerecht werden können, ist die eigene Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Neben hoher Fachkompetenz brauchen sie Reflexionskompetenz, Achtsamkeit und Hingabe. In Coaching-Prozessen, welche mit Wertfreiheit geführt werden, entwickeln sich Menschen wirksam aus sich heraus weiter. Verdrängte oder unbewusste Unsicherheiten, die sich im Hirn als destruktive Muster „Fehlschaltungen und Blockaden“ manifestiert haben, können sich lösen und wandeln. Wird der Fluss in der menschlichen Schaltzentrale hergestellt, wird auch der Lebensfluss mit allen Funktionen und Zugängen befreit. Coaching mit Empathie und Tiefe öffnet den Menschen für echte Selbstreflexion, welche seine individuelle innere Ordnung herstellt und seine Mehrdimensionalität in Einklang bringt.

Weiterführende Informationen
Maintaining and promoting excellence in coaching – der Code of Ethics vom ICF
Reflexionskompetenz trainieren – der Symbolon-Lehrgang

Christine Kranz im Web
christine.kranz@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
XING ∙ LinkedIn ∙ Twitter ∙ Facebook

Filmnachweis: © Shutterstock: Neuronal Activity

22. Sep.

Trends bei Reflexion in Organisationen

Gepostet von

Neue Erkenntnisse aus dem Projekt der Zusammenarbeit WU Wien und Symbolon AG

Reflexion in Organisationen zu untersuchen und die Effekte auf Wandel abzuschätzen war Kernelement der Zusammenarbeit zwischen dem Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien und der Symbolon AG. Die erste Erkenntnisse liegen in Form einer sehr umfangreichen Arbeit von Beate Haslinger vor. Im Rahmen ihrer Literaturrecherche und durch Feedback- und Austauschgespräche zwischen akademischer und praxisorientierter Perspektive sind folgende Trends sichtbar geworden:

Trend 1: Wahrnehmung und innerer Referenzrahmen neues Zentrum der Reflexion
Das Verständnis von Reflexion im wirtschaftlichen Kontext war in der Vergangenheit durch einen analytischen und handlungsorientierten Zugang charakterisiert. Neuere Modelle der kritischen Reflexion richten den Fokus von außen nach innen und stellen die innere Erfahrung und Wahrnehmung in das Zentrum. Sie betonen, dass erst durch eine kritische Reflexion des inneren Referenzrahmens eine Veränderung der Perspektive möglich ist. Emotionen werden dabei weder thematisiert noch ausgeschlossen. Kritische Reflexion basiert nicht nur auf einem vertieften sondern auch erweiterten Verständnis von Reflexion. Der Kontext, wie soziale, politische und kulturelle Aspekte sind ebenfalls Gegenstand der Reflexion.

Trend 2: Nachhaltiger Wandel braucht neben Selbstreflexion auch organisationale Reflexion
Mit der Betrachtung des Referenzrahmens verlässt Reflexion den Boden der rein individuellen Erfahrung. Konzepte wie jenes der organisationalen Reflexion oder des Organisationsbewusstseins, die die Bewegung vom Individuellen zum Kollektiven betonen, gewinnen in der Literatur zunehmend an Bedeutung. Nur wenn neben Selbstreflexion auch organisationale Reflexion möglich ist, wird der Wandel in Organisationen nachhaltig unterstützt. Dabei ist vor allem die Haltung und das Verständnis aus dem heraus Reflexion stattfindet entscheidend.

Trend 3: Wachsendes Organisationsbewusstseins durch kritische Auseinandersetzung
Damit Reflexion sowohl die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen stärkt, darf Selbstentwicklung nicht ausschließlich an den Einzelnen delegiert werden. Das organisationale Bewusstsein ist definiert durch die Reflexionsfähigkeit einer Organisation auf allen Ebenen. Nicht nur die Werte, Überzeugungen und Handlungsmuster des Einzelnen, sondern auch das Selbstkonzept der Organisation muss in Frage gestellt werden dürfen. Ein verändertes Problembewusstsein auf allen Ebenen entsteht, wenn die Psycho-Logik des Verhaltens in und von Organisationen reflektiert wird.

Die Trends zeigen, dass Reflexion auf allen Ebenen eine Basis für den organisationalen Wandel bildet. Selbstreflexion ist noch immer der erste Schritt zur Persönlichkeitsentwicklung, reicht aber nicht aus, um nachhaltige Veränderungen im Unternehmenskontext zu erreichen. Erst eine gemeinsame Reflexionskultur im Unternehmen ermöglicht nachhaltige Organisationsentwicklung.

Ansprechpartner Symbolon AG
Mag. Linda Baumgartner
linda.baumgartner@symbolon.com

Ansprechpartner Institut für KMU-Management der Wirtschaftsuniversität Wien
Univ.-Prof. Dr. Herbert Neubauer
herbert.neubauer@wu.ac.at

Quelle
Haslinger, Beate (2015). Relevanz und Nutzen von Reflexion in wirtschaftlichen Organisationen. Bachelorarbeit, Wien.

Bildnachweis: Magritte-Museum in Brüssel, verhüllt in 2009, dpa

27. Jan.

Wie Schieles Werke psychologische Kompensationen aufzeigen

Gepostet von

Mit hohem Bewusstseinsgrad differenziert und authentisch führen

Im Zusammenhang mit Führung und Karriere werden psychische Krankheiten wie Depression, Ich-Schwäche, Persönlichkeitsstörung, Burnout-Syndrom und Narzissmus oft selbstverständlich verwendet. Entsprechend hat der Begriff der Resilienz kometenhaft an Prominenz gewonnen. Was schnell und oberflächlich thematisiert und schubladisiert wird, kann in keiner Weise den Betroffenen gerecht werden. Das Innenleben und die daraus resultierende Außenwirkung sind das Ergebnis einer langen unvergleichlichen Lebensreise. Die Summe aller Erlebnisse macht die Einzigartigkeit des Menschen aus. Mit all seinen unverarbeiteten Schwächen, gelebten Stärken und angelegten Potenzialen.

Um die inneren Potenziale freizulegen, bedarf es einer tiefgreifenden Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört die reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche. So selbstverständlich wie Körperpflege und -hygiene kultiviert werden, verlangt auch die Bearbeitung der psychischen Ebene nach differenzierter Aufmerksamkeit mit Fokus auf Selbstentwicklung. Wer die „Psychohygiene“ mit den darin enthaltenen Ängsten, Mustern und Schwächen vernachlässigt oder sogar negiert, riskiert mit der Zeit psychisch und körperlich instabil und krank zu werden.

Vor 100 Jahren stellte der österreichische Künstler Egon Schiele mit intensivster Ausdruckskraft psychologische Inhalte dar. Der folgende Exkurs mit zwei seiner Selbstportraits zeigt mit Hilfe von symbolischer Übersetzung und assoziativer Betrachtung tiefsinnige Themen und Entwicklungspotenziale auf. Dabei werden nicht Schieles Gedanken interpretiert sondern vielmehr auf die Symbolik und eigenen Empfindungen, welche das Dargestellte auslöst, geachtet. Lässt sich der Betrachter auf persönliche Assoziationen ein, gelingt es ihm innere Muster und Prozesse zu Tage zu fördern.

Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung

Dieses 1910 entstandene Selbstportrait symbolisiert durch die prägnante Formgebung und intensive Kolorierung des Kopfes, der Hand und des am unteren Bildrand angedeutet Beines die Ausprägung der intellektuell steuernden Fähigkeiten sowie der Handlungskraft und Fortbewegung. Die kantig geführten Linien, der starke Ausdruck des Gesichtes und die roten Augen stellen Unsicherheit genauso wie Dominanz dar. Schiele verzichtet gänzlich auf die Ausmalung des Gewandes. Dies assoziiert einen reduzierten Korpus oder eine schwebende Hülle die, im Gegensatz zu Kopf und Gliedmaßen, unfassbar wirkt.

Diese Leere steht sinnbildlich für Menschen, deren innere persönliche Bereiche der Gefühle, Bedürfnisse und Instinkte inhaltslos und unerfüllt bleibt. Sie haben durch die Identifizierung mit der Leistung und den Erfolgen im Außen den Kontakt nach Innen verloren. Meist sind diese Menschen abhängig von der Rückmeldung Anderer und funktionieren daher reaktiv und undifferenziert.

In der nach außen gerichteten Wirtschaftswelt der Superlative von mehr, schneller und grösser wird die Innenschau gänzlich an den Rand gedrängt. Die innere Stimme verstummt und Sinnfragen bleiben unbeantwortet. Die ursprüngliche Lebensquelle und -kraft versiegt. Die Psychologie bietet Wege nach Innen und gibt Antworten auf psychodynamische Prozesse, die im Menschen wirken und laufend von außen angestoßen werden. Denn alles, was einen Menschen bewegt, sei es in angenehmer oder unangenehmer Weise, hat mit ihm selbst zu tun. Mit einem niedrigen Bewusstseinsgrad wird das eigene Problem auf andere projiziert und das Konfliktpotenzial erhöht, was wiederum erschwert konstruktive Lösungen zu finden. So wird zum Beispiel auf kritisches Feedback mit Verteidigung reagiert. Mit einem hohen Bewusstseinsgrad gelingt es, die subjektive Kränkung zu reflektieren und zu verstehen, dass zum Beispiel der mangelnde Selbstwert zu dem Schmerz und der Abwehr führte. Die selbstverantwortliche Auseinandersetzung mit dem ausgelösten inneren Muster und dem darin enthaltenen Entwicklungspotenzial wird bearbeitet. Zum Beispiel kann daraus ein gesundes Ich-Bewusstsein erwachsen. Entsprechend wird das Ereignis mit allen Beteiligten objektiv bearbeitet und eine adäquate Weiterentwicklung und Gestaltung der Arbeitssituation bewirkt.

Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

Im diesem, 3 Jahr später entstandenen, Selbstportrait hebt Schiele mit der Gestik und Kolorierung in gegensätzlicher Weise, als im vorherigen Werk, symbolische Inhalte hervor. Das orangene Gewand steht für starke, persönliche Bezogenheit zur emotionalen, körperlichen und instinktiven Lebenskraft. Der sinnliche Gesichtsausdruck mit den geschlossenen Augen stellt die ganz nach Innen gerichtete Aufmerksamkeit dar. Durch die Stirnfalten erscheint die Innenschau keineswegs passiv sondern vielmehr ein Suchen und Ringen um tiefere essenzielle Erkenntnisse.

Richtet ein Mensch die selbstkritische Auseinandersetzung zu stark nach Innen mit zu wenig Distanz zum subjektiven Empfinden, kann dies auf die spontane Potenzialentfaltung hemmend wirken. Ständige Selbstzweifel und Hinterfragung absorbieren die Kraft, die für eine lebendige Gestaltung im Außen notwendig wäre.

Die ausbalancierte psychologische Auseinandersetzung mit sich selbst ist für Führungskräfte und Entscheidungsträger ein unschätzbarer Gewinn. Denn jeder hat seine Sonnenseiten und auch Schattenthemen, die sich bei Verdrängung destruktiv, verhindernd und kraftraubend auswirken. Auch wenn sehr schwierige Menschen relativ gut mit sich selbst klar kommen, so stellen sie meist für das Umfeld, speziell in ihrer Rolle als Vorgesetzte, eine unerträgliche Belastung dar. Sind sie zusätzlich von einer egoistischen Omnipotenz eingenommen, sind sie sich der Verantwortung und dem Schaden, den sie anrichten nicht bewusst. Wenn beim Einzelnen zu viele Belastungsfaktoren zusammen kommen, kompensiert die Psyche mit Gegenreaktionen oder bricht zusammen.

Die Entwicklung von inneren Prozessen sollte durch Coaches und Begleiter mit hoher psychologischer Kompetenz durchgeführt werden. Dabei spielt deren eigene Reflexionskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle. Denn nur wer selbst seine Tiefen erforscht und integriert hat, kann Andere sicher in ihrer tiefen Persönlichkeits- und Potenzialentwicklung begleiten. Der Weg nach Innen lohnt sich nicht nur für die Betroffenen. Auch die Unternehmen profitieren. Denn Führungskräfte und Entscheidungsträger bekommen durch die ernsthafte, individuelle Auseinandersetzung Stärkung und Unterstützung. Sie sind in ihrer Haltung und all ihren Handlungen klarer, entscheidungsstärker und authentischer. Unermesslich viele wertvolle Potenziale liegen auf den inneren Ebenen brach und warten darauf aktiviert und im Außen genutzt zu werden.

Christine Kranz im Web
christine.kranz@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
XING ∙ LinkedIn ∙ Twitter ∙ Facebook

Bildnachweis: Selbstportrait, 1910, Egon Schiele, Privatsammlung;  Selbstbildnis in oranger Jacke, 1913, Egon Schiele, Albertina, Wien

8. Apr.

Kunstcoaching & Art4Reflection

Gepostet von

Wie ein Kunstwerk durch Reflexion Erkenntnisse zu Tage führt 

Von einem erfolgreichen Coaching erwarten sich Kunden einen Perspektivenwechsel und tiefgreifende Erkenntnisse. Die zum Teil verstellte Sicht auf Wesentliches soll frei werden. In kurzer Zeit soll möglichst klar sein, was im Bezug zu den aktuellen Herausforderungen, die persönlichen Entwicklungsschritte sind und wie der Umgang mit dem Umfeld gelingt.

1928, René Magritte

Ein Kunstwerk wie zum Beispiel dieses von René Magritte eignet sich ideal für eine Reflexion von Kommunikations-themen. Ihre Situation im Arbeitsprozess mit den spezifischen Herausforderungen wird mit dem Kunstwerk verbunden. Anhand von Fragen wie zum Beispiel „Was löst das Kunstwerk in Ihnen aus?“, werden Ihre Assoziationen abgefragt und damit die eigenen Befindlichkeiten beleuchtet. Auch vertiefende Fragen wie zum Beispiel „Wie erleben Sie dies in Ihrer Arbeitssituation?“, „Welche Kommunikationsmuster können Sie bei sich selbst und in Ihrem Umfeld erkennen?“ und „Was würde den Menschen hier im Kunstwerk helfen?“ eröffnen neue Sichtweisen. Dabei gibt es keine richtigen und falschen Antworten. Sie aktivieren Ihre inneren Bilder und erkennen die tiefere Bedeutung.

Die individuelle Führung des Coachingprozesses ist auf Selbstreflexion und Selbsterkenntnis ausgerichtet. Mit dem assoziativen Einlassen auf die Bilderwelt steigen fast wie von selbst Lösungsbilder auf, die es Ihnen leicht machen, konkrete Maßnahmen zu formulieren und anschließend umzusetzen. Die Einzigartigkeit der Kunstwerke macht tiefgreifende und berührende Erkenntnisprozesse möglich. Wertfrei halten Kunstwerke den Spiegel vor und unterstützen Mustererkennung und -wandlung.

Mehr zur Wirkungsweise von Kunstwerken in Reflexionsprozessen erfahren Sie im Blogartikel
„Wie Kunst zur Selbsterkenntnis beiträgt“.

 

Art4Reflection_workshop

Veranstaltungsreihe Art4Reflection @lunchtime

Art4Reflection @lunchtime verwandelt Ihre Mittagspause in einen Coachingraum. Raum um an- und innezuhalten und Ihre Themen zu reflektieren. Es werden Museums-Veranstaltungen in Vaduz, Bern, Zürich, Wien, Berlin, München, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Stuttgart und London angeboten.
Detailinformationen finden Sie auf www.symbolon.com/lunchtime

Christine Kranz im Web
christine.kranz@symbolon.com ∙ www.symbolon.com
Twitter ∙ Facebook ∙ XING

Bildnachweis: Die Erfindung des Lebens, 1928, René Magritte, Privatsammlung, Brüssel; Veranstaltung Art4Reflection Alte Nationalgalerie in Berlin, 2013, (c) Symbolon AG

26. Sep.

Selbstmanagement-Kompetenz

Gepostet von

Kernkompetenz von Führungskräften und Mitarbeitenden in der heutigen Arbeitswelt 

Die heutige Zeit ist geprägt durch eine zunehmende Verfügbarkeit und Komplexität von Informationen und Wissen sowie eine fortwährende Dynamik des Wandels in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Die wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen führen in den Unternehmen zu permanenten und beschleunigten Veränderungsprozessen und fordern eine stetige Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen.

Selbstmanagement

Mitarbeitende müssen in der Lage sein, sich von vertrauten Strukturen zu lösen, traditionelle Denkhaltungen zu hinterfragen, und den Mut haben, neue Wege zu beschreiten, z. B. beim Verlust des Arbeitsplatzes. Das hohe Mass an Flexibilität, das von den Unternehmen gefordert wird, stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeitenden. Der Kostendruck auf den Märkten führt dazu, dass mit weniger Personal in kürzerer Zeit die gleichen oder gar wachsende Aufgaben zu bewältigen sind. Der zunehmende Druck erfordert ein konsequentes Selbstmanagement. Denn: Wird der Druck zu hoch, kann die damit verbundene Überforderung zu Erschöpfungszuständen, Depressionen, psychosomatischen Beschwerden oder Krankheit führen.

Ziel von Selbstmanagement-Kompetenz ist, Leistungsfähigkeit (Wissen, Kompetenzen, Arbeitsmarktfähigkeit, Gesundheit, mentale und körperliche Fitness), Leistungsbereitschaft (Identifikation, Engagement), Wohlbefinden und Balance zu fördern und langfristig zu erhalten.
Selbstmanagement ist gelebte Selbstverantwortung.

Im Modell der Selbstmanagement-Kompetenz sind wesentliche Aspekte eines effektiven Selbstmanagements umfassend integriert. Es dient als Grundlage, um Selbstmanagement-Kompetenz auf individueller und organisatorischer Ebene gezielt und ganzheitlich zu fördern. Das Modell unterscheidet drei Ebenen und neun Bausteine. Die neun Bausteine repräsentieren die zentralen Themenbereiche der Selbstmanagement-Kompetenz. Selbstverantwortung, Selbsterkenntnis und Selbstentwicklung bilden das dynamische Kernmodell und sind Bedingungsfaktoren, damit Selbstmanagement wirkungsvoll gelebt und umsetzt wird.

  1. Selbstverantwortung: heisst, für sich und die eigenen Bedürfnisse, Werte, Grenzen und Ziele im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und Fremdbestimmung einzustehen und Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen. Selbstmanagement ist nicht delegierbar.
  2. Selbsterkenntnis: beinhaltet, die eigene Lebensgestaltung umfassend zu reflektieren, vorhandene Stärken und Potenziale zu erkennen und zu definieren, welche Ziele im Berufs- und Privatleben – in Abstimmung mit den vorhandenen Bedürfnissen, Werten und Möglichkeiten – sinnvollerweise zu realisieren sind.
  3. Selbstentwicklung: bedeutet, sich neue Verhaltensweisen anzueignen, Einstellungen und persönliche Grenzen zu verändern, Kompetenzen zu erweitern, neue Laufbahn- und Entwicklungswege zu suchen, Lebenspläne umzugestalten und letztlich als Mensch zu wachsen. Lebenslanges Lernen ist hierzu Voraussetzung.
  4. Ziele: haben eine handlungsregulierende Funktion. Wirkungsvolle Ziele sind realistisch sowie intrinsisch motivierend. Menschen brauchen die Fähigkeit, definierte Ziele mit Engagement und Beharrlichkeit zu verfolgen, aber auch die Bereitschaft, unerreichbar gewordene Ziele wieder loszulassen.
  5. Zeit und Informationen: Menschen treffen fortwährend bewusste und unbewusste Entscheidungen über ihre Zeitverwendung und Zeiteinteilung. Es braucht Klarheit, wie die verfügbare Zeit sinnvollerweise eingesetzt und welche Qualität im Zeiterleben realisiert werden soll. Entscheidend ist, den wesentlichen Dingen im Privat- und Berufsleben bei der Zeitgestaltung Priorität einzuräumen.
  6. Physische und psychische Gesundheit: Gesundheitsförderliches Verhalten beinhaltet, Ressourcen konsequent zu aktivieren und zu nutzen. Hierzu gehört beispielsweise, Massnahmen zum Aufbau von Energie, Kraft und Vitalität oder zum Abbau von Belastungen und Stress gezielt in den Alltag zu integrieren. Wichtig ist,  belastende Faktoren im Privat- und Berufsleben zu erkennen und abzubauen sowie Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen.
  7. Soziale Beziehungen: gehören zu den wichtigsten Ressourcen überhaupt. Es braucht die Fähigkeit, soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, die nährend, unterstützend und inspirierend sind. Entscheidend ist, ausreichend Zeit mit Menschen zu verbringen, die wichtig sind und Freundschaften auch bei hoher Arbeitsbelastung nicht zu vernachlässigen.
  8. Selbstkontrolle und Selbstregulation:  ermöglicht, das eigene Verhalten so zu steuern, dass Ziele auch erreicht werden. Hierzu gehört einerseits, die Willensanstrengung aufzubringen, vorhandenen Ablenkungen im Innen und Aussen entgegenzuwirken – auch wenn andere Bedürfnisse dabei zurückgestellt werden müssen. Andererseits braucht es die Fähigkeit, Emotionen mittels verschiedener Strategien gezielt zu regulieren (Selbstmotivierung und Selbstberuhigung).
  9. Zahlreiche weitere relevante Aspekte der Persönlichkeit wie etwa Selbstwirksamkeits­erwartung, Optimismus oder Kohärenzvermögen haben einen Einfluss darauf, wie Selbstmanagement-Kompetenz im Alltag erlebt wird. Es ist entscheidend, die Wirkung von Persönlichkeitsaspekten zu erkennen und mittels Persönlichkeitsentwicklung positive Aspekte zu fördern und Regulationsmechanismen zu erlernen, um negative Wirkungen situativ zu minimieren.

Da zahlreiche Einflussfaktoren auf das persönliche Selbstmanagement einwirken, gestaltet sich die Umsetzung oftmals als anspruchsvoller und teilweise auch als schmerzhafter Prozess. Selbstmanagement hat mit klaren Entscheidungen zu tun, mit Verzichten-Können. Es zeigt sich in Seminaren und Coachings immer wieder, dass Menschen eigentlich genau wissen, welche Bereiche es zu verändern gilt. Die eigentliche Hürde liegt oftmals im Schritt vom Wissen zum Tun. Auf der Umsetzungsebene ist deshalb besonders die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und Selbstregulation gefordert. Die Ausrichtung der Lebensgestaltung an einem persönlichen Leitbild hilft, die Kraft und den Mut zu finden, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Nicht immer sind grosse Schritte notwendig. Häufig reichen kleine, unspektakuläre Veränderungen, um eine entscheidende Wirkung zu erzielen, etwa die konsequente Integration von Bewegung in den Alltag, das Festhalten an Treffen mit Freunden, eine tägliche To-do-Liste, der Besuch einer Weiterbildung oder die Entscheidung, Dinge nicht persönlich zu nehmen.

Selbstmanagement ist ein lebenslanger und vor allem dynamischer Prozess, der aus vielen Schritten besteht. Wichtig ist, jeden noch so kleinen Schritt in die angestrebte Richtung wertzuschätzen und sich bewusst zu sein, dass jeder Tag eine neue Chance bietet, das Leben in die Richtung zu lenken, die mit den eigenen Werten und Bedürfnissen kongruent ist und so Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Wohlbefinden und Balance langfristig zu stärken.

Prof. Dr. Anita Graf 
anita.graf@fhnw.ch ∙ www.fhnw.ch

Literatur:

Graf, Anita (2013): Sich selbst wirkungsvoll führen. Die Selbstmanagement-Kompetenz zu fördern ist entscheidend, um Leistung und Wohlbefinden im Unternehmen zu erhalten, in: io management, März/April.

Graf, Anita (2012): Selbstmanagement-Kompetenz in Unternehmen nachhaltig sichern. Leistung, Wohlbefinden und Balance als Herausforderung. Springer Gabler, Wiesbaden.

11. Nov.

„Tierisches Potenzial“

Gepostet von

Durch Selbstreflexion mit Tierbildern eigene Potenziale aufspüren und entwickeln

Seit 11 Jahren ist die Selbstreflexion mit Tierbildern wichtiger Bestandteil der Symbolon-Methode® und findet sich als einer von 17 Bereichen in der Potenzialanalyse Symbolon-Profil Intensiv wieder.

In erster Linie geht es bei der Selbstreflexion mit einem Tierbild immer darum zu erkennen,
was jemand im jeweiligen Tier sieht und welche Fähigkeiten, Stärken und Schwächen dem Tier zugeschrieben werden. Erst in zweiter Linie ist es wichtig, wie sich das Tier tatsächlich verhält
oder wie es lebt. Es gibt keine richtigen, guten oder optimalen Assoziationen und Interpretationen eines Tieres. Jeglicher Gedanken- und Gefühlsimpulse zu einem Tierbild ist ein Schritt hin zur persönlichen Erkenntnisfindung.

Eine genaue Anleitung zu diesem spielerischen Prozess der Erkenntnis- und Lösungsfindung gibt es ab sofort in dem neuen Buch „Tierisches Potenzial“ von Christine Kranz.

aus dem Buch Tierisches Potenzial von Christine Kranz, Symbolon Verlag

„Tierisches Potenzial“ lädt Sie zur Selbstreflexion mit dem Kunstwerk „Orpheus und die Tiere“ von Paulus Potter ein und unterstützt Sie mittels Informationen, Anwendungsbeispielen und Arbeitsunterlagen Ihren persönlichen Reflexionsprozess erfolgreich zu gestalten.

Heute hat die Autorin Christine Kranz gemeinsam mit der Grafik Designerin Charmian Wachter das neue Buch im Kunsthaus in Vaduz (Liechtenstein) vorgestellt.

Im 5-minütigen Kurzfilm zur Buchpräsentation gibt die Autorin Informationen zum Entstehungsprozess des Buches, erklärt das grundlegende Prinzip der Selbstreflexion mit Tierbildern und beschreibt ein anschauliches Beispiel.

Selbstreflexion mit Tierbildern, Symbolon Verlag, Christine KranzAktuelle Informationen, Inhaltsverzeichnis, Arbeitsunterlagen und Leseproben sowie Bestellmöglichkeit finden Sie auf www.tierisches-potenzial.com

Mit dem Kauf von „Tierisches Potenzial“ unterstützen Sie die wertvolle Arbeit der Sinn Stiftung www.sinn-stiftung.eu, denn 1 CHF pro Buch wird für Projekte zur „Potenzialentwicklung von Kindern und Jugendlichen“ gespendet.

Haben Sie Fragen zur Selbstreflexion mit Tierbildern?
Oder möchten Sie einen weiteren Gedanken zum Thema einbringen?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion um einen Austausch zu beginnen. Wir freuen uns auf das virtuelle Gespräch.

Bildnachweis: Gemälde und Buchcover „Tierisches Potenzial“: Orpheus und die Tiere, 1650, Paulus Potter, Rijksmuseum, Amsterdam